Buenos Aires ist die zweitgrößte Stadt des südamerikanischen Kontinents. Die Stadt selbst zählt 3 Millionen Porteños, doch ihr Ballungsraum umfasst über 14 Millionen Einwohner, das ist ein Drittel der gesamten argentinischen Bevölkerung.
Diese Megalopolis hat beeindruckende Ausmaße, doch was den Besucher als Erstes in den Bann zieht, sind die völlig unterschiedlichen Atmosphären der verschiedenen Stadtviertel. Wenn man von einem „Barrio“ zum nächsten wechselt, hat man das Gefühl, in eine andere Stadt oder manchmal sogar in ein anderes Land einzutauchen. Das Viertel Retiro ist ein hervorragendes Beispiel für diese Kontraste: Nur wenige Meter voneinander entfernt ragen moderne Wolkenkratzer direkt neben den Armenvierteln der Villa 31 in die Höhe. Eine Stadt, die zweifellos so paradox ist wie ihre Bewohner: die Porteños. Über sie sagt man, sie seien Italiener, die Spanisch sprechen, sich für Engländer halten und davon träumen, Franzosen zu sein! Tatsächlich stammt ein großer Teil der Stadtbevölkerung von italienischen Einwanderern ab, doch der Legende nach sind sie so stolz wie die Engländer und schwärmen für französische Eleganz, was sich wunderbar in der Architektur der Stadt widerspiegelt.
Es ist kein Zufall, dass Buenos Aires oft als das Paris Südamerikas bezeichnet wird, da die Architektur stark von der französischen Hauptstadt inspiriert wurde. Die Stadt ist auch unter dem Namen „ciudad de la furia“ bekannt, die Stadt der Wut, , ein Name, der auf die permanente Betriebsamkeit dieser Hauptstadt anspielt.
Hier ist unsere Auswahl der Viertel, die man bei einem Aufenthalt in der argentinischen Hauptstadt unbedingt besuchen sollte:
Ein kleiner Spaziergang durch das Zentrum von Buenos Aires

San Telmo
Unser Spaziergang beginnt im charmanten Viertel San Telmo. Es ist eines der wenigen historischen Viertel, das sein Erbe trotz der Modernisierung Ende des 19. Jahrhunderts bewahren konnte, eine Modernisierung, die übrigens von europäischen Städten und insbesondere von Paris inspiriert war. Dieses Viertel mit seinem böhmischen Flair bietet zahlreiche charmante Geschäfte, Restaurants, Läden und Bars. Kurz gesagt: ein Viertel, in dem man sich einfach gerne verliert. Ich empfehle euch besonders einen Abstecher in die Markthallen von San Telmo, wo ihr köstliche Empanadas (eine Art Teigtasche, gefüllt mit Fleisch oder Gemüse) probieren könnt, die direkt vor euren Augen über dem Holzfeuer gebacken werden.

Auch die Plaza Dorrego ist einen Besuch wert: Dieser kleine, schattige Platz ist die ständige Bühne für Tangodarbietungen unter freiem Himmel. Zögert nicht, bei einem der vielen Eissalons im Viertel einzukehren, die Argentinier lieben ihr Eis, und es steht dem italienischen Original in nichts nach. Wenn ihr an einem Sonntag in Buenos Aires seid, könnt ihr den Kunsthandwerksmarkt besuchen, der sich durch die Hauptstraßen des Viertels zieht.

Micro-centro
Weiter geht es zur Casa Rosada, dem Präsidentenpalast, und dem ikonischen Plaza de Mayo. Dieser Platz ist vor allem für die Frauen bekannt, die dort demonstriert haben und dies auch heute noch tun, um ihre Kinder wiederzufinden, die ihnen während der Diktatur entrissen wurden. Zur Erinnerung: Das Land erlebte von 1976 bis 1983 eine Militärdiktatur. Auf diesem Platz fanden zudem viele Ereignisse statt, die die argentinische Geschichte geprägt haben. Vom Balkon der Casa Rosada, den man auf dem Foto unten sehen kann, wurden zahlreiche Reden an das argentinische Volk gehalten. Evita Perón hielt dort 1951 eine ihrer berühmtesten Ansprachen, als sie verkündete, ihr politisches Leben trotz der dringenden Bitten des argentinischen Volkes aufzugeben. Von eben diesem Balkon floh im Jahr 2001 auch Präsident De La Rúa an Bord eines Hubschraubers!

