Besuch am Berg Misen, spiritueller Wächter der Seto-Inlandsee
Auf 535 Metern Höhe thront der Berg Misen über der heiligen Insel Miyajima wie ein natürlicher Tempel, in dem sich uralte Legenden und unberührte Natur begegnen. Dieser Berg ist weit mehr als nur ein Gipfel. Es ist ein Freiluftheiligtum, in dem jeder Felsen und jeder Baum des Primärwaldes die Geschichte eines visionären Mönchs und einer Flamme erzählt, die seit 1.200 Jahren brennt.
Was macht den Berg Misen so besonders?
Im Jahr 806 wählte der bedeutende Mönch Kōbō Daishi, der Begründer der Shingon-Schule des Buddhismus, diesen Ort für 100 Tage asketischer Meditation. Seine Vision verwandelte den Berg für immer in heiligen Boden. Heute gehört der Primärwald am Berg Misen zum UNESCO-Welterbe und blieb von menschlichen Eingriffen weitgehend unberührt. Die riesigen Bäume, eigenwilligen Felsformationen und die in das Grün eingebetteten Tempel erzeugen eine Atmosphäre, die in Japan ihresgleichen sucht.
Der Berg Misen zählt zu den 100 berühmten Bergen Japans und bietet einen der beeindruckendsten Ausblicke des Archipels. Bei klarem Wetter reicht der 360-Grad-Blick über die Seto-Inlandsee, Hiroshima und bis zu den Bergen von Shikoku am Horizont.
Die sieben Wunder des Berges Misen
Der Berg beherbergt rätselhafte Phänomene, die sich rational kaum erklären lassen. Das bekannteste ist das Ewige Feuer im Pavillon Reikadō, das vor über zwölf Jahrhunderten von Kōbō Daishi entzündet wurde und seitdem ununterbrochen brennt. Diese heilige Flamme gilt als eines der großen Wunder des Ortes und zieht Paare an, die dort gemeinsam das Feuer der Liebe neu entfachen möchten.
Zu den weiteren Besonderheiten gehören der Gezeitenfelsen, dessen Wasserstand trotz der Höhe mit den Gezeiten schwankt, der Gebetsstab-Pflaumenbaum, der aus einem vom Mönch gepflanzten Shakujo-Stab gewachsen sein soll, sowie der mit Sanskrit-Schriftzeichen gravierte Mandala-Felsen. Diese Naturphänomene faszinieren Wissenschaftler und Pilger gleichermaßen.
Drei Pfade, drei Wandererlebnisse
Der Berg Misen lässt sich über drei verschiedene Wege erkunden, von denen jeder einen eigenen Charakter hat:
- Daisho-in-Pfad: Startpunkt ist der gleichnamige Tempel, den Kōbō Daishi gründete. Dieser spirituellste aller Wege führt über 2.000 Stufen entlang des Shirato-Flusses und vorbei an 14 Meter hohen Wasserfällen, gesäumt von hunderten kleinen Buddha-Statuen.
- Momijidani-Pfad: Dieser Weg ist am einfachsten und besonders im Herbst sehenswert, wenn die Ahornbäume ihre leuchtenden Farben zeigen. Er führt zunächst durch den gleichnamigen Park, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt.
- Omoto-Pfad: Die anspruchsvollste und wildeste Route. Sie bietet tiefe Einblicke in den Primärwald und führt an spektakulären Felsformationen wie dem 150 Meter breiten Maku-iwa vorbei.
Plane je nach Fitness zwischen 1:30 und 2:30 Stunden für den Aufstieg ein. Die Wege sind gut gepflegt, bleiben aber körperlich fordernd.
Die Seilbahn für Genießer
Die Miyajima-Seilbahn ist in Japan einzigartig, da sie zwei verschiedene Technologien kombiniert. In 15 Minuten schwebt man über die Täler des Urwaldes mit einem freien Blick auf die Inlandsee.
Von der Bergstation Shishiiwa auf 430 Metern Höhe sind es noch etwa 30 Minuten Fußweg bis zum eigentlichen Gipfel. Dies ist ein guter Kompromiss, um Kräfte zu sparen. Ein kostenloser Shuttlebus verbindet den Eingang des Momijidani-Parks alle 20 Minuten mit der Talstation.
Ein Tipp vom Experten: Gehe den Weg zu Fuß nach oben und nimm für den Rückweg die Seilbahn. So erlebst du die spirituelle Tiefe des Primärwaldes beim Aufstieg und schonst deine Knie beim Abstieg. Ein Einzelticket für die Talfahrt ist an der Station Shishiiwa erhältlich.
Die Schätze auf dem Gipfel
Der Tempelkomplex
Am Gipfel erwarten dich mehrere heilige Gebäude. Im Misen Hondō, dem Haupttempel, in dem Kōbō Daishi das Gumonji-Ritual vollzog, herrscht eine meditative Ruhe. Im Pavillon Reikadō wird das Ewige Feuer gehütet. Das Wasser, das über diesen Flammen erhitzt wird, soll laut Überlieferung bei Krankheiten helfen.
Verpasse nicht den Sankidō, ein seltenes Heiligtum, das drei wohlwollenden Dämonen gewidmet ist, die für Wohlstand, Weisheit und Exorzismus stehen. Die Tempel Kannondō und Monjudō sind Schutzsuchenden bei Geburten beziehungsweise schulischen Leistungen gewidmet.
Die Aussichtsplattform
Die Terrasse am Gipfel bietet den wohl spektakulärsten Blick auf ganz Miyajima. Der Panoramablick reicht über die Bucht von Hiroshima und die Inseln der Inlandsee bis zur Insel Shikoku. Die Lichtstimmung ändert sich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang stetig.
In der Umgebung machen bizarre Felsformationen wie der Kujira-iwa-Felsen, der an einen blasenden Wal erinnert, das Landschaftsbild surreal. Vor Ort gibt es Automaten und einen überdachten Bereich für ein Picknick mit Aussicht.
Besuch nach Jahreszeiten
Der Berg Misen verändert sein Gesicht mit den Jahreszeiten. Im Frühling verwandeln blühende Kirschbäume das Tal in ein rosafarbenes Meer. Im Herbst leuchtet der Park Momijidani in allen Schattierungen von Rot, Orange und Gelb.
Der Sommer bietet angenehme Kühle im Schatten des Primärwaldes, während der Winter klare Sicht auf das Meer ermöglicht. Egal zu welcher Jahreszeit, starte am frühen Morgen, um den größten Andrang an der Seilbahn zu vermeiden.
Praktische Hinweise
Nimm ausreichend Wasser und einen Snack mit (Bentos oder Onigiris sind ideal). Trage feste Wanderschuhe, auch wenn du die Seilbahn nutzt. Auf dem Berg leben Hirsche und Affen. Beobachte sie aus der Ferne und füttere sie nicht.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Wenn ihr nicht an Bergwanderungen gewöhnt seid, passt auf, denn dieser Aufstieg ist ziemlich anstrengend, mit vielen hohen Steinstufen. Aber ihr könnt auch mit der Seilbahn hochfahren und zu Fuß absteigen, falls eure Knie das mitmachen.
Es gibt mehrere Pfade, um diesen Berg zu erklimmen, der bei den Japanern sehr beliebt ist, da sie es lieben, ihn zu besteigen.