Vigo besuchen
Ein Fuß im Ozean, der andere fest in der Moderne, so lässt sich das Gleichgewicht von Vigo am besten beschreiben. Dieser galicische Hafenort pulsiert im Rhythmus seiner Bucht und präsentiert sich gleichzeitig als avantgardistische Metropole, in der Underground-Kultur auf moderne Stadtentwicklung trifft. Geschützt durch Berge und direkt gegenüber den Islas Cíes gelegen, dem einzigen maritimen Nationalpark auf der iberischen Halbinsel, gehört Vigo zu den überraschendsten Reisezielen in Spanien.
Ein Schicksal, das mit dem Ozean verbunden ist
Kontraste und Überraschungen begleiten dich hier auf Schritt und Tritt. Zuerst empfängt dich eine Atmosphäre wie im Paradies: Feiner Sand und kristallklares Wasser stehen den berühmtesten Badeorten in nichts nach. Nur zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt bringen dich Touristenbusse direkt an den Strand. Das Besondere an Vigo ist die Vielfalt der Küstenabschnitte: Ob privat an der La Sirenita, lebhaft und familienfreundlich in Samil oder als wilde Bucht, du musst nur der Küstenlinie folgen, um das Szenario zu wechseln.
Das Wasser bestimmt das Schicksal Vigos schon seit der Zeit der Römer, und die Fischerei ist das Aushängeschild dieses Juwels der Rías Baixas. Die Jachthäfen laden dazu ein, selbst in See zu stechen: Ob mit oder ohne Skipper, beim Segellernen, Wasserskifahren oder Tauchen. Das Fischerviertel O Berbés ist berühmt für seine Fischgeschäfte und die unglaublich lebendigen Märkte. In der Auktionshalle, der sogenannten Criada, beginnt das Spektakel bereits im Morgengrauen, ein Erlebnis, das man gesehen haben muss.
Wer den guten Geschmack sucht, geht in die rue Pescadería. Austern sind hier die Stars und werden direkt nach der Ankunft aus den schwimmenden Zuchtbecken mit einem Glas albariño, dem lokalen Weißwein, serviert. Ob Kaisergranat, Miesmuscheln oder kleine Taschenkrebse, die mariscada, also Meeresfrüchteplatten, stehen überall auf der Karte. Gastronomie wird in Galicien großgeschrieben, ebenso wie das Rindfleisch, das seit 4.000 Jahren einen exzellenten Ruf genießt. Probiere es als churrasco, dem typischen Grillgericht, dazu gibt es lokalen Käse.
Einzigartig und vielseitig
Nur wenige Schritte vom Hafen entfernt tauchst du in eine dynamische Stadt ein, die eine Besonderheit aufweist: Sie ist in Pfarreien unterteilt. Diese Gliederung sorgt für überraschende Übergänge zwischen städtischem Treiben und grünen Oasen. Das historische Zentrum ist geprägt von geschäftigem Treiben, aber auch von kultureller Tiefe dank zahlreicher Kunstgalerien. Die Arkaden der Plaza de la Constitución, die imposante Kirche Santa Maria und ihr Cristo de la Victoria, das Meeresmuseum, das die tiefe Verbindung zwischen Stadt und Ozean beleuchtet, oder das ebenso dynamische wie avantgardistische Kunstzentrum Marco, hier verschmelzen verschiedene Welten fließend ineinander.
An der Porta do Sol solltest du die Skulptur von Francisco Leiro bewundern, das Wahrzeichen der Stadt. Sie bildet den Auftakt zum moderneren Teil Vigos, dem Viertel Ensanche mit seinen Fußgängerzonen, Konzerthallen und Einkaufsstraßen, bis hin zum Aussichtspunkt Monte do Castro. Die Vielfalt reißt nicht ab: Die Parks im Stadtzentrum bieten französische und englische Gärten sowie einen Rosengarten im Park von Quiñones de León, während der Park von la Guía mit Pinien, Eichen, Blick auf die Ría und einer als Barocktempel errichteten Kapelle punktet. Vigo ist weit mehr als nur ein Badeort. Es ist eine Stadt mit tausend Facetten, gespickt mit moderner Kunst und herrschaftlichen Gebäuden, die ihre Traditionen pflegt und gleichzeitig den Blick nach vorne richtet. Man darf natürlich nicht den Fußballclub Celta Vigo vergessen, der weit mehr als nur eine Randnotiz in der Liga ist.
Wann ist die beste Reisezeit?
Das Klima ist gemäßigt und warm, mit meist trockenen Sommern. Im Januar und Februar wird es kühler, und Regen kann, typisch für Galicien, jederzeit überraschend auftreten. Von Oktober bis Mai solltest du dich darauf einstellen. Juni bis September sind die besten Monate für einen Besuch. Wenn du Festlichkeiten magst, solltest du zwischen Ende März und Anfang April kommen, wenn die Stadt mit der Reconquistada da vila de Vigo feiert.
Wie kommt man hin?
Vigo ist hervorragend angebunden. Ein Flughafen bietet tägliche Verbindungen über die großen spanischen Städte an. Mit zwei Bahnhöfen im Stadtzentrum ist auch die Anreise mit dem Zug eine gute Option. Von Madrid aus hast du die Wahl zwischen dem Intercity, dem Hotelzug oder dem Alvia. Zahlreiche internationale Busunternehmen steuern die Stadt ebenfalls an, und dank der gut ausgebauten Autobahnen ist auch die Anreise mit dem Auto stressfrei. Und für Kreuzfahrtfans: Es warten gleich vier Häfen auf dich.
Wie bewegt man sich fort?
Das Auto ist in Vigo gut nutzbar, Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Da es eine große Stadt ist, kannst du alternativ auf die öffentlichen Busse, den Vitrasa, zurückgreifen. Zu Fuß lässt sich Vigo ebenfalls wunderbar erkunden, aber sei gewarnt: Die Steigungen können recht steil sein.
Galicien wird meistens wegen Santiago de Compostela besucht. Vigo kann auf den ersten Blick wie eine Industrie und Hafenstadt wirken. Aber nein, täuschen Sie sich nicht! Die Altstadt ist malerisch, eine Burg auf dem Hügel bietet schöne Panoramen auf die Bucht und die Küste, und es gibt einige religiöse Bauwerke mit einer tollen Architektur. Vor allem, wenn Sie die Natur mögen, gibt es zahlreiche Fährverbindungen zu den Cies Inseln, die ich absolut geliebt habe.