Rhodos: Die Insel, auf der die Ritter die Schlüssel hinterließen
Der Koloss existiert nicht mehr. Die gigantische Bronzestatue, die einst den Hafen überragte und zu den sieben Weltwundern zählte, stürzte vor über zweitausend Jahren bei einem Erdbeben ein. Doch wenn man heute in den Hafen von Mandraki einläuft, wo zwei bronzene Rehe Wache halten, ist die historische Aura noch immer spürbar. Es ist, als würde der Schatten des Riesen noch immer über der größten Insel des Dodekanes liegen, die nur 18 Kilometer von der türkischen Küste entfernt ist.
Eine Insel für Geschichtsbegeisterte und mehr
Die Insel zieht vor allem Reisende an, die in die Fußstapfen der Johanniterritter treten wollen. Die mittelalterliche Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe und ist die größte bewohnte Festungsstadt Europas. Doch es wäre ein Fehler, Rhodos nur auf seine Geschichte zu reduzieren. Windsurfer kennen Prasonisi, jene Landzunge an der Südspitze, an der die Ägäis und das Mittelmeer spektakulär aufeinandertreffen. Familien schätzen die feinen Sandstrände an der Ostküste, während Wanderer die Pinienwälder des 1.216 Meter hohen Berges Attavyros erkunden.
Wer allerdings eine intime, kykladische Postkartenidylle sucht, ist hier falsch. Der Massentourismus hat manche Badeorte wie Faliraki in seelenlose Hotelkomplexe verwandelt. Im Sommer sind die Gassen von Lindos zudem hoffnungslos überlaufen. Die Lösung: Mietwagen nehmen und in das wilde Inselinnere oder den Süden flüchten.
Ein Preisniveau, das freundlicher ist als anderswo in Griechenland
Die Preise liegen etwa 15 bis 20 Prozent unter denen auf Santorin oder Mykonos. Plane etwa 50 bis 80 Euro pro Nacht für eine gute Unterkunft ein, 12 bis 18 Euro für eine komplette Mahlzeit in einer Taverne und 3 bis 5 Euro für ein Gyros auf die Hand. Ein Mietwagen kostet in der Hochsaison rund 35 Euro pro Tag.
Die Altstadt von Rhodos: Ein 2.500 Jahre altes Labyrinth
Wer durch die Porta d'Amboise schreitet, fühlt sich wie in einer anderen Zeit. Hinter den vier Kilometer langen Stadtmauern winden sich gepflasterte Gassen zwischen gotischen Gebäuden, osmanischen Minaretten und byzantinischen Kirchen. Von 1309 bis 1522 besetzten die Johanniterritter die Insel und hinterließen monumentale Herbergen sowie einen Palast, der eher wie eine Festung wirkt.
Die perfekt erhaltene Ritterstraße (Odos Ippoton) ist von den ehemaligen Herbergen gesäumt, in denen die Ritter nach ihrer Nationalität, Frankreich, Spanien, Italien, England, untergebracht waren. Am Ende beeindruckt der Großmeisterpalast mit massiven Türmen und römischen Mosaikböden. Der Eintritt kostet 8 Euro, der Zugang zu den Stadtmauern schlägt mit weiteren 2 Euro zu Buche und bietet einen tollen Blick über die Stadt.
Tipp vom Experten: Besuche die Altstadt früh morgens oder am späten Nachmittag. Zwischen 11:00 und 16:00 Uhr spucken die Kreuzfahrtschiffe Tausende von Passagieren aus. Das jüdische Viertel im Südosten ist deutlich ruhiger und beherbergt die Synagoge Kahal Shalom, die älteste noch aktive Synagoge Griechenlands.
Lindos: Strahlende Schönheit, inklusive Menschenmassen
50 Kilometer südlich der Hauptstadt zieht dieses weiße Dorf, das sich an den Hügel schmiegt, alle Blicke auf sich. Die Akropolis von Lindos thront in 116 Metern Höhe über zwei Buchten mit türkisfarbenem Wasser. Der Tempel der Athena Lindia stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Der Aufstieg zu Fuß dauert über unebene Stufen etwa 20 Minuten. Weniger Sportliche nutzen Esel, doch die Haltung dieser Tiere ist durchaus kritisch zu sehen.
In den Fußgängerzonen des Dorfes reihen sich Boutiquen und Restaurants mit Panoramaterrassen aneinander. Die Bucht von Agios Pavlos unterhalb bietet einen kleinen, von Felsen eingerahmten Strand, an dem eine weiße Kapelle ganzjährig Hochzeiten beherbergt. Das Wasser dort ist glasklar und wirkt beinahe irreal.
Tipp vom Experten: Klettere kurz vor der Schließung zur Akropolis, im Sommer gegen 19:00 Uhr. So vermeidest du die Hitze und die Reisegruppen, und der Sonnenuntergang vom Tempel aus ist unvergesslich.
Der wilde Süden: Wo die Winde sich treffen
Das Kap Prasonisi an der Südspitze verändert seine Form je nach Gezeiten. Im Sommer verbindet eine Sandbank die Hauptinsel mit einer felsigen kleinen Insel. Im Winter öffnet sich der Kanal wieder und die Strömungen werden gefährlich. Der Spot zieht Wind- und Kitesurfer aus aller Welt an: Die Ägäis sorgt auf der einen Seite für Wellen, während das Mittelmeer auf der anderen Seite deutlich ruhiger bleibt.
Auf dem Rückweg über die weniger touristische Westküste bieten die Festungen von Monolithos und Kritinia atemberaubende Panoramen. Von Monolithos aus lohnt sich der Sonnenuntergang über dem Meer und der Insel Halki besonders. Die Burg von Kritinia wurde 1472 von den Rittern erbaut und kann kostenfrei besichtigt werden.
