Himeji, die Stadt des Weißen Reihers, die einfach nicht untergehen will
Es ist 8:00 Uhr morgens, die Sonne trifft auf die strahlend weiße Fassade der Burg und das Gebäude scheint förmlich zu leuchten. Diesen Anblick genießen die Japaner bereits seit über vier Jahrhunderten. Himeji in der Präfektur Hyōgo ist ein kleines Wunder, denn seine Burg ist nie niedergebrannt. Weder Bürgerkriege noch die Bombenangriffe von 1945 oder das verheerende Erdbeben von Kobe 1995 konnten ihr etwas anhaben. Sogar eine Brandbombe schlug einst im Hauptturm ein, ohne zu explodieren. Die Einheimischen sprechen von Glück, manch einer flüstert, der Weiße Reiher beschütze sein Heim.
Ein perfekter Ausflug, der mehr als nur ein Zwischenstopp ist
Die meisten Reisenden sehen diese Stadt nur kurz, wenn sie zwischen zwei Shinkansen-Fahrten nach Hiroshima eingequetscht ist. Das ist ein Fehler. Ja, die Burg lässt sich in zwei Stunden besichtigen. Ja, man kann sofort weiterreisen. Aber eine Nacht vor Ort zu bleiben, ändert alles: Du siehst das Gebäude nach Sonnenuntergang beleuchtet, flanierst ohne Zeitdruck durch die überdachten Einkaufspassagen und entdeckst einen tausend Jahre alten Tempel in den Bergen, an dem Tom Cruise für Last Samurai drehte.
Dieses Ziel ist ideal für Liebhaber japanischer Feudalarchitektur und Reisende, die Städte in menschlicher Dimension schätzen. Familien mit Kindern finden hier flaches Gelände vor, das sich leicht erkunden lässt. Wenn du hingegen das nächtliche Pulsieren von Tokio oder die dicht gedrängten Tempel von Kyoto suchst, könnte dir das Tempo hier zu ruhig sein.
Ein vernünftiges Budget für die Kansai-Region
Plane je nach Reisestil mit 8.000 bis 15.000 JPY (ca. 49 bis 92 Euro) pro Tag. Der Eintritt zur Burg kostet 1.000 JPY (ca. 6 Euro), das Kombiticket mit den Koko-en Gärten liegt bei lediglich 1.050 JPY (ca. 6 Euro). Eine Übernachtung in einem Gästehaus beginnt bei etwa 3.000 JPY (ca. 18 Euro), während komfortable Hotels nahe dem Bahnhof bei 8.000 bis 12.000 JPY (ca. 49 bis 74 Euro) liegen. Eine gute Schüssel Ramen kostet 800 bis 1.200 JPY (ca. 5 bis 7 Euro).
Die Burg: Mehr als nur eine Postkarte
Wenn du aus dem JR-Bahnhof trittst, schau nach oben. Am Ende der Hauptallee, nur 15 Gehminuten entfernt, thront die Burg von Himeji auf ihrem Hügel. Diese perfekt ausgerichtete Sichtachse ist kein Zufall, denn die ganze Stadt wurde um ihren steinernen Herrn herum konzipiert. Der Spitzname Shirasagi-jō leitet sich von der eleganten Silhouette des Bauwerks ab, die an einen Weißen Reiher erinnert, der seine Flügel ausbreitet.
Im Inneren sind die Treppen steil und das Holz knarrt unter den Schritten. Die Räume sind leer, was manche Besucher enttäuscht. Doch genau diese Schlichtheit vermittelt das Wesen japanischer Burgen: Es waren militärische Festungen, keine Paläste. Vom sechsten Stock aus ist der Blick über die Stadt und die Berge des Chugoku den Aufstieg wert.
Tipp von Insidern: Komm am besten direkt zur Öffnung gegen 9:00 Uhr. Im April zur Kirschblüte oder im August können die Warteschlangen zur Mittagszeit über eine Stunde lang sein. Englischsprachige Freiwillige bieten um 10:00 Uhr und 13:00 Uhr kostenlose Führungen an.
