Papantla, die Stadt, in der die Männer in den Himmel fliegen
Der Duft erreicht dich sofort, wenn du aus dem Bus steigst. Eine süße, betörende Vanillenote liegt in der heißen Luft im Norden von Veracruz. Willkommen in Papantla, der Welthauptstadt eines Gewürzes, das von diesen grünen Hügeln bis in die Küchen europäischer Königshäuser gelangte.
Doch es ist nicht die Vanille, die dich dazu bringt, den Kopf in den Nacken zu legen. Es sind sie: fünf Männer, die in 30 Metern Höhe an einem Mast hängen und sich, nur an den Knöcheln befestigt, in die Tiefe stürzen. Die Voladores de Papantla führen dieses Ritual seit über 1.400 Jahren aus. Im Jahr 2009 hat die UNESCO ihnen den Status als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit verliehen.
Ein Ziel für Entdecker alter Kulturen
Diese Kleinstadt richtet sich an Reisende, die auf der Suche nach authentischem mexikanischem Leben abseits der üblichen Touristenpfade sind. Archäologie-Begeisterte finden zehn Kilometer entfernt El Tajín, eine der beeindruckendsten präkolumbianischen Stätten des Landes. Wer sich für uralte Rituale interessiert, erlebt einen einzigartigen Moment, wenn er dem Tanz der Voladores beiwohnt, der täglich vor der Kirche und auf der Ausgrabungsstätte aufgeführt wird.
Papantla ist hingegen nichts für Reisende, die moderne Infrastruktur oder ein ausgeprägtes Nachtleben suchen. Das Hotelangebot ist überschaubar, und mit Englisch kommst du kaum weiter. Das ist Mexiko in seiner ursprünglichsten Form.
Eine entspannte Stadt, aber nicht für jeden
Das tropische Klima gibt den Ton an: konstante Temperaturen um die 30 Grad und häufige Regenfälle von Juni bis Oktober. Die steilen Straßen im Zentrum gehen in die Beine, doch die Herzlichkeit der Einheimischen, der Papantecos, macht das mehr als wett.
Überschaubare Reisekasse
Papantla bleibt ein preiswertes Ziel. Plane für eine Nacht in einem ordentlichen Hotel etwa 400 bis 800 MXN (ca. 21 bis 42 Euro) ein, ein komplettes Essen auf dem Markt kostet 80 bis 150 MXN (ca. 4 bis 8 Euro) und für den Eintritt nach El Tajín zahlst du 100 MXN (ca. 5 Euro). Die lokalen Verkehrsmittel kosten nur eine Handvoll Pesos.
El Tajín: Die Stadt des Donners mitten im Dschungel
Neun Kilometer von Papantla entfernt erhebt sich die ehemalige Hauptstadt des Totonaken-Reiches. El Tajín erlebte seine Blütezeit zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert. Die Anlage erstreckt sich über mehr als 10 Quadratkilometer und umfasst 168 Strukturen, darunter 17 Ballspielplätze, was einen mesoamerikanischen Rekord darstellt.
Die Pirámide de los Nichos ist die Hauptattraktion. Ihre 365 quadratischen Nischen erzeugen im Tagesverlauf ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten. Das 20 Meter hohe Bauwerk diente höchstwahrscheinlich als astronomischer Kalender.
Tipp vom Experten: Sei bereits um 9:00 Uhr zur Öffnung der Stätte vor Ort, um der drückenden Mittagshitze zu entgehen. Denke an ausreichend Wasser, einen Sonnenhut und Sonnenschutz. Die Voladores treten mehrmals täglich am Eingang auf.
Die Voladores: Das Ritual, das der Schwerkraft trotzt
Fünf Männer in rot-weißen Kostümen erklimmen einen 30 Meter hohen Mast. Der Caporal bleibt an der Spitze, spielt Flöte und Trommel. Die anderen vier binden sich an den Knöcheln fest und lassen sich in die Tiefe fallen, wobei sie sich langsam um den Mast drehen, während sich die Seile abwickeln. Jeder vollzieht 13 Umdrehungen, was insgesamt 52 ergibt und den mesoamerikanischen Kalenderzyklus symbolisiert.
Das Ritual entstand in einer Dürreperiode, in der die Menschen die Regengötter um Hilfe anflehten. Es wird im Parque Israel C. Téllez vor der Parroquia de Nuestra Señora de la Asunción aufgeführt, in der Regel sonntags um 9:00, 12:00, 16:00 und 19:00 Uhr. Ein freiwilliger Beitrag von 20 bis 50 MXN (ca. 1 bis 3 Euro) ist üblich.
