Die Amalfiküste gehört zum UNESCO-Welterbe, und ihr namensgebender Hauptort strahlt mit einer ganz eigenen Kraft. Schon im 6. Jahrhundert erlangte Amalfi dank seiner Seefahrer, die früh auf den Kompass und den Handel mit dem Orient setzten, große Bedeutung. Die Blütezeit der ersten italienischen Seerepublik endete abrupt im Jahr 1343, als eine Flutkatastrophe das Schicksal der Stadt besiegelte. Erst durch den aufkommenden Tourismus im 19. Jahrhundert fand das Juwel in der Provinz Salerno zu seinem heutigen Glanz zurück. Als charmanter Urlaubsort besticht Amalfi durch eine Kulisse, in der Felsen, Meer und üppige Vegetation aufeinandertreffen. Die Altstadt ist in ihrer Art absolut einzigartig.
Strandleben unter den Häuserhängen
Ein Spaziergang durch Amalfi gleicht einer Zeitreise durch ein Labyrinth aus dem Mittelalter. Die Gassen führen steil bergauf, kreuzen sich und enden oft in Treppenwegen, deren Verlauf man erst beim Durchschreiten entdeckt. Die Kathedrale Sant'Andrea an der Piazza Duomo ist ein unverzichtbarer Orientierungspunkt. Über eine imposante Freitreppe mit 62 Stufen gelangt man zu diesem beeindruckenden Bauwerk aus dem Jahr 987, das über die Jahrhunderte immer wieder umgestaltet wurde. Die Fassade mit ihren farbigen Elementen sowie Einflüsse aus dem Arabischen, Romanischen, Barocken und Neugotischen machen den Bau zu einem architektonischen Erlebnis. Ein Besuch der Krypta ist Pflicht, ebenso wie des direkt angrenzenden Chiostro del Paradiso. Der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert mit seinen filigranen Bögen und den hohen Palmen wirkt fast wie eine maurische Oase. Zudem beherbergt der Komplex ein Diözesanmuseum.
Am Fuß der Treppen laden Restaurantterrassen, die Fontana di Sant'Andrea und das historische Zentrum zum Verweilen ein. Besonders das Viertel Vagliendola ist sehenswert mit seinen typischen, überdachten Passagen zwischen den Häusern. In der Hauptstraße, der Via Lorenzo, reihen sich Läden aneinander: Kunsthandwerk, Pizzerien, Eisdielen und Mode. Bei einem Bummel stößt man immer wieder auf kleine Plätze mit Brunnen wie die Fontana de Cape E Ciucci, die eine wunderschöne, in Marmor gehauene Weihnachtskrippe aus dem 18. Jahrhundert zeigt. Am Ende des Zentrums liegen der Yachthafen und die Marina mit Blick auf den Golf von Salerno. Von hier aus starten auch die Fähren, mit denen man bequem die Umgebung erkunden kann, etwa zur Insel Capri.
Der Strand liegt direkt vor der Stadt, überragt von den Hängen, an denen sich die weißen Häuser an den Fels schmiegen. Die Marina Grande ist zwar sehr beliebt, aber mit einer Länge von 184 Metern doch recht überschaubar. Wer es etwas ruhiger mag, weicht oft auf den Strand von Atrani aus.
Zitronen, Papierkunst und unberührte Natur
Amalfi ist seit dem 12. Jahrhundert für seine handwerkliche Papierherstellung bekannt. Das Papiermuseum zeigt die Geschichte der einst 16 Fabriken entlang der Via delle Cartiere. Diese alte Papiermühle aus dem 14. Jahrhundert ist heute die einzige, in der man noch die historischen Maschinen und Wasserräder in Betrieb sehen kann. Ebenfalls sehenswert sind die Überreste des alten Arsenals, das heute das Museum für den Kompass und die Seefahrtsgeschichte beherbergt. Mindestens genauso berühmt ist die Zitrone, die hier in den Terrassengärten wächst. Sie ist ein lokales Wahrzeichen und Grundlage für den Cremoncello, eine cremige Spezialität, oder den klassischen Limoncello. Die Küche ist geprägt vom Fang des Tages, aber auch Mozzarella di Bufala, Cannelloni und Antipasti stehen auf jeder guten Speisekarte.
Das Hinterland ist ein Paradies für Wanderer. Das Vallone delle Ferriere mit seinen Wasserfällen und einer außergewöhnlichen Flora bietet eine magische Kulisse, in der man sogar noch alte Wassermühlen und Zitronenhaine findet.
Die beste Reisezeit
Die Saison beginnt zu Ostern und dauert bis Ende Oktober, wobei es im Sommer sehr voll werden kann. Juni und September sind ideal, um bei angenehmen mediterranen Temperaturen die Stadt ohne die größten Menschenmassen zu erleben. Die Blütezeit im April und Mai ist besonders reizvoll. Zwischen November und Februar haben viele Geschäfte geschlossen. Die Stadt feiert ihre Schutzheiligen am 27. Juni und 30. November.
Anreise
Der nächstgelegene Flughafen ist Neapel-Capodichino, etwa 65 km entfernt. Von dort aus fahren Busse bis nach Sorrent, von wo aus es weiter nach Amalfi geht. Mit dem Auto ist die Strecke über die E45 oder die A30 gut erreichbar. Zudem gibt es Fährverbindungen zwischen den Küstenorten. Amalfi selbst besitzt keinen Bahnhof; die Züge enden in Sorrent oder Salerno.