Der Berg Shosha und sein vergessener Tempel
Nimm den Bus Nummer 10 ab dem Bahnhof für etwa 25 Minuten und steige dann in die Seilbahn. Oben erwartet dich der Engyo-ji, ein buddhistischer Komplex aus dem Jahr 966, der wie in der Zeit eingefroren wirkt. Das Fehlen moderner Infrastruktur macht ihn zu einem beliebten Drehort für japanische und internationale Filmemacher.
Der Haupttempel, der Maniden, besitzt eine hölzerne Veranda, die über den Wald ragt. Dahinter, nach einem zehnminütigen Spaziergang durch das Unterholz, bilden drei Hallen ein stilles U, in dem Mönche bereits vor tausend Jahren meditierten. Wanderer werden die Pfade schätzen, die sich zwischen Ahornbäumen und Zedern schlängeln. Trage am besten Schuhe, die sich leicht ausziehen lassen, da du diese beim Betreten der Gebäude mehrfach ablegen wirst.
Die Seilbahn kostet 1.000 JPY (ca. 6 Euro) für Hin- und Rückfahrt, der Tempeleintritt 500 JPY (ca. 3 Euro). Ein optionaler Bus verbindet den Gipfel mit dem Maniden für weitere 500 JPY (ca. 3 Euro), aber der 20-minütige Fußweg durch den Wald gehört zum Erlebnis dazu.
Die Koko-en Gärten: Neun Welten in einer
Direkt neben der Burg bilden die Koko-en Gärten ein grünes Gegengewicht zum weißen Stein. Sie wurden 1992 auf dem ehemaligen Gelände der Residenz des Burgherren angelegt und vereinen neun verschiedene Gärten, die jeweils einen Stil der Edo-Zeit repräsentieren. Karpfenteiche, ein Bambuswald, Alleen mit kunstvoll gestutzten Kiefern: Der Rundgang dauert etwa eine Stunde.
Das Teehaus Soju-an im Herzen des Parks serviert Matcha mit saisonalen Süßigkeiten. Nach dem Aufstieg zur Burg am Teich zu sitzen, vermittelt ein Gefühl der Gelassenheit, das schwer zu beschreiben ist. Das ist Japan, wie man es sich vorstellt, nur ohne die Menschenmassen von Kyoto.
Einkaufspassagen und lokales Leben
Zwischen dem Bahnhof und der Burg erstreckt sich die Miyuki-dori, eine überdachte Ladenstraße, in der die Zeit in der Showa-Ära stehen geblieben zu sein scheint. Second-Hand-Kimono-Läden, traditionelle Süßwarengeschäfte, Teehändler: Die Atmosphäre bildet einen Kontrast zu modernen Einkaufszentren. Die Konditorei Tairiku Honten verkauft einen Kuchen in Form von Oden, dem lokalen Gericht.
Für eine zeitgemäßere Stimmung liegt das Einkaufszentrum Piole Himeji direkt am Bahnhof. Curry-Restaurants, Gyoza-Ketten, französisch inspirierte Bäckereien: Hier lässt sich vor der Zugfahrt schnell und gut essen.
Wo kann man in Himeji essen und trinken?
Die absolute Spezialität ist Himeji Oden. Dieser japanische Eintopf zeichnet sich durch seine Beilage aus: statt des andernorts üblichen Senfs gibt es eine Sojasauce mit frisch geriebenem Ingwer. Das Restaurant Nadagiku Kappatei in der Gasse Himeji Noren nahe dem Bahnhof serviert ihn in einem burgförmigen Topf. Die Hocker in Form von Taiko-Trommeln sorgen für eine theatralische Note.
Wenn es um Ramen geht, bieten Menme und Mendokoro Nakayama ihre eigenen Nudeln zu fairen Preisen an. Für Fisch solltest du Anago-don probieren, eine Reisschale mit gegrilltem Meeraal, eine Spezialität der Seto-Inlandsee. Auch Hinepon ist einen Versuch wert: ausgewachsenes Legehennenfleisch, serviert mit einer säuerlichen Ponzu-Sauce.
