Die Tour Tanguy: Eine mittelalterliche Wächterin über die Geschichte von Brest
Auf ihrem Felsvorsprung über der Penfeld blickt die Tour Tanguy seit sechs Jahrhunderten auf das Schloss von Brest hinab. Die Steine dieser mittelalterlichen Bastion haben Kriege, Besatzungen und Bombenangriffe überdauert. Heute beherbergt sie eine Zeitreise der besonderen Art: Sie zeigt das verschwundene Brest, die Stadt wie sie vor den Zerstörungen von 1944 aussah.
Ein Gebäude voller Geschichte und Wendungen
Der Turm wurde vermutlich in den 1380er Jahren errichtet, während der Belagerung des Schlosses von Brest durch Herzog Jean IV. von der Bretagne im Kampf gegen die englischen Besatzer. Als Bastille de Quilbignon bekannt, diente sie bis 1580 als herrschaftliches Tribunal. In den folgenden Jahrhunderten wechselte sie mehrfach den Besitzer: von den Rohan-Guéméné über königlichen Besitz bis hin zur Versteigerung als Nationalgut nach der Revolution.
Im 19. Jahrhundert wurde der Turm in ein Wohnhaus umgewandelt und überstand die Kampfhandlungen der Befreiung 1944 nur mit Mühe. Die Stadt Brest erwarb das Gebäude 1954 und beauftragte den Maler Jim-E. Sévellec damit, das Vorkriegs-Brest wieder lebendig werden zu lassen. Das Museum eröffnete 1962. Im Jahr 2023 wurde die Szenografie durch eine umfassende Renovierung modernisiert, um eine noch eindrücklichere, immersive Erfahrung zu ermöglichen.
Die Dioramen von Jim Sévellec: Das alte Brest kehrt zurück
Vierzehn Dioramen füllen die ersten beiden Etagen des Turms. Diese detailreichen Modelle wirken wie dreidimensionale Fotografien und stellen Szenen aus dem bretonischen Leben zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert dar. Jedes Detail zählt: das glänzende Kopfsteinpflaster der rue de Siam im Jahr 1918, amerikanische Soldaten auf Landgang, die Frauen vom Markt an der Tour oder die Schaufenster der Bar de l'Aviation im Jahr 1934.
Der Künstler hat weder Regenschirme noch Werbeplakate oder Firmenschilder vergessen. Diese Nachbildungen fangen die Atmosphäre der malerischen Viertel ein, die durch alliierte Bombenangriffe vernichtet wurden. Es ist ein bewegender Moment, wenn man erkennt, dass dieses pulsierende Stadtbild nur noch hier, in diesen beleuchteten Miniaturen, existiert.
Die großen Momente der Geschichte von Brest
Einige Dioramen setzen bedeutende historische Ereignisse in Szene. Dazu gehören der letzte Kampf der Marie de la Cordelière gegen englische Schiffe im Jahr 1512 oder die Ankunft von Napoléon III. in Brest im Jahr 1858, als er von Behörden und der Menge empfangen wurde. Diese Rekonstruktionen verbinden dokumentarische Genauigkeit mit künstlerischem Talent.
Ein erneuertes Erlebnis seit 2023
Die jüngste Renovierung hat den Besuch grundlegend verändert. Ein neuer Audioguide lässt die Besucher tiefer in das Geschehen eintauchen, gesprochen von einem Einwohner von Brest, der die Geschichte des Turms erzählt. Licht- und Soundeffekte erwecken einige der restaurierten Dioramen zum Leben und schaffen eine mitreißende Stimmung.
Die dritte Etage, die lange für die Öffentlichkeit gesperrt war, ist heute der Höhepunkt des Rundgangs. Der Panoramablick über die Rade, das Schloss, die Pont de Recouvrance und die Marineanlagen ist beeindruckend. Dank Augmented Reality werden Projektionen des alten Brest über die heutige Landschaft gelegt, was einen schwindelerregenden Kontrast zwischen der mittelalterlichen Stadt und der modernen Bebauung erzeugt.
Praktische Informationen für deinen Besuch
Der Rundgang dauert etwa 1 Stunde und 30 Minuten und kann in eigenem Tempo absolviert werden. Der Eintritt ist frei, was dieses Kulturerbe für jeden zugänglich macht. Gelegentlich angebotene Führungen des Fremdenverkehrsamtes erlauben es, noch tiefer in die Materie einzutauchen.
Der Insidertipp: Steige unbedingt bis in die dritte Etage hinauf, um den Panoramablick und die Augmented-Reality-Erfahrung zu genießen. Erst hier erschließt sich der Sinn des Besuchs vollkommen, wenn du das mittelalterliche Brest direkt mit der heutigen Stadt vergleichst. Wähle für deinen Besuch den späten Nachmittag, um ein besonders weiches Licht über der Rade zu erleben.
Ein sehr nettes kleines Museum. Ich mochte den Ort wirklich sehr. Am interessantesten war es, die Stadt vor den Kriegsschäden zu entdecken. Es gibt dort viele Modelle und Dioramen zu sehen. Und für mich war es am schönsten, all die kleinen Details zu entdecken. Ein kleines Extra: Am Anfang gibt es auch einen kurzen Vorstellungsfilm. Und obendrein ist es kostenlos!