Das Rodin-Museum: Wenn Bronze in einem Pariser Garten atmet
Ein bronzener Mann, in sich gekrümmt, die Faust an den Lippen, starrt aus dem Dickicht eines Rosengartens ins Leere. Um ihn herum ragen die Tore der Hölle über sechs Meter in die Höhe. Wir befinden uns nur einen Katzensprung von den Invalides entfernt, an einem der entspanntesten Orte in Paris.
Warum das Rodin-Museum besuchen?
Auguste Rodin lebte und arbeitete hier, in diesem Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert, bis zu seinem Tod im Jahr 1917. Im Gegenzug für seine Schenkung an den französischen Staat erreichte er, dass das Hôtel Biron zur dauerhaften Wirkungsstätte seines Werks wurde. Das Museum eröffnete 1919 mit einer besonderen Mission: Es zeigt nicht nur die Skulpturen des Meisters, sondern gewährt einen Einblick in sein gesamtes kreatives Universum.
Die Sammlung umfasst 6.800 Skulpturen, 8.000 Zeichnungen und 10.000 Fotografien. Hinzu kommen Gemälde aus Rodins persönlichem Besitz, darunter Werke von Van Gogh, Renoir und Monet. Den Skulpturen von Camille Claudel, seiner Schülerin, Mitarbeiterin und Geliebten, ist ein eigener Bereich gewidmet.
Die Meisterwerke, die du gesehen haben musst
Der Denker und Das Höllentor
Diese meditative Silhouette, die auf ihrem Felsen kauert, stellte ursprünglich Dante dar, wie er die Kreise der Hölle betrachtet. Rodin schuf die Figur als zentrales Element für Das Höllentor, einen öffentlichen Auftrag, der ihn über dreißig Jahre lang beschäftigte und nie in seiner ursprünglichen Form geliefert wurde. Dieses monumentale, 6,35 Meter hohe Werk brachte einige seiner berühmtesten Skulpturen hervor. Man findet dort über 200 Figuren der Verdammten in einem Gewimmel aus gepeinigten Körpern.
Der Kuss und Die Bürger von Calais
Der Kuss sollte eigentlich Teil des Höllentors sein, doch Rodin nahm ihn wieder heraus: zu viel Sanftheit inmitten so viel Leids. Der weiße Marmor, der in den Räumen des Stadtpalais ausgestellt ist, fängt das Licht je nach Tageszeit ganz unterschiedlich ein. Im Garten schreiten Die Bürger von Calais ihrem Opfer entgegen, wobei jedes Gesicht eine Mischung aus Angst und Resignation zeigt, die Rodin über Jahre hinweg perfektionierte.
Tipp vom Experten: Komm mittwochs um 10:00 Uhr, um den Garten fast menschenleer zu genießen. Beginne bei bewölktem Wetter zuerst draußen: Das Hôtel Biron läuft dir nicht weg, die Wolkendecke hingegen schon. Das Café L'Augustine im Garten bietet solide Tagesgerichte mit direktem Blick auf die Bronzestatuen.
Der Skulpturengarten: Drei Hektar grüne Kunst
Der Park erstreckt sich über fast drei Hektar und ist um ein zentrales Becken sowie einen Rosengarten angelegt. Zwei ausgeschilderte Rundwege führen durch die Anlage: der Jardin des Sources (Garten der Quellen) und der Jardin d'Orphée (Garten des Orpheus). Die Rasenflächen laden zum Verweilen ein. Zwischen März und Mai sorgen die blühenden Rosen für eine fast unwirkliche Kulisse um die patinierten Bronzen.
Die wichtigsten Werke im Garten:
- Der Denker: monumentale Fassade von 1904, nahe dem Wasserbecken
- Das Höllentor: entlang der Südfassade
- Die Bürger von Calais: Gruppe aus sechs schreitenden Figuren
- Balzac: umstrittenes Porträt des Schriftstellers im Schlafrock
Das Hôtel Biron: Ein historisches Juwel
Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1730. Die Holztäfelungen, alten Parkettböden und hohen Fenster erzeugen eher die Atmosphäre eines privaten Wohnhauses als eines klassischen Museums. Die Räume sind thematisch gegliedert: Rodins Zeit in Italien, seine Porträts und die vorbereitenden Gipsstudien. Eine ganze Etage präsentiert die Arbeiten von Camille Claudel. Die Intensität ihrer Skulpturen, wie Das reife Alter oder Der Walzer, beeindruckt durch ihre enorme emotionale Kraft.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Ich mag die Aufmachung dieses Museums sehr. Der Rundgang ist in zwei Teile gegliedert. Es gibt einen Teil der Werke im Innenbereich, was ziemlich klassisch ist. Aber ein ganz anderer Teil befindet sich draußen, wie ein Museum unter freiem Himmel. Das bringt die Skulpturen inmitten der Pflanzen perfekt zur Geltung.