Hiroshima: Ein Mahnmal, das aus Entsetzen einen Aufruf zum Frieden formt
Die Stille ist das Erste, was auffällt. In einem Land, in dem Museen oft von angeregten Gesprächen erfüllt sind, erzwingt dieser Ort eine instinktive Zurückhaltung. Besucher gehen langsam durch die Räume, lesen jede Informationstafel und verweilen vor einer Armbanduhr, die für immer auf 8:15 Uhr stehen geblieben ist. Es ist der exakte Zeitpunkt, an dem am 6. August 1945 die Welt aus den Fugen geriet.
Warum das Friedensmuseum Hiroshima besuchen?
Der Park und das Museum erstrecken sich über eine 12 Hektar große Insel zwischen den Flüssen Honkawa und Motoyasu. Vor dem Abwurf der Atombombe bildete dieses Viertel das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Der Architekt Kenzō Tange entwarf diesen Ort des Gedenkens, der 1954 eröffnet wurde. Seitdem haben über 50 Millionen Menschen das Museum besucht. Der Ort erhebt weder Anklage noch inszeniert er Opferrollen: Er dokumentiert schlicht, was eine Atomwaffe mit den Menschen vor Ort anrichtet.
Das Museum: Zwei Gebäude, eine Lektion über die Menschlichkeit
Das Ostgebäude
Der Rundgang beginnt im 3. Stockwerk des Ostgebäudes. Projektionen zeigen Hiroshima vor und nach der Explosion. Modelle veranschaulichen den Radius der Zerstörung und die Temperaturen am Boden. Das 2019 renovierte Gebäude nutzt moderne Projektionsmappings, um die Chronologie des Bombenabwurfs auf eindringliche Weise begreifbar zu machen.
Das Hauptgebäude
Hier ändert sich die Tonalität grundlegend. An diesem Ort sprechen die Objekte für sich. Ein verkohltes Dreirad, das einem dreijährigen Jungen gehörte. Schuluniformen, die von der Hitze geschmolzen wurden. Deformierte Lunchboxen. Jede Vitrine trägt einen Namen, ein Alter und eine Geschichte. Die gefilmten Zeitzeugenberichte der Hibakusha, der Überlebenden, laufen in einer Dauerschleife. Manche dieser Aufnahmen sind nur schwer zu ertragen.
Ein Audioguide in 14 Sprachen, darunter auch Deutsch, kann im Erdgeschoss des Ostgebäudes für 400 JPY (ca. 2,50 Euro) ausgeliehen werden.
Die Monumente im Park
Der Atombomben-Dom, der zum UNESCO-Welterbe zählt, ragt auf der anderen Flussseite auf. Er ist das steinerne Skelett der ehemaligen Industrie- und Handelskammer und eines der wenigen Gebäude, die nahe dem Hypozentrum stehen blieben. Seine ausgebrannte Silhouette ist zu einem weltweiten Symbol geworden.
Im Zentrum des Parks beherbergt das von Kenzō Tange entworfene Kenotaph eine Kassette mit den Namen aller Opfer, die bis heute über 330.000 Menschen umfasst. Sein Granitbogen rahmt die Friedensflamme und den Dom im Hintergrund ein. Diese Flamme wurde am 1. August 1964 entzündet und wird so lange brennen, wie es Atomwaffen auf der Welt gibt.
Das Kinder-Friedensdenkmal ist der wohl bewegendste Ort. Es ehrt Sadako Sasaki, die zum Zeitpunkt der Explosion zwei Jahre alt war und zehn Jahre später an Leukämie erkrankte. Der japanischen Legende nach erfüllt sich ein Wunsch, wenn man eintausend Papierkraniche faltet. Sadako faltete diese Kraniche bis zu ihrem Tod im Jahr 1955. Ihre Mitschüler finanzierten das Denkmal. Millionen von Papierkranichen aus aller Welt schmücken heute die Vitrinen um die Statue.
Tipp vom Experten: Die ruhigsten Zeiten für einen Besuch sind unter der Woche vor 10:00 Uhr. Tickets sollten vorab über die offizielle Website gekauft werden. Die Zeitfenster von 7:30 Uhr bis 8:30 Uhr sind ausschließlich über eine Online-Reservierung zugänglich und bieten die intensivste, kontemplative Atmosphäre.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Ich habe noch nie ein Denkmal oder Museum für die Opfer eines katastrophalen Ereignisses gesehen, das so verstörend ist. Die Bilder, Audios und Objekte sind extrem aufwühlend, und dabei bin ich eigentlich nicht empfindlich bei so etwas. Man sieht unter anderem ein Stück verbrannte Haut, bäh!
Wenn das Museum einen soliden geopolitischen Teil enthalten hätte, wäre das für mich in Ordnung gewesen, aber man lernt fast nichts über die Geschichte, die zur Bombe geführt hat. Es gibt nur ein paar erklärende Schilder auf Englisch am Ende, das ist schade. Dabei liebe ich solche Museen normalerweise.