Opéra Garnier in Paris, der Palast der goldenen Illusionen
Unter dem warmen Licht von tausenden Blattgoldverzierungen entfaltet sich das Grand Escalier mit seinen geschwungenen Marmorstufen wie eine Einladung zum Träumen. Das Opéra Garnier ist weit mehr als nur ein Opernhaus: Es ist ein architektonisches Manifest, in dem jedes Ornament den maßlosen Ehrgeiz des Second Empire widerspiegelt.
Warum fasziniert das Opéra Garnier so sehr?
Das 1875 nach fünfzehnjähriger Bauzeit eingeweihte Meisterwerk von Charles Garnier verkörpert die napoleonische Vision eines imperialen Paris. Der damals noch unbekannte junge Architekt setzte sich gegen 170 Mitbewerber durch, indem er einen kühnen Entwurf vorlegte, der barocke, klassische und Renaissance-Elemente vereinte. Heute zieht das Monument jährlich fast 450.000 Besucher an, die sowohl von der prestigeträchtigen Programmgestaltung als auch von der prunkvollen Architektur angezogen werden.
Jenseits der Vorführungen ist es die Seele des Ortes, die in ihren Bann zieht: die geheimen Korridore, der unterirdische See, der Gaston Leroux zu Le Fantôme de l’Opéra (Das Phantom der Oper) inspirierte, und die einzigartige Atmosphäre, in der die Vergangenheit mit zeitgenössischer Kunst in Dialog tritt.
Der Zuschauerraum, ein Kästchen in Rot und Gold
Wer den italienischen Theatersaal betritt, erlebt einen visuellen Schock. Die Rot- und Goldtöne explodieren unter dem acht Tonnen schweren Kronleuchter aus Bronze und Kristall, der mit 340 Lampen bestückt ist. Ein Blick nach oben offenbart das Deckenfresko, das Marc Chagall 1964 schuf. Es bricht bewusst mit der Ästhetik des 19. Jahrhunderts und schafft einen spannungsreichen Kontrast zwischen Tradition und Moderne.
Der Saal bietet 2.054 Zuschauern auf fünf Rangebenen Platz. Die Akustik, die lange Zeit dafür kritisiert wurde, dass sie der Ästhetik den Vorzug vor der Funktionalität gab, bietet dennoch eine besondere Intimität, besonders von den zentralen Plätzen im Orchestergraben aus.
Ein Tipp vom Insider: Um das Chagall-Deckenfresko ohne Nackenstarre zu bewundern, nimmst du am besten kurz vor einer Vorstellung auf einem der Plätze im Orchesterbereich Platz. Wenn du dich diskret verhältst, lassen die Platzanweiser dich meist gewähren.
Die öffentlichen Räume, ein glanzvoller Rundgang
Das Grand Escalier aus Marmor
Das Grand Escalier ist der absolute Höhepunkt jedes Besuchs. Die ersten dreißig Stufen aus weißem Marmor, flankiert von zwei bronzenen Kandelabern, führen zu einer sich gabelnden Doppeltreppe. Die Balustraden aus Onyx und schwedischem grünem Marmor fangen das Tageslicht ein, das durch das Glasdach fällt. Hier pflegte sich die Pariser Gesellschaft bei den Premieren zu präsentieren.
Das Grand Foyer und die Rotonde des abonnés
Das Grand Foyer erstreckt sich über 154 Meter und misst sich durchaus mit dem Spiegelsaal von Versailles. Goldene Mosaike, Spiegel, allegorische Gemälde und Marmorsäulen schaffen eine dauerhafte Theaterkulisse. Während der Pausen ist dieser Bereich der bevorzugte Ort für die Zuschauer, um zu flanieren.
Die Rotonde des abonnés (Rotunde der Abonnenten) mit ihren bunten Marmorverzierungen und Porphyrsäulen diente einst als privater Salon für die Pariser Elite. Heute dient sie den Besuchern in den Spielpausen als Rückzugsort.
Der Besuch im Palais Garnier: Das Wichtigste in Kürze
Nicht verpassen:
- Die Bibliothèque-musée (Bibliothek und Museum) der Oper mit ihren außergewöhnlichen Archiven aus Kostümen, Modellen und Partituren
- Die Salons der Lune und der Soleil (Mond- und Sonnensalon), die mit mythologischen Fresken geschmückt sind
- Das Bassin de la Pythie (Becken der Pythia) im Vorfoyer mit seinen funkelnden Mosaiken
- Die Avant-scène Logen, um die Architektur des Saals aus einem besonderen Winkel zu betrachten
Bei den individuellen Rundgängen kannst du das Gebäude in deinem eigenen Tempo erkunden, während geführte Touren Anekdoten über die Kulissen, die Aberglauben der Künstler und die Konstruktionsgeheimnisse dieses monumentalen Bauwerks enthüllen.
Öffnungszeiten
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Pourquoi "fléau" ? Pour moi, ce mot veut dire "calamité" :)