Von der Casa Rosada empfehle ich euch, die Avenida de Mayo bis zum argentinischen Kongress hinaufzugehen. Diese Allee ist zweifellos die symbolträchtigste der Stadt, da sie die beiden wichtigsten Machtzentren des Landes verbindet. Auf dem Weg kommt ihr am Café Tortoni vorbei, einem der ältesten Cafés der Stadt, das als Treffpunkt berühmter Tangotänzer sowie der argentinischen Bourgeoisie bekannt war. Ihr überquert die beeindruckende Avenida 9 de Julio, die als breiteste Straße der Welt angelegt wurde und auf der der Obelisk thront, eines der Wahrzeichen von Buenos Aires. Danach kommt ihr am erstaunlichen Palacio Barolo vorbei, der von der Spitze seines Leuchtturms einen herrlichen Blick über die Stadt bietet.
Wenn ihr am Kongress angekommen seid und euren Spaziergang verlängern möchtet, könnt ihr die Avenida Callao hinaufgehen und dann in die Avenida Corrientes einbiegen. Dort steht ihr direkt vor dem Obelisco an einer beeindruckenden Kreuzung, die an einen Times Square im lateinamerikanischen Format erinnert. Anschließend könnt ihr die Calle Florida entlangschlendern, die wohl einzige Fußgängerzone der Stadt. Ihre zahlreichen Geschäfte bieten für jeden Geschmack das Richtige, egal wonach ihr sucht!

Puerto Madero
Auch das Viertel Puerto Madero ist einen Abstecher wert. Eingezwängt zwischen den deutlich älteren Stadtteilen San Telmo und Microcentro, bildet es einen modernen Kontrast. Dieser Ort ist ein wahres Schaufenster des erfolgreichen, kapitalistischen Argentiniens. Hier finden sich alle großen Banken, die Firmensitze der bedeutendsten Unternehmen sowie die teuersten Wohnungen der Stadt. Ein Spaziergang entlang der Ufer des alten Hafens ist sehr angenehm.
Sie können auch einen Abstecher zur Reserva Ecologica machen. Sie liegt zwischen Puerto Madero und dem Rio de la Plata und stellt eine echte Naturoase inmitten der Weite von Buenos Aires dar. Dort können Sie zahlreiche Vögel sowie Leguane beobachten, die sich in der Sonne aalen. Dieses ökologische Reservat ist einer der wenigen Orte in der Stadt, an denen man am Ufer des Rio de la Plata spazieren gehen und sich ein wenig wie am Meer fühlen kann. Aufgrund der Größe des Parks ist das Fahrrad zweifellos das beste Fortbewegungsmittel, um ihn zu erkunden.



Sehenswertes außerhalb des Zentrums
Recoleta
Das eher wohnlich geprägte Viertel Recoleta ist besonders reizvoll. Es ist sehr vornehm und bekannt für seine zahlreichen Palacios, ehemalige herrschaftliche Wohnhäuser, die heute als Luxushotels, Botschaften oder Firmensitze dienen. Die Hauptattraktion des Viertels bleibt jedoch sein Friedhof, der als das Gegenstück zum Pariser Père Lachaise gilt. Hier ruhen bedeutende argentinische Persönlichkeiten, darunter die berühmte Evita Perón, eine Schauspielerin, die Mitte des 20. Jahrhunderts zur Politikerin wurde. Wenn Sie den Friedhof besuchen, sollten Sie auch die charmante Kirche im Kolonialstil und das bunte Kulturzentrum direkt daneben nicht verpassen.

Palermo
Wie könnte man über Buenos Aires sprechen, ohne Palermo zu erwähnen? Dieses Viertel, eines der farbenfrohsten der Stadt, ist für seine Street Art bekannt. Für die Porteños ist es zudem der Ort, um abends auszugehen, da es dort zahlreiche Bars und Restaurants gibt. Mit seiner sehr angenehmen Lebensqualität zählt es zu den schicksten Vierteln von Buenos Aires, weshalb die Preise dort eher hoch sind. Palermo ist auch für seine großen Grünflächen bekannt. Riesige Parks befinden sich in der Nähe der U-Bahn-Station Plaza Italia. Unter anderem können Sie dort einen japanischen Garten, einen botanischen Garten und einen berühmten Rosengarten besuchen, der im Frühling besonders schön ist. Achtung: Da Argentinien auf der Südhalbkugel liegt, beginnt der Frühling hier im September, während auf der Nordhalbkugel gerade der Herbst einzieht.


La Boca
Zuletzt muss ich gestehen, dass ich vom Viertel La Boca, das für seine bunten Häuser bekannt ist, etwas enttäuscht war. Die wenigen Straßen, in denen diese noch existieren, sind extrem touristisch geworden und haben jegliche Authentizität verloren. Außerdem sollte man wissen, dass der Lebensstandard in diesem Gebiet eher niedrig ist und eine gewisse Unsicherheit herrscht. Daher ist es ratsam, mit dem Taxi anzureisen und die Straßen bei Nacht zu meiden. Dennoch ist das Viertel einen Besuch wert, da es einen guten Einblick in das Leben der damaligen Bewohner bietet. Ich denke, dass eine geführte Tour für La Boca besonders lohnenswert ist.

Fazit
Ob Sie die ältesten, modernsten, am stärksten urbanisierten oder natürlichsten Ecken suchen, ob Sie es vornehm oder eher volkstümlich mögen, Buenos Aires bietet Ihnen ganz unterschiedliche Erlebnisse. Sie sollten mindestens eine Woche einplanen, um diese Destination wirklich kennenzulernen. Möchten Sie Buenos Aires besuchen? Entdecken Sie alle unsere Argentinien-Reisen in der Gruppe oder als Individualreise.
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