Essaouira besuchen: Die verschlafene Schönheit am Atlantik
Das schrille Kreischen der Möwen vermischt sich mit dem fernen Klopfen der Kunsthandwerker, die das Thujaholz bearbeiten. Eine salzige Brise, der Passatwind, fegt durch die weiß gekalkten Gassen und trägt den betörenden Duft von gegrilltem Fisch vom Hafen herüber. In Essaouira kommt man nicht einfach an, man lässt sich treiben. Die Stadt zieht einen in ihren Bann mit einer böhmischen Lässigkeit, die schon Generationen von Künstlern, Musikern und Reisenden auf der Suche nach einem anderen Marokko fasziniert hat.
Essaouira: Eine böhmische Auszeit, keine tropische Postkartenidylle
Diese Stadt ist ein Ventil für alle, denen Marrakech zu hektisch ist. Es ist ein Rückzugsort für kreative Köpfe, Fans der Gnaoua-Musik, Kitesurfer und Menschen, die entspannte Umgebungen schätzen. Wenn du einen langsamen Rhythmus, Souks ohne Verkaufsdruck und Kunstgalerien an jeder Ecke suchst, wirst du dich hier wie im Paradies fühlen.
Sollte dein marokkanischer Traum jedoch aus extremer Hitze und Nichtstun am Pool bestehen, könntest du enttäuscht sein. Hier weht fast immer ein Wind, der die Luft selbst im Hochsommer deutlich abkühlt. Das Klima ist belebend und frisch, aber selten drückend heiß. Der Strand ist eher ein Revier für Wassersportler als ein Ort zum stundenlangen Sonnenbaden.
Verlaufen in der Medina: Ein Labyrinth aus Kunst und Handwerk
Die als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Medina ist das pulsierende Herz der Stadt. Vergiss den Stress anderer marokkanischer Märkte, hier ist das Flanieren entspannt. Man verliert sich gerne in dem Netz aus Gassen, in denen das strahlende Weiß der Wände vom intensiven Blau der Türen und Fensterläden unterbrochen wird. Jeder Durchgang offenbart eine neue Werkstatt, eine Galerie für naive Kunst oder ein verstecktes Café.
Das Viertel Mellah, das ehemalige Judenviertel, bietet eine ruhigere und etwas verwittertere Atmosphäre, die von einer reichen, kosmopolitischen Geschichte zeugt. Das wichtigste Handwerk ist die Bearbeitung von Thujaholz, einem Nadelbaum mit holzig-pfeffrigem Duft, aus dem die Handwerker unglaublich filigrane Gegenstände fertigen.
Der Tipp vom Profi: Begnüge dich nicht nur mit den zwei Hauptadern der Medina. Wage dich in die kleineren Seitenstraßen und achte auf die Details an den Türen und Fenstern. Genau dort triffst du auf die authentischsten Szenen des täglichen Lebens.
Das ständige Spektakel an den Stadtmauern und im Fischereihafen
Um die Seele der Stadt zu verstehen, musst du die Befestigungsanlagen erklimmen. Die Skala de la Kasbah, die Schutzmauer zum Meer hin, bietet einen spektakulären Spaziergang mit ihren bronzenen Kanonen, die auf den Ozean gerichtet sind. Es ist der Treffpunkt am Tagesende, um die Wellen an den Felsen zu beobachten und den Sonnenuntergang zu genießen.
Weiter unten ist der Fischereihafen ein Freilufttheater. Am Vormittag herrscht hier Hochbetrieb, wenn die berühmten blauen Boote zurückkehren. Fischer entladen ihren Fang in einem organisierten Chaos, Möwen stürzen sich auf ihre Beute und Katzen warten geduldig auf ihre Chance. Es ist eine lebendige, laute und unglaublich fotogene Szenerie.
Der Tipp vom Profi: Kaufe deinen Fisch für das Mittagessen direkt an den Marktständen im Hafen. Nur wenige Meter weiter gibt es kleine Garküchen, die dir den Fang für einen kleinen Aufpreis sofort frisch grillen. Frischer und lokaler geht es kaum.
