Schüler, die bekanntlich bravsten Kinder der Welt, für zwei Wochen auf eine Sprachreise nach Deutschland mitzunehmen... Das ist das waghalsige Unterfangen einiger Lehrer, darunter auch mein damaliger Lehrer in der siebten Klasse.
Ich war jung, zuversichtlich, was die Zukunft anging, und noch völlig naiv, als ich zum ersten Mal in meinem Leben die Grenze überquerte, um für etwa zwei Wochen bei meinem Austauschpartner zu wohnen. Von diesem kleinen Epos möchte ich heute berichten, in der Hoffnung, dass meine Erfahrung zukünftigen jungen Germanistik-Fans nützlich sein könnte.
I - Die Nabelschnur durchtrennen
Die Familie für ein paar Tage zu verlassen, klingt auf dem Papier einfach. Aber sie zu verlassen, um in einem fremden Land zu landen, dessen Sprache man kaum spricht, ist weitaus schwieriger als gedacht! Wir hatten gerade erst begonnen, Deutsch als zweite Fremdsprache zu lernen.
Fast 10 Stunden im Bus. Zehn Stunden, für ein Kind ist das eine Ewigkeit: Die Fahrt nimmt schnell die Züge eines Kammerspiels an, die Spannung steigt und erreicht ihren Höhepunkt, wenn der ewige Reisekranke anfängt, sich unwohl zu fühlen. Alle halten den Atem an: Wird er sich übergeben oder nicht? Zum Glück hat der Fahrer einige Pausen eingeplant, in denen man frische Luft schnappen und sich die Beine vertreten kann.

Früher Aufbruch am Morgen, zum Glück kann man im Bus noch ein wenig weiterschlafen.
Etwa zehn Kilometer vor der Grenze darf man die Einrichtungen einer Autobahnraststätte nutzen. Es ist vielleicht nicht gerade blitzsauber, aber man nimmt, was man bekommt. Schnell nutzen wir die letzten Minuten, in denen man noch SMS schreiben kann, ohne horrende Gebühren zu zahlen. Trotz der Müdigkeit reißen wir die Augen weit auf, um die französische Landschaft, die uns noch umgibt, in uns aufzusaugen.
II - Auf der anderen Seite des Spiegels
Frankreich und Deutschland: Auf den ersten Blick recht ähnliche Länder
Der Moment der Wahrheit rückt näher, der Lehrer hat es angekündigt: In wenigen Minuten überqueren wir die Grenze! Eine neue Welt tut sich auf, das Ausland wird für die nächsten zwei Wochen unser Alltag sein. Ganz aufgeregt erwartet man etwas Grandioses...

Aber nein, kein roter Teppich, kein Spalier, nur eine einfache Formalitätskontrolle für den Fahrer und, zack, sind wir endlich in Deutschland. Innerhalb des Schengen-Raums frei reisen zu können, ist extrem praktisch, aber für junge Leute mit blühender Fantasie, wie ich es war, ist das schon ein wenig enttäuschend. Die Landschaften sehen sich ähnlich, selbst die Kühe haben das gleiche Gesicht!
Ich war also ein wenig enttäuscht (wenn auch irgendwie erleichtert), als ich sie plötzlich SAH. Den Unterschied zwischen den beiden Ländern, zwei völlig gegensätzliche Mentalitäten. Der Ort dieser Offenbarung war keine Geringere als eine deutsche Autobahnraststätte.
Doch der Kulturschock wartet schon um die Ecke!
Ja! Sie haben es erraten! Die TOILETTEN, das stille Örtchen! So albern es auch klingen mag, genau dort konnte ich zum ersten Mal einen radikalen Unterschied feststellen. Sie waren sauber, mehr als sauber sogar, sie strahlten förmlich. Der einzige Haken: Sie waren kostenpflichtig.
Ich weiß, saubere und kostenpflichtige Toiletten gibt es auch in Frankreich. Aber nachdem ich auf meinen Reisen schon an vielen Raststätten angehalten habe, muss ich sagen, dass man so etwas an solchen Orten eher selten findet.

Besser, man hat ein wenig Kleingeld dabei, um zu bezahlen...
Kurz gesagt: Ich war fasziniert, aber auch ein wenig entwurzelt (all diese Zeitungen auf Deutsch zu sehen, gab mir einen kleinen Stich ins Herz), als ich spät abends aus dem Bus stieg (es war Winter, um 18 Uhr war es bereits dunkel) und meinen Austauschpartner traf.
III - Begegnung zweier Kulturen. Und mehr, wenn es passt
Die Schwierigkeit, in einer anderen Sprache zu kommunizieren
Geschafft, ich war in Rüsselsheim angekommen, einer kleinen Stadt in der Nähe von Frankfurt. Da stand ich nun, allein mit Leuten, die kaum ein Wort Französisch sprachen, während ich selbst nur drei Wörter Deutsch konnte. Diese Aussicht kann manche Leute beunruhigen, aber seien Sie versichert: Man schafft es immer, sich verständlich zu machen. Natürlich ist man nicht in der Lage, eine philosophische Debatte zu führen, aber mit Gesten und ein paar Wörtern, die vage deutsch klingen, kann man sich zumindest ein wenig austauschen.
Eine wohlwollende und offene Gastfamilie
Außerdem sollte man wissen, dass Menschen, die ausländische Austauschschüler bei sich aufnehmen, in der Regel recht offen sind. Wenn man sein Kind für ein solches Programm anmeldet, ist man sich bewusst, dass der Austauschpartner auch Zeit bei einem selbst verbringen wird, also gibt man sich Mühe, ihn gut aufzunehmen.
Wenn es trotz allem einmal nicht gut läuft, ist der Lehrer da, um Konflikte zu lösen und bei Bedarf eine andere Gastfamilie zu finden. Bei mir gab es keine Probleme, ich wurde herzlich empfangen. Sie haben sogar der französischen Gastronomie Tribut gezollt, indem sie für meinen Ankunftsabend ein Baguette und... den unverzichtbaren Camembert gekauft haben!

Ein gutes Stück Camembert und zack! Schon fühlt man sich wie zu Hause.
Natürlich kann man auch weniger Glück haben. Ein Freund von mir landete bei einem deutschen Austauschschüler, dessen Eltern allerdings ausschließlich Chinesisch sprachen. Unnötig zu erwähnen, dass er sich ein wenig verloren fühlte! Auch wenn es natürlich die Gelegenheit bot, einen Einblick in eine ganz andere Kultur zu bekommen.
Fazit
Ist eine Klassenfahrt ins Ausland eine gute Idee? Ich finde: ja. Da ich während meiner Schulzeit selbst an vier solcher Fahrten teilgenommen habe, kann ich sagen, dass sie mir immer großen Spaß gemacht haben, auch wenn es beim ersten Mal etwas einschüchternd sein kann. Ich hatte das Gefühl, mit jedem Mal ein Stück zu wachsen und mich leichter anpassen zu können. Man sagt ja nicht umsonst: Reisen bildet. Natürlich ist nicht immer alles perfekt und es gibt Unvorhergesehenes, aber am Ende bleiben einem tolle Erinnerungen und es ist oft die perfekte Gelegenheit, neue Freunde zu finden.
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