Singapur, der Stadtstaat, der jede Logik herausfordert
Ein Flughafen mit Schmetterlingsgarten und dem höchsten Indoor-Wasserfall der Welt. 50 Meter hohe Metallbäume, die bei Einbruch der Dunkelheit zu leuchten beginnen. Ein Infinity-Pool, der auf drei Wolkenkratzern thront. Singapur sieht so aus, als hätte ein perfektionistischer Stadtplaner die Zukunft entworfen. Auf einer Fläche von 730 km² leben hier mehr als 5,9 Millionen Menschen, ohne dass es sich jemals beengt anfühlt.
Singapur: Asien für alle, die kein Chaos mögen
Wenn du das ungeordnete Treiben von Bangkok oder die unvorhersehbaren Gassen von Hanoi suchst, bist du hier falsch. Singapur ist das Gegenteil einer Rucksackreise. Alles funktioniert, alles ist vorhersehbar, alles ist sauber. Manche empfinden das als steril. Andere sehen darin den idealen Einstieg in Asien, besonders für eine erste Reise mit Kindern oder für alle, die keine Lust auf Überraschungen haben.
Der Stadtstaat ist perfekt für Familien, Geschäftsreisende, die ihren Aufenthalt verlängern, Feinschmecker und Fans von moderner Architektur. Rucksacktouristen mit knappem Budget oder Reisende, die abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sein wollen, werden eher enttäuscht. Englisch ist allgegenwärtig, der öffentliche Nahverkehr funktioniert tadellos und die Sicherheit ist absolut. Die extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit bremsen das Tempo bei Sightseeing-Touren jedoch merklich.
Ein hohes Budget, abgemildert durch Street Food
Plane mit 100 bis 150 Euro pro Tag für einen komfortablen Aufenthalt: Die Übernachtung im 3-Sterne-Hotel kostet etwa 80-120 Euro, eine Mahlzeit im Hawker Center 3-5 Euro und im klassischen Restaurant 15-30 Euro. Der öffentliche Nahverkehr ist mit der U-Bahn für unter 2 Euro pro Fahrt günstig. Eintrittsgelder treiben die Kosten schnell in die Höhe: 25 Euro für die Gewächshäuser in den Gardens by the Bay, 60 Euro für die Universal Studios.
Die Zukunft hat bereits eine Adresse
Die Skyline der Marina Bay fasst den maßlosen Ehrgeiz Singapurs zusammen. Drei geschwungene Türme tragen eine 340 Meter lange Plattform, die 65 Meter über das Gebäude hinausragt: Das Marina Bay Sands, entworfen vom Architekten Moshe Safdie, trotzt den Gesetzen der Physik. Der Infinity-Pool auf dem Dach ist Hotelgästen vorbehalten, aber das SkyPark Observation Deck bietet für etwa 30 Euro einen Rundumblick über die Stadt.
Unterhalb erstrecken sich die Gardens by the Bay, die das Konzept einer Stadt im Garten verkörpern. Die Supertrees, 25 bis 50 Meter hohe Metallkonstruktionen, die mit Pflanzen bewachsen sind, erzeugen Sonnenenergie und sammeln Regenwasser. Jeden Abend um 19:45 Uhr und 20:45 Uhr verwandelt sie die Licht- und Tonshow Garden Rhapsody in eine Kulisse wie aus einem Science-Fiction-Film. Der OCBC Skyway, ein Steg zwischen den Bäumen, bietet eine schwindelerregende Perspektive auf den gesamten Park.
Die klimatisierten Gewächshäuser
Der Flower Dome, das größte Glashaus der Welt, ist dem mediterranen Klima nachempfunden und beherbergt jahrhundertealte Olivenbäume und afrikanische Baobabs. Die Cloud Forest beherbergt einen 35 Meter hohen Indoor-Berg, der mit tropischer Hochgebirgsvegetation bewachsen ist und an dessen Wand ein künstlicher Wasserfall herabstürzt. Bei 35 Grad Außentemperatur sind diese auf 23 Grad heruntergekühlten Räume eine willkommene Zuflucht.
Drei Kulturen in wenigen U-Bahn-Stationen
Das schlagende Herz von Singapurs findet sich nicht in den Wolkenkratzern, sondern in den historischen Vierteln. In einem halben Tag zu Fuß wanderst du von China nach Indien und weiter in die malaiische Welt.
Chinatown
In Chinatown reihen sich bunte Shophouses entlang der Pagoda Street aneinander. Der Buddha Tooth Relic Temple beherbergt einen 420 kg schweren goldenen Stupa. Nur wenige Straßen weiter steht der hinduistische Sri Mariamman Tempel, der älteste der Stadt, mit seiner Fassade voller bunter Gottheiten.