Vanille: Das schwarze Gold von Papantla
Die Region produziert fast 70 Prozent der mexikanischen Vanille, die seit 2009 eine geschützte Herkunftsbezeichnung trägt. Der Parque Ecológico Xanath, 15 Minuten vom Zentrum entfernt, bietet geführte Touren durch die Plantagen mit anschließender Verkostung hausgemachter Liköre an.
Auf dem Mercado Hidalgo fertigen Kunsthandwerker filigrane Figuren aus getrockneten Schoten. Dort findest du auch Extrakte, Cremes und hausgemachte Liköre.
Wo kann man in Papantla essen und trinken?
Die totonakische Küche verwendet Vanille auf überraschende Weise in herzhaften Gerichten. Das mole papanteco, das milder ist als sein Pendant aus Puebla, wird zu Truthahn oder Schweinefleisch serviert. Der zacahuil ist ein gigantisches Tamal, das in Bananenblättern gegart wird und eine ganze Familie satt bekommt. bocoles rellenos und enchiladas de pipián runden eine üppige Mahlzeit ab.
Das Restaurant Nakú gegenüber dem zentralen Park serviert Garnelen in Pulque-Vanille-Soße und beendet das Essen mit einem Beso Papanteco, einem Cocktail aus Kondensmilch, Rum und Vanillelikör. Der Mercado Hidalgo ist die beste Adresse für ein günstiges Frühstück mit Tacos Guisados und gefüllten Chipotles.
Wo übernachten in Papantla und Umgebung?
Das Hotel Tajín direkt am zentralen Park bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis mit Pool, zwei Restaurants und bewachtem Parkplatz. Vom Balkon aus kannst du die Voladores beobachten, ohne das Zimmer zu verlassen. Für eine einfachere, aber charmante Unterkunft empfiehlt sich die Posada Familiar Papantla, nur wenige Gehminuten vom Zócalo entfernt.
Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann in Poza Rica übernachten, einer Industriestadt in 20 Minuten Entfernung mit einem breiteren Hotelangebot, darunter Ketten wie Fiesta Inn oder La Quinta. Die Strände von Tecolutla und der Costa Esmeralda sind weniger als eine Stunde entfernt, falls du Kultur mit Strandtagen verbinden möchtest.
Wie kommt man nach Papantla und wie bewegt man sich fort?
Von Mexico City fahren Busse der Linie ADO vom Busbahnhof TAPO ab und benötigen etwa 4 Stunden bis Poza Rica, von wo aus Sammeltaxis (Combies) in 30 Minuten nach Papantla fahren. Plane für die gesamte Strecke etwa 400 bis 600 MXN (ca. 21 bis 32 Euro) ein. Vom Hafen Veracruz dauert die Fahrt mit dem Direktbus 2 bis 3 Stunden.
Der nächstgelegene Flughafen ist Poza Rica, der von einigen Inlandsflügen bedient wird. Reisende aus Europa landen meist in Mexico City. Vor Ort kosten lokale Taxifahrten 30 bis 50 MXN (ca. 2 bis 3 Euro). Für den Weg nach El Tajín solltest du 100 bis 150 MXN (ca. 5 bis 8 Euro) für eine einfache Fahrt einplanen oder für etwa 20 MXN (ca. 1 Euro) ein Combie ab dem Zentrum nehmen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Reisezeit ist von November bis April, wenn die Hitze erträglich ist und es kaum regnet. Das Festival Cumbre Tajín verwandelt die Region jedes Jahr im März für drei bis fünf Tage in einen kulturellen Hotspot: Konzerte, uralte Zeremonien, Handwerkskurse und totonakische Gastronomie locken Tausende Besucher an. Buche für diesen Zeitraum Monate im Voraus.
Das Festival de Corpus Christi im Mai und Juni bietet ebenfalls tägliche Vorführungen der Voladores. Vermeide die Monate Juli bis September, wenn du tropische Regengüsse lieber meiden möchtest.
Na ja, eine Woche würde man hier zwar nicht verbringen, aber es ist ein guter Ausgangspunkt, um die totonakische Kultur zu entdecken, die archäologische Stätte El Tajin zu besuchen und die köstlichen Gerichte mit lokaler Vanille zu probieren. Eine kleine, ruhige Kleinstadt, weit weg vom industriellen Trubel von Poza Rica.