Zum Tagesausklang produziert die Stadt exzellente lokale Sakes. Die Brauerei Tatsuriki bietet Verkostungen an, bei denen der Braumeister die Gäste manchmal persönlich begrüßt.
Wo kann man in Himeji und Umgebung übernachten?
Das Viertel um den JR-Bahnhof konzentriert die meisten Unterkünfte. Das Nikko Himeji bietet Zimmer mit Blick auf die Burg ab den oberen Etagen. Das Dormy Inn verfügt über öffentliche Thermalbäder und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für kleine Budgets bietet das Himeji 588 saubere Schlafsäle ab 3.000 JPY (ca. 18 Euro).
Die Shironoshita Guesthouse, zwanzig Gehminuten von der Burg entfernt, spricht Reisende an, die eine gesellige Atmosphäre suchen. Für ein intensiveres Erlebnis bietet der Ryokan Yumenoi Onsen und traditionelle Kaiseki-Mahlzeiten. Das etwas außerhalb gelegene Hotel SETRE Highland Villa kombiniert Fusionsküche mit Aussicht auf das umliegende Land.
Wie kommt man nach Himeji und wie bewegt man sich fort?
Von Osaka aus erreicht man den Bahnhof JR Himeji in 30 Minuten mit dem Shinkansen, was vom Japan Rail Pass abgedeckt ist. Die JR-Schnellzüge brauchen eine Stunde und kosten etwa 1.520 JPY (ca. 9 Euro). Von Kyoto aus dauert die Fahrt mit dem Shinkansen 45 Minuten. Die Stadt ist ein logischer Stopp auf der Sanyo-Linie zwischen Osaka und Hiroshima.
Der nächste Flughafen ist Kobe, 52 km entfernt. Der internationale Flughafen Kansai, 65 km entfernt, bleibt das wichtigste Einfallstor für internationale Reisende. Nachtbusse verbinden Tokio mit Himeji.
Vor Ort ist alles fußläufig erreichbar. Die Burg liegt 15 Minuten vom Bahnhof entfernt, die Gärten direkt daneben. Für den Berg Shosha verkehrt der Stadtbus Nummer 10 ab dem Bahnhof. Der Himeji Loop Bus bedient die wichtigsten Touristenattraktionen. Ein Tagespass für 600 JPY (ca. 4 Euro) ermöglicht unbegrenzte Fahrten. Fahrradverleih ist eine angenehme Option, da das Gelände flach ist und die Wege gut gepflegt sind.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst sind ideal. Im April sorgen die Kirschbäume im Burgpark für eines der schönsten Hanami-Erlebnisse in der Kansai-Region. Im November färben sich die Ahornbäume am Berg Shosha rot und orange. Der Sommer ist heiß und feucht, aber die Berge bieten etwas Abkühlung. Der Winter bleibt mild und ist touristisch kaum frequentiert.
Das Nada no Kenka Matsuri im Oktober bietet ein beeindruckendes Spektakel, bei dem Träger tragbare Schreine gegeneinander antreten lassen. Das Himeji Yukata Matsuri Ende Juni feiert den Sommer-Kimono in festlicher Atmosphäre. Meide die Golden Week Anfang Mai und das Wochenende um den 15. August, wenn du Menschenmengen vermeiden möchtest.
Wenn Sie Osaka besuchen, kann ich Ihnen einen Ausflug nach Himeji wirklich nur empfehlen. Die Stadt ist in 30 Minuten mit dem Zug erreichbar. Sie müssen vom Bahnhof aus nur ein Stück laufen, um zum Schloss Himeji zu gelangen. Da die Besichtigung nur einen Nachmittag in Anspruch nimmt, sollten Sie sich das auf keinen Fall entgehen lassen! Es gehört zum UNESCO Welterbe und die Schönheit ist absolut atemberaubend.