Besuch des Philae-Tempels
Der oft als Isis-Tempel bezeichnete Bau auf der Insel Philae wurde zu großen Teilen unter der Herrschaft von Nektanebos I. errichtet, einem der letzten Pharaonen. Seine Geschichte ist von ständigen Widerständen geprägt. Das Bauwerk trotzte dem Kaiser Justinian, der es im Jahr 530 schließen ließ, überdauerte die Umwandlung in eine koptische Kirche und entging nur knapp der endgültigen Zerstörung durch die Fluten des Assuan-Staudamms. Im Jahr 1974 wurde der Tempel in einer aufwendigen Rettungsaktion demontiert und auf die benachbarte Insel Agilkia versetzt. Diese gelungene Rekonstruktion erlaubt es heute, eines der Juwelen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. zu bewundern. Dieser unschätzbare Schatz des Alten Ägypten liegt nahe Assuan und umfasst eine Reihe von Monumenten, von denen einige aus der griechisch-römischen Epoche stammen.
Die letzten Hieroglyphen
Die Anlage ist ausschließlich mit einem Wassertaxi zu erreichen. Bereits während der Überfahrt mit der Feluke entfaltet der Philae-Tempel seine Wirkung. Die dichte Vegetation direkt am Wasser bildet eine beeindruckende grüne Kulisse für das Heiligtum. Eine Treppe führt auf eine weitläufige gepflasterte Esplanade, die wie eine Prozessionsstraße von imposanten Säulenreihen gesäumt wird. Die Kapitelle unterstreichen die ästhetische Wirkung, wobei einige im Papyrus-Stil gestaltet sind. Die eingravierten Reliefs erzählen vor allem die berühmte Liebesgeschichte zwischen Isis und Osiris.
Das Eingangstor bildet einen ersten Pylon, an dem neben der Göttin auch Hathor und Horus verewigt sind. Er führt zur Geburtshalle, in der die Geburt des Horus gefeiert wurde. Am zweiten Pylon erkennt man Ptolemaios VI., und im Pronaos, dem Vorraum des Tempels, haben sich vor allem an der Decke Reste von Bemalungen erhalten. Dahinter schließen sich verschiedene Räume an, darunter eine große Säulenhalle und der Naos, wo Basreliefs den König bei Opfergaben an Hathor zeigen. In diesem bedeutenden religiösen Zentrum wurden die letzten Hieroglyphen in Stein gemeißelt.
Etwas weiter erhebt sich der gut erhaltene Kiosk des Trajan. Er wirkt mit seinen vierzehn Säulen und den verzierten Kapitellen besonders elegant. Dort lassen sich die Kartusche des Kaisers Trajan, Hathor-Darstellungen sowie Szenen von Tanzdarbietungen erkennen. Es ist eine Ode an die Freude. Hier fanden die Zeremonien statt, wenn Isis die Insel verließ oder dorthin zurückkehrte. Die Überreste des Pavillons von Nektanebo, des Hathor-Tempels und des Hadrianstors vervollständigen diese ungewöhnliche Stätte, die voller Symbolik und Geschichte steckt.
Der Philae-Tempel liegt in der Nähe von Assuan. Der Staudamm befindet sich übrigens auch nicht weit entfernt. Es war also unsere letzte Station während unserer Ägyptenreise.
Unser Reiseleiter hatte für uns die Überraschung einer nächtlichen Besichtigung mit sanfter Beleuchtung geplant. Das verleiht diesem wunderschönen Tempel, der mitten im Wasser liegt, eine ganz besondere Atmosphäre. Man legt dort mit dem Boot an.
Objektiv betrachtet ist Philae weder der größte noch der schönste oder beeindruckendste Tempel des Landes, aber seine geografische Lage auf der Insel verleiht ihm einen riesigen Charme.