Göreme, wo Mönche Kathedralen in den Fels schlugen
Der Name Göreme bedeutet übersetzt so viel wie man kann es nicht sehen. Genau das war das Ziel der byzantinischen Mönche, die sich hier ab dem 4. Jahrhundert niederließen: Sie wollten in der Abgeschiedenheit untertauchen.
Sie höhlten Kirchen, Speisesäle und Schlafgemächer aus dem weichen vulkanischen Tuffgestein der Kappadokien-Region aus. Die Wände verzierten sie mit Fresken, deren pflanzliche Pigmente bis heute so leuchtend sind, dass man meinen könnte, sie seien erst vor Kurzem aufgetragen worden.
Warum das Freilichtmuseum Göreme besuchen?
Dieser Klosterkomplex, der seit 1985 zum UNESCO-Welterbe zählt, vereint auf erstaunlich engem Raum etwa 350 Kirchen und Kapellen. Das Gelände diente vom 4. bis zum 13. Jahrhundert durchgehend als religiöses Zentrum und blieb bis zum 17. Jahrhundert ein wichtiger Wallfahrtsort.
Die Christen Kappadokiens nutzten die Räumlichkeiten bis zum griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch im Jahr 1923. Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung wurde das Areal 1967 in ein Museum umgewandelt.
Basilius der Große, der aus dem nahe gelegenen Kayseri stammte, gilt als Begründer dieser klösterlichen Tradition. Im 4. Jahrhundert ermutigte er die ersten Christen Anatoliens, Gemeinschaften zu bilden, die sich um einen Speisesaal, Schlafräume, Weinkeller und eine Kirche gruppierten. Dieses Modell verbreitete sich in ganz Kappadokien, und das Museum stellt die wohl eindrucksvollste Umsetzung dieses Konzepts dar.
Die Felsenkirchen und ihre Fresken
Die Dunkle Kirche, ein absolutes Meisterwerk
Die Karanlık Kilise ist allein schon die Reise wert. Ihren Namen verdankt sie dem einzigen kleinen Fenster, das nur wenig Licht einlässt. Paradoxerweise hat genau diese Dämmerung die Fresken aus dem 11. Jahrhundert außergewöhnlich gut bewahrt. Die Farben bestechen durch ihre seltene Intensität, besonders das tiefe Lapislazuli-Blau und kräftige Rottöne. Die Szenen zeigen das Leben Christi, von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Bevor eine gemeinsam von Frankreich, Italien und der Türkei finanzierte Restaurierung 1995 abgeschlossen wurde, diente die Kirche als Taubenschlag, weshalb die Fresken unter einer Schicht aus Vogelkot verborgen waren. Um die Pigmente vor der Luftfeuchtigkeit zu schützen, ist der Zutritt auf maximal 15 Personen für jeweils 3 Minuten begrenzt. Fotografieren ist im Inneren streng verboten. Der Eintritt kostet einen Aufpreis von 6 Euro zusätzlich zum Hauptticket.
Weitere sehenswerte Kirchen
Der Rundgang führt zu etwa einem Dutzend Gotteshäusern. Jeder Name erzählt eine eigene Geschichte. Die Elmalı Kilise (Apfelkirche) erhielt ihren Namen durch den roten Globus in der Hand des Erzengels Michael, den die Anwohner für einen Apfel hielten. Die Schlangenkirche verdankt ihre Bezeichnung dem heiligen Georg, der einen Drachen bezwingt, den die Dorfbewohner für ein Reptil hielten. Im Inneren befindet sich zudem ein seltenes Fresko des heiligen Onuphrius, eines ägyptischen Einsiedlers, der nur mit einem Feigenblatt bekleidet ist.
Die Çarıklı Kilise, die Sandalenkirche, bewahrt im Boden Fußabdrücke, die Christus vor seiner Himmelfahrt zugeschrieben werden. Unter der Kuppel sind die vier Evangelisten mit einer beeindruckenden Präzision dargestellt. Ebenfalls sehenswert ist das Fresko des Judaskusses im Bogen über der linken Tür.
Ein kleiner Tipp: Wenn du das Museum verlässt, überquere die Straße und gehe etwa 50 Meter in Richtung Göreme zur Tokalı Kilise, der Schnallenkirche. Sie ist im Eintrittspreis enthalten, wird aber von vielen eiligen Besuchern übersehen. Dabei ist sie die größte und am prunkvollsten ausgestattete Kirche der Anlage. Ihre erst kürzlich restaurierten Erzählfresken zeigen das Leben Christi in einem leuchtenden Kobaltblau. Zudem besitzt sie eine unterirdische Kapelle, die nur wenige Touristen aufsuchen.
So erkundest du das Gelände ohne Menschenmassen
Reisegruppen treffen meist zwischen 10:00 und 14:00 Uhr ein, was die schmalen Durchgänge zwischen den Kirchen schnell überfüllt. Sei am besten um 8:00 Uhr zur Öffnung vor Ort oder besuche die Anlage im Sommer nach 16:00 Uhr, wenn das tiefe Licht die Feenkamine in Gold taucht. Für den Rundgang solltest du 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Da es kaum Schatten gibt, sind Kopfbedeckung, ausreichend Wasser und Sonnencreme zwischen Mai und September ein Muss.
Das Gelände ist uneben und einige der höher gelegenen Kirchen sind nur über steile Treppen erreichbar. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist daher sehr empfehlenswert. In den meisten Kirchen ist das Fotografieren zum Schutz der Fresken untersagt, was die Wächter vor Ort konsequent durchsetzen. Die Aussicht auf die Tuffkegel und das Tal entschädigt jedoch allemal für diese Einschränkung.
Der am Eingang erhältliche Audioguide für 150 TRY (ca. 4 Euro) ist eine sinnvolle Ergänzung, da die Beschilderung vor Ort eher knapp ausfällt. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, profitiert von einem lokalen Guide, der die byzantinische Ikonografie erklärt und Details aufzeigt, die dem ungeübten Auge entgehen, wie etwa die Spuren der Zeit des Ikonoklasmus, als nur Kreuze als Wandschmuck erlaubt waren.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Das Freilichtmuseum Göreme ist der absolute Höhepunkt jedes Ausflugs in Kappadokien. Es handelt sich um einen Außenbereich mit einer großen Vielfalt an geologischen Formationen. Man sieht dort Höhlenwohnungen und Gesteinsarten aller Art, wie zum Beispiel Feenkamine.
Sie können nach Lust und Laune in dieser mondartigen Umgebung herumklettern und Fotos machen. Es gibt sogar eine Kirche mit extrem gut erhaltenen Höhlenmalereien. Ein Genuss!