Naturabenteuer: Schmetterlinge und versteckte Quellen
Das Tal der Schmetterlinge (Petaloudes) zieht zwischen Juni und September Millionen Schmetterlinge der Art Panaxia quadripunctaria an. Sie kommen zur Paarungszeit zu den Amberbäumen, deren Harz sie anlockt. Holzstege führen durch die schattige Schlucht, in der Bäche plätschern. Vermeide Lärm, um die Tiere nicht zu verschrecken: Ihr Überleben hängt davon ab.
Weniger bekannt sind die Sieben Quellen (Epta Piges), eine kühle Oase inmitten von Pinien. Ein 180 Meter langer, dunkler Tunnel, der in den Fels gehauen wurde und knöcheltief mit Wasser gefüllt ist, führt zu einem kleinen künstlichen See. Die Erfahrung kann etwas klaustrophobisch wirken, ist aber nach einem Tag am Strand eine willkommene Abkühlung. Der Eintritt ist frei.
Wo essen und trinken auf Rhodos?
Die rhodische Küche vermischt griechische und orientalische Einflüsse. Probiere Pitaroudia, frittierte Kichererbsenbällchen, die mit Tsatsiki serviert werden. Das lokale Schmorgericht heißt Lakani: eine Ziegenfleisch-Kichererbsen-Pfanne, die stundenlang vor sich hin köchelt. Kümmel, der anderswo in Griechenland eher selten ist, würzt viele Gerichte.
In der Altstadt serviert das Marco Polo Café gehobene mediterrane Küche in einem Innenhof. Für frischen Fisch steuert man die Taverne Stegna Kozas am Strand von Stegna bei Archangelos an. In Embonas, einem Weindorf an den Hängen des Attavyros, servieren die Tavernen gegrillte Koteletts zum lokalen Wein. Das Tamam in der Altstadt bleibt eine verlässliche Adresse für preiswerte Familienküche.
Was den Wein betrifft, so produziert die Insel den Weißwein Athiri bereits seit der Antike. Für eine Verkostung bietet das 10GR Hotel & Wine Bar die größte Weinkarte der Insel in elegantem Ambiente.
Wo schlafen auf Rhodos und Umgebung?
Die Altstadt bietet das intensivste Erlebnis: In einem umgebauten mittelalterlichen Haus zu übernachten und am frühen Morgen die Kirchenglocken zu hören. Das Rodos Park Suites & Spa verbindet modernen Komfort mit der Nähe zu den Stadtmauern. Für kleinere Budgets sind die Pensionen rund um den Platz Hippokrates außerhalb der Saison bezahlbar.
In Lindos müssen Unterkünfte mit Blick auf die Akropolis Monate im Voraus gebucht werden. Das Lindos Comfy Suites bietet Panoramaterrassen zu fairen Preisen. Der Ferienort Faliraki eignet sich für Familien, die All-inclusive-Anlagen mit Pools und Kinderclubs suchen, auch wenn die Atmosphäre dort etwas unpersönlich ist.
Um Ruhe mit Strandzugang zu verbinden, bietet das Dorf Pefkos südlich von Lindos Studios und kleine Hotels direkt vor kristallklarem Wasser. Liebhaber von lokalem Charme bevorzugen Koskinou, zehn Minuten von der Hauptstadt entfernt, mit seinen bunt bemalten Fassaden und den Mosaikhöfen.
Wie kommt man hin und wie bewegt man sich fort?
Der Flughafen Diagoras wird zwischen April und Oktober direkt von vielen europäischen Städten angeflogen. Die Flugzeit beträgt etwa 3:30 Stunden. Außerhalb der Saison ist meist ein Umstieg in Athen nötig. Aegean Airlines bietet ganzjährige Verbindungen an.
Von Athen aus benötigt die Fähre ab dem Piräus 12 bis 15 Stunden bis zur Insel. Schiffsverbindungen bestehen auch mit der Türkei von Marmaris, Fethiye oder Bodrum aus, die Fahrt dauert ein bis zwei Stunden. Die bunte und fotogene Insel Symi erreicht man mit dem Boot in einer Stunde.
Vor Ort ist ein Mietwagen die beste Wahl, um die Insel zu erkunden. Die Straßen sind in gutem Zustand, das Parken außerhalb der Zentren meist kostenlos. Zwei Busgesellschaften bedienen die Insel: KTEL für die Ostküste, RODA für den Westen. Der wilde, dünn besiedelte Süden ist jedoch schlecht angebunden. Taxis zeigen ihre Tarife an den Ständen an, für die Fahrt von der Hauptstadt nach Lindos sollte man etwa 30 Euro einplanen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Insel hat mehr als 300 Sonnentage im Jahr. Mai bis Juni und September bis Oktober bieten den besten Kompromiss: angenehme Temperaturen, noch warmes Meer und mäßiger Besucherandrang. Juli und August locken die Massen an und die Preise steigen. Das Tal der Schmetterlinge lohnt sich nur im Sommer zwischen Juni und September.
Der Winter verändert die Insel: Die Touristen verschwinden, die Altstadt findet ihre Ruhe zurück und die Preise sinken. Ideal für Geschichtsinteressierte, die archäologische Stätten ohne Gedränge erkunden wollen. Das Meer ist zwar zu kühl zum Schwimmen, aber Wanderungen im Hinterland offenbaren eine üppig grüne Vegetation.
Ich habe meine Reise nach Rhodos sehr genossen. Es gibt dort wunderschöne Strände und auch interessante historische Stätten. Es stimmt zwar, dass die moderne Bebauung der letzten Jahre nicht unbedingt sehr hübsch ist, aber es gibt trotzdem noch authentische Ecken zu entdecken.