Besuch im Palais des Beaux-Arts in Lille
In Lille, im Norden Frankreichs, befindet sich das zweitgrößte Kunstmuseum des Landes. Es wurde Ende des 18. Jahrhunderts gegründet und ist seit 1975 als Monument historique (historisches Denkmal) gelistet.
Geschichte
Während der Französischen Revolution wurden zahlreiche Kunstwerke vom Adel und der Kirche eingezogen. Louis Joseph Watteau, Maler und Leiter der Kunstakademie, schlug der Stadtverwaltung vor, ein Museum zur Bildung der Öffentlichkeit einzurichten. So wurden 1793 etwa zwanzig beschlagnahmte Gemälde erstmals in der Akademie ausgestellt.
Zwischen 1841 und 1875 verdreifachte sich die Sammlung, was den Bau eines eigenen Gebäudes erforderlich machte. Géry Legrand, der damalige Bürgermeister von Lille, initiierte den Bau eines Palais des Beaux-Arts. Finanziert wurde das Projekt durch den Verkauf von Lotterielosen. Mit einem Budget von 2,5 Millionen Francs wurden die Architekten Edouard Bérard und Fernand Delmas mit der Planung betraut. Der Bau begann 1885 und dauerte 7 Jahre. Aufgrund von Geldmangel wurde das Gebäude jedoch nur in einer verkleinerten Version fertiggestellt, was bei der Eröffnung deutlich sichtbar war.
Nach den Diebstählen und Schäden während des Ersten Weltkriegs dauerte es bis 1991, bis das Museum umfassend saniert wurde. Die Arbeiten wurden von Jean-Marc Ibos und Myrto Vitart geleitet. Das Museum öffnete im Juni 1997 wieder für Besucher.
Das Palais des Beaux-Arts in Lille
Mit 12.000 m² Ausstellungsfläche und der zweitgrößten Sammlung des Landes ist dieses Museum ein zentraler Anlaufpunkt für Kunstinteressierte.
Die Sammlung umfasst nahezu 1.500 Gemälde, doch das Museum präsentiert weit mehr als nur klassische Malerei. Es zeigt zudem antike Stücke, Siegel und heraldische Objekte. Besonders sehenswert sind die 15 Reliefpläne von Festungsstädten aus dem 18. Jahrhundert sowie umfangreiche Sammlungen an Keramiken, Skulpturen und Zeichnungen.
Ein facettenreiches Museum, in dem es bei jedem Besuch Neues zu entdecken gibt.
Falls Sie etwas Zeit haben, kann ich einen Besuch in diesem Palais nur wärmstens empfehlen. Ich fand die Gemäldesammlung besonders interessant, mit Werken von Eugène Delacroix, Géricault, Courbet und Monet. Meine größte Entdeckung war das Gemälde Brand von Konstantinopel von Turner. Die Abteilung für Skulpturen enthält ebenfalls einige Meisterwerke, insbesondere den Gefallenen Engel von Rodin. Und nicht zu vergessen die sehr schönen chinesischen Keramiken.