Little India
Little India explodiert förmlich vor Farben und Düften, sobald man aus der U-Bahn steigt. Jasmin-Girlanden, schimmernde Saris und Gewürzpyramiden bilden ein intensives sensorisches Erlebnis. Sonntags beleben Tausende von Arbeitsmigranten die Straßen an ihrem freien Tag.
Kampong Glam
Kampong Glam war einst das Viertel des Sultans. Die Masjid Sultan mit ihrer goldenen Kuppel ist das Wahrzeichen. Heute zieht jedoch die Haji Lane die Besucher an: In dieser schmalen Gasse drängen sich lokale Designerboutiquen, trendige Cafés und Wandmalereien, die den Ort zum meistfotografierten Spot der Stadt machen.
Tipp vom Experten: Besuche Little India an einem Sonntagabend, um die authentische Lebendigkeit des Viertels zu erleben, fernab des zu glatten Bildes, das Singapur sonst gerne nach außen trägt.
Sentosa, die Insel der Freizeit
Sentosa, einst britischer Militärstützpunkt und später Gefangenenlager, hat sich in eine reine Vergnügungsinsel verwandelt. Die Universal Studios Singapore bieten eine kompakte Version des amerikanischen Parks. Das kürzlich erweiterte Singapore Oceanarium zählt zu den größten Aquarien der Welt.
Die künstlich angelegten Strände bieten einen angenehmen Rahmen zum Entspannen, können es aber nicht mit den Küsten Thailands aufnehmen. Die 450 Meter lange Seilrutsche, die über den Siloso Beach führt, sorgt für einen schnellen Adrenalinkick.
Singapur auf dem Teller: Der große Mix der Aromen
Die Küche Singapurs spiegelt die drei Kulturen wider, die die Stadt geprägt haben. Die Hawker Centers, klimatisierte oder offene Markthallen, vereinen Dutzende von Ständen, von denen jeder seine eigene Spezialität anbietet. Das Maxwell Food Centre in Chinatown und das Lau Pa Sat in der Nähe der Marina Bay gehören zu den bekanntesten.
Hainanese chicken rice, pochiertes Huhn serviert mit in Brühe gegartem Reis, streitet sich mit laksa, einer Kokosmilch-Gewürz-Nudelsuppe, um den Titel des Nationalgerichts. char kway teow, im Wok gebratene Nudeln mit Garnelen und chinesischer Wurst, zeigt das Hokkien-Erbe. Für Mutige gibt es den chilli crab, der mit den Händen in einer scharfen Tomatensoße gegessen wird. Zum Frühstück gibt es kaya toast, bestrichen mit weichen Eiern und Kokoskonfitüre, dazu kopi, lokaler, mit Butter und Zucker gerösteter Kaffee.
Wann ist die beste Reisezeit für Singapur?
Die Stadt hat ein äquatoriales Klima mit konstanten Temperaturen um 30-32°C das ganze Jahr über und einer Luftfeuchtigkeit, die selten unter 80% fällt. Der Monsun bringt von November bis Januar heftige Regenfälle, meist am späten Nachmittag. Die Zeit von Februar bis April ist etwas trockener.
Vermeide unbedingt das Wochenende des Formel-1-Grand-Prix im September, wenn du nicht wegen des Rennens da bist: Die Hotelpreise explodieren um 30 bis 50%. Die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest im Januar-Februar und zu Deepavali im Oktober-November beleben die ethnischen Viertel spektakulär, sorgen aber auch für einen enormen Besucheransturm.
Wie kommt man nach Singapur?
Der Flughafen Changi bedient mehr als 100 Ziele und wurde mehrfach zum besten Flughafen der Welt gewählt. Das Terminal Jewel mit seinem 40 Meter hohen Indoor-Wasserfall ist einen Besuch wert. Von Paris aus dauert der Direktflug 12 bis 13 Stunden mit Singapore Airlines oder Air France. Die Preise schwanken je nach Saison zwischen 600 und 1200 Euro.
Kein Visum ist für französische Staatsangehörige bei Aufenthalten von weniger als 90 Tagen erforderlich. Ein elektronisches Formular muss vor der Ankunft ausgefüllt werden.
Wie kommt man in Singapur voran?
Das MRT-Netz deckt mit sechs Linien den Großteil der Stadt ab, im Zentrum gibt es etwa alle 500 Meter eine Station. Eine Fahrt kostet je nach Distanz zwischen 1 und 2,50 SGD (ca. 0,70 bis 1,75 Euro). Du kannst direkt mit einer kontaktlosen Bankkarte bezahlen oder eine aufladbare EZ-Link Karte kaufen.
Taxis und Fahrdienstvermittler sind im Vergleich zu europäischen Standards erschwinglich: Rechne mit etwa 10-15 Euro für eine Fahrt quer durch die Stadt. Zu Fuß bleibt, trotz der Hitze, die beste Art, die historischen Viertel zu erkunden.