Wissenswertes über den Issyk-Kul-See, das schlagende Herz des Himmelsgebirges
Der Horizont verschwimmt mit dem Wasser, das Wasser mit dem Himmel. Vor dir liegt kein gewöhnlicher See, sondern ein Binnenmeer, dessen tiefes Blau das Tageslicht zu verschlucken scheint, umrahmt von den schneebedeckten Gipfeln des Tian-Shan-Gebirges. Das ist der erste, rohe und spektakuläre Eindruck, den der Issyk-Kul-See, das flüssige Juwel von Kirgisistan, hinterlässt.
Warum dieser See ein absolutes Muss ist
Als zweitgrößter Bergsee der Welt ist der Issyk-Kul-See ein Naturwunder. Er liegt auf einer Höhe von über 1600 Metern und besitzt einen leichten Salzgehalt, der ihn durch eine Laune der Natur im Winter nicht gefrieren lässt, was ihm den Namen warmer See einbrachte. Diese Besonderheit macht ihn zu einem von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservat, einem Zufluchtsort für Zugvögel und einem einzigartigen Ökosystem.
Doch jenseits der Geografie ist der Issyk-Kul-See ein Ort voller Geheimnisse. Hartnäckige Legenden besagen, dass seine unergründlichen Tiefen die Überreste antiker Städte oder sogar verlorene Schätze der Geschichte verbergen.
Das Nordufer: Lebensfreude und Sandstrände
Die Nordküste ist der am stärksten erschlossene und touristisch geprägte Teil des Sees. Die Stadt Cholpon-Ata bildet das Epizentrum mit ihren ausgebauten Stränden, den Sanatorien aus der Sowjetzeit und zahlreichen Wassersportmöglichkeiten. Die Stimmung ist sommerlich und entspannt, ideal für Familien und Reisende, die Erholung mit Entdeckungstouren verbinden möchten.
Verpasse auf keinen Fall das Freilichtmuseum mit Petroglyphen, eine jahrtausendealte Galerie der Felskunst, sowie den überraschenden Kulturkomplex Ruh Ordo, der die Harmonie zwischen den Glaubensrichtungen der Welt propagiert. Das Nordufer bietet einen leichten Zugang und komfortable Infrastrukturen für einen ersten Kontakt mit dem See.
Tipp vom Experten: Um dem Trubel von Cholpon-Ata in der Hochsaison zu entfliehen, solltest du Kurs auf das Dorf Tamchy etwas weiter westlich nehmen. Dort findest du ebenso schöne Strände, eine deutlich ruhigere Atmosphäre und einen direkteren Kontakt zu den Einheimischen.
Das Südufer: Abenteuer in seiner reinsten Form
Ein radikaler Stimmungswechsel erwartet dich am Südufer. Hier holt sich die Natur ihren Raum zurück. Weniger besiedelt und wilder, entfaltet sie Landschaften von atemberaubender Schönheit für Reisende auf der Suche nach Authentizität und Weite.
Der Skazka-Canyon
Der Skazka-Canyon, auch Märchen-Canyon genannt, ist ein Labyrinth aus Gestein, in dem die Erosion Felsformationen in roten und orangen Farbtönen geformt hat. Sich in seinen Pfaden zu verlieren, mit dem intensiven Blau des Sees im Hintergrund, ist ein unvergessliches fotografisches und sinnliches Erlebnis.
Das Jeti-Oguz-Tal
Etwas weiter östlich, in der Nähe von Karakol, ist das Jeti-Oguz-Tal für seine Monolithen aus rotem Sandstein berühmt. Die Sieben Stiere und der Felsen des gebrochenen Herzens sind die Stars der Gegend, doch das Tal ist vor allem ein fantastischer Ausgangspunkt für Wanderungen oder Ausritte in einer majestätischen alpinen Kulisse.
Tipp vom Experten: Das Südufer ist die Wiege der traditionellen Falknerei. Für ein intensives kulturelles Erlebnis kannst du dich im Dorf Bokonbaevo erkundigen, um eine Vorführung der Jagd mit dem Steinadler zu sehen, eine uralte Kunst, die seit Generationen weitergegeben wird.
Der Vorteil des Issyk-Kul-Sees ist, dass man ihn sowohl im Sommer als auch im Winter besuchen kann. Es ist eine der Regionen des Landes, die für Touristen zugänglich bleibt, wenn Wanderungen und Reittouren im restlichen Kirgistan nicht möglich sind. Der nördliche Teil besteht aus Badeorten. Der südliche Teil, mein Favorit, ist viel ursprünglicher. Besonders die Gegend um Bokonbaevo ist mit ihren Jurtenlagern, dem Canyon und den Adlerjägern sehr angenehm.