Wenn der Wind zum Wassersport und zur Flucht einlädt
Der lange Sandstrand, der die Stadt säumt, ist das Reich des Windes. Es ist einer der bekanntesten Spots in Marokko für Kitesurfen und Windsurfen, besonders im Sommer, wenn der Passatwind stark bläst. Zahlreiche Schulen bieten Einsteigerkurse an.
Auch wenn du kein Wassersportler bist, ist der Strand ein großartiger Ort für Spaziergänge. Man begegnet Kamelen und Pferden für Ausritte bei Sonnenuntergang, Fußballspielern bei improvisierten Matches und Wanderern, die die Weite genießen. Für eine wildere Umgebung ist ein Ausflug in das 20 Minuten südlich gelegene Dorf Sidi Kaouki eine ausgezeichnete Option.
Wo kann man in Essaouira essen und trinken?
Der Star der lokalen Gastronomie ist zweifellos der frische Fisch: Sardinen, Doraden oder Tintenfisch schmecken einfach gegrillt mit einem Spritzer Olivenöl am besten. Probiere auch die Tajines, die hier oft leichter und subtiler gewürzt sind als im Landesinneren. Die Region ist zudem die Heimat von Arganöl, das du sowohl für kosmetische Zwecke als auch in der Küche findest, wo es Salaten eine besondere Note verleiht.
Am Abend bieten die Dachterrassen der Riads einen magischen Rahmen für das Abendessen. Zahlreiche kleine Restaurants in der Medina servieren hausgemachte Gerichte in intimer Atmosphäre.
Wo übernachtet man in Essaouira und Umgebung?
Die authentischste Erfahrung bietet ein Aufenthalt in einem Riad direkt im Herzen der Medina. Du tauchst voll in die Atmosphäre der Altstadt ein, mit all ihren Geräuschen und ihrem Charme. Viele Häuser verfügen über Terrassen mit herrlichem Ausblick. Für mehr Ruhe, Platz und direkten Strandzugang liegen mehrere Hotels außerhalb der Stadtmauern. Diese eignen sich oft besser für Familien.
Wie kommt man nach Essaouira und wie bewegt man sich fort?
Die Stadt besitzt einen eigenen Flughafen (ESU) mit Direktverbindungen aus einigen europäischen Städten. Alternativ ist der gängigste Weg die Landung in Marrakesch (RAK) und die Weiterreise mit dem Bus (etwa 3 Stunden Fahrt). Die Unternehmen Supratours und CTM sind zuverlässig und komfortabel.
Vor Ort erkundest du die Medina am besten ausschließlich zu Fuß, was den eigentlichen Reiz ausmacht. Um zu den Surfspots zu gelangen oder die Umgebung zu erkunden, sind die kleinen blauen Taxis sehr erschwinglich.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling und der Herbst sind ideal, da sie viel Sonne und moderaten Wind bieten. Der Sommer ist Hochsaison für Kitesurfer, da der Wind dann am stärksten ist, kann aber für reine Strandurlauber zu kräftig sein. Der Winter ist mild, kann jedoch einige Schauer mit sich bringen, wobei die Stadt in dieser Zeit sehr ruhig ist.
Essaouira, früher von den Portugiesen Mogador genannt, ist eine Stadt an der Atlantikküste Marokkos, westlich von Marrakesch. Die Altstadt (Medina) ist von Stadtmauern aus dem 18. Jahrhundert geschützt. Sie sind mit alten Kupferkanonen verziert, die portugiesische Inschriften tragen. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick auf den Atlantischen Ozean.
Essaouira ist die Stadt der Maler. Es gibt sogar die Schule von Essaouira, deren ikonischste zeitgenössische Künstler wie Mohamed Tabal, Saïd Ouarzaz, Houssein Miloudi und Mohamed Zouzaf im Winter 2015 vom Institut du Monde Arabe geehrt wurden.
Essaouira ist außerdem für das Gnaoua-Festival bekannt.