Chefchaouen, die blaue Stadt, die immer wieder überrascht
Die Gassen steigen an, biegen ab, führen wieder bergab, und überall umhüllt dich dasselbe Blau, vom Boden bis zu den Türstürzen. Es gibt viele Theorien über den Ursprung dieser Farbe, von sephardischen Juden, die sie in den 1930er Jahren eingeführt haben sollen, bis hin zu einem simplen Schutz vor Mücken. Niemand ist sich wirklich einig, und vielleicht macht gerade das die Medina von Chefchaouen so faszinierend: ein Rätsel, das man gar nicht mehr lösen, sondern nur noch fotografieren will.
Eine Reise für dich?
Wenn du es magst, in fotogenen Gassen die Orientierung zu verlieren, dich mit Handwerkern zu unterhalten, die sich Zeit nehmen, und eine Luft zu atmen, die frischer ist als in Marrakesch oder Fès, wirst du deinen Aufenthalt hier genießen. Chefchaouen ist zudem ein idealer Ausgangspunkt für alle, die Stadtleben mit einer Wanderung im Naturpark Talassemtane verbinden möchten.
Wenn du hingegen ein pulsierendes Nachtleben, bedeutende historische Monumente oder eine Stadt ohne jegliche Straßenverkäufer suchst, wirst du vielleicht enttäuscht sein. Es ist ein kleines Bergstädtchen, keine imperiale Hauptstadt.
Geeignet für:
- Liebhaber der Fotografie und einzigartiger visueller Stimmungen
- Reisende, die nach der Hektik von Fès oder Tanger Ruhe suchen
- Wanderer, die Stadt und Natur kombinieren möchten
- Reisende mit kleinem Budget, die einen erschwinglichen Marokko-Urlaub planen
Weniger geeignet für:
- Reisende, die ein lebhaftes Nachtleben suchen
- Reisende mit wenig Zeit (die Stadt lässt sich in 1 bis 2 Tagen erkunden)
- Fans von großen Museen und historischen Bauwerken
Ein zugängliches Budget
| Posten | Preisspanne |
|---|---|
| Übernachtung im einfachen Riad oder Hotel | 15 bis 25 Euro |
| Übernachtung im komfortablen Riad | 40 bis 70 Euro |
| Snack zwischendurch (Sandwich, einfaches Tajine) | 2 bis 5 Euro |
| Essen im Touristenrestaurant | 8 bis 15 Euro |
| Tagesbudget Backpacker | 25 bis 35 Euro |
| Tagesbudget Komfort | 60 bis 90 Euro |
Richtpreise, Änderungen vorbehalten
Praktische Hinweise für deine Reise
Die Stadt erkundet man komplett zu Fuß, da die Gassen für Autos oft zu eng oder zu steil sind. Da sie auf über 600 Metern Höhe liegt, sind die Nächte selbst im Sommer kühl, anders als in den Städten im Süden des Landes.
Straßenverkäufer, die geführte Touren oder Geschäfte eines Freundes anbieten, findet man häufig rund um die Place Outa el Hammam. Ein höfliches, aber bestimmtes Nein reicht meist aus, um sie abzuschrecken, ohne dass sie dabei unfreundlich werden.
Verlaufen im blauen Labyrinth der Medina
Die Medina von Chefchaouen entdeckt man am besten ohne festen Plan. Jede Treppe führt zu einer neuen Nuance von Blau, einem Topf mit Geranien oder einer Katze, die vor einer Tür schläft. Es ist der Typ Stadt, in dem der Akku der Kamera schneller leer ist als die eigenen Beine müde werden.
Die Place Outa el Hammam ist das Herz der Stadt, mit ihren Caféterrassen und der Kasbah aus dem 15. Jahrhundert, in der sich ein kleines ethnographisches Museum und ein schattiger Garten befinden. Nicht weit entfernt liegt die Große Moschee mit ihrem achteckigen Grundriss, die für marokkanische Architektur untypisch ist und deren ockerfarbenes Minarett einen Kontrast zum Blau der Umgebung bildet.
Tipp vom Experten: Wandere am frühen Morgen oder am späten Nachmittag zur spanischen Moschee, etwa 15 Gehminuten von der Medina entfernt. Das Licht zeichnet dann die ganze Stadt nach und es ist deutlich weniger los als zum Sonnenuntergang, der bei Fotografen besonders beliebt ist.
Wandern im Naturpark Talassemtane
Etwa 20 Minuten außerhalb der Stadt bietet der Nationalpark Talassemtane Pfade durch Tannenwälder und Kalksteinschluchten. Die Gegend um die Pont de Dieu (Gottesbrücke) in Akchour mit ihren Wasserfällen und dem türkisblauen Wasser ist der beliebteste Ausflug ab Chefchaouen.
Zwei Hauptrouten starten im Dorf Akchour: der kleine Wasserfall, der in einer einfachen einstündigen Wanderung zu erreichen ist, und der große Wasserfall, der anspruchsvoller ist und über die bekannte natürliche Brücke führt. Plane für den kompletten Hin- und Rückweg einen halben Tag ein.
Markt und lokales Handwerk
Der Hauptmarkt, der vor allem montags und donnerstags belebt ist, bringt Erzeuger aus den umliegenden Bergen und Kunsthandwerker zusammen. Wollwebereien, insbesondere die traditionellen gestreiften Fouta-Tücher, gehören zu den begehrtesten lokalen Spezialitäten.
Cannabis, das in der Rif-Region seit Jahrzehnten angebaut wird, ist Teil der lokalen Wirtschaft, auch wenn der Verkauf offiziell illegal ist. Du wirst wahrscheinlich auf der Straße Angebote erhalten: Wir möchten daran erinnern, dass es sich um ein Produkt handelt, das in vielen Ländern verboten ist.
Wo essen und trinken in Chefchaouen?
Die lokale Küche zeichnet sich durch Berggerichte aus, die herzhafter sind als an der Küste. Das Tajine mit Feigen und Mandeln sowie die Bissara (eine Suppe aus Saubohnen) gehören zu den Spezialitäten, die du probiert haben solltest.
Die Terrassen rund um die Place Outa el Hammam bieten eine großartige Aussicht, kosten aber etwas mehr. Um authentischer und preiswerter zu essen, servieren die kleinen Garküchen in den angrenzenden Straßen oft hausgemachte Küche zu fairen Preisen.
Wo übernachten in Chefchaouen und Umgebung?
Die Medina selbst konzentriert das Hauptangebot, mit zahlreichen Riads, die in traditionellen blauen Häusern untergebracht sind. Innerhalb der Mauern zu übernachten ermöglicht es dir, die Stadt am frühen Morgen zu erleben, bevor die Tagesausflügler aus Tanger oder Fès eintreffen.
Einige Unterkünfte am Stadtrand auf den Anhöhen bieten einen Panoramablick über die Stadt zu oft günstigeren Preisen, wofür man nur wenige Minuten mehr Fußweg in Kauf nehmen muss.
Wie kommt man nach Chefchaouen?
Chefchaouen hat keinen eigenen Flughafen. Die nächsten Flughäfen sind Tanger (etwa 2 Stunden Fahrt) und Fès (etwa 4 Stunden). Beide Städte werden von verschiedenen europäischen Städten direkt angeflogen.
Von Tanger oder Fès aus verbinden regelmäßige Busse (insbesondere die Gesellschaft CTM) Chefchaouen zu Preisen zwischen 5 und 10 Euro. Es gibt auch Sammeltaxis (Grands Taxis), die schneller, aber weniger komfortabel sind.
Wie bewegt man sich in Chefchaouen fort?
Die Medina erkundet man ausschließlich zu Fuß, da die gepflasterten und steilen Gassen keinen motorisierten Verkehr zulassen. Das ist übrigens einer der Reize der Stadt: Kein Motorenlärm stört den Spaziergang.
Um nach Akchour oder zu anderen Orten außerhalb der Stadt zu gelangen, stehen meist Sammeltaxis oder Minibusse in der Nähe des Eingangs zur Medina bereit, deren Preis vor der Abfahrt ausgehandelt werden sollte.
Wann ist die beste Reisezeit für Chefchaouen?
Der Frühling (April bis Juni) und der Herbst (September bis Oktober) bieten die angenehmsten Bedingungen mit milden Temperaturen, die ideal zum Wandern sind. Der Sommer kann tagsüber heiß werden, während der Winter kühler ist und in der Höhe manchmal Regen bringt.