Das Aquarium de La Rochelle: Eine Reise durch 3 Millionen Liter Ozean
Direkt gegenüber dem Vieux-Port von La Rochelle ragt ein massiver Glasbau wie ein moderner Leuchtturm in den Himmel. Hinter den Scheiben bewegen sich 12.000 Meeresbewohner in ihrem eigenen Reich. Für die jährlich 800.000 Besucher ist es ein ständiges Schauspiel, bei dem jedes Becken eine andere Geschichte aus den Ozeanen unserer Erde erzählt.
Ein besonderes Unterwasserabenteuer in der Charente-Maritime
Das Aquarium de La Rochelle ist mehr als nur ein Ausflugsziel. Als meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Charente-Maritime und eines der größten privaten Aquarien Europas verbindet diese Institution, die seit drei Generationen von der Familie Coutant geführt wird, Faszination mit Meeresschutz. Auf 8.445 Quadratmetern verteilen sich 82 Aquarien mit 600 verschiedenen Arten, angefangen bei den gefleckten Seepferdchen aus dem Gezeitenbereich vor der Küste bis hin zu den geheimnisvollen, leuchtenden Kreaturen aus der Tiefsee.
Die Geschichte begann in den 1970er Jahren, als René Coutant die Aquaristik mit der Erfindung von Meerwasseraquarien in geschlossenen Kreisläufen revolutionierte. Nach einem schweren Brand im Jahr 1985 entstand das Aquarium im Jahr 2001 in seiner heutigen Form neu und wurde zu einem weltweiten Maßstab für die Erhaltung und Zucht von Meeresbewohnern.
Die Highlights: Vom Haifischbecken zur Welt des Lichts
Das Amphi-Theater der Haie: Nervenkitzel pur
Das Haifischbecken ist der absolute Höhepunkt des Rundgangs. In diesem 1,5 Millionen Liter Wasser umfassenden Theater gleiten rund zwanzig Tiere mit hypnotischer Eleganz durch das Becken. Sandtigerhaie, Zebrahaie, Graue Riffhaie und Korallenhaie teilen sich diesen Raum. Ob man direkt vor den riesigen Glasscheiben sitzt oder oben auf dem Sims steht, der stille Tanz dieser Jäger zieht jeden in seinen Bann.
Die Galerie der Lichter: Wenn der Ozean zu leuchten beginnt
Dieser 2016 eröffnete Bereich entführt Besucher in die leuchtenden Geheimnisse der Tiefe. Die Farben der Korallen verändern sich je nachdem, wie man sie über Touchscreens selbst steuert. Biolumineszenz und Fluoreszenz werden in fünf Aquarien erlebbar, in denen Kreaturen leben, die Licht zur Kommunikation, zur Jagd oder zur Tarnung einsetzen.
Ein Tipp vom Experten: Besuche das Aquarium in den Sommermonaten am späten Nachmittag. Zwischen 17:00 und 19:00 Uhr ist es deutlich leerer und du kannst das Treiben der Quallen ganz in Ruhe genießen. Zudem bleibt das Aquarium in der Hochsaison (21. Juli bis 22. August) bis 23:00 Uhr geöffnet, was in den schwach beleuchteten Räumen eine besonders magische Atmosphäre schafft.
Pionierarbeit für den Meeresschutz
Das Centre d'Études et de Soins pour les Tortues Marines (CESTM, Zentrum für Studien und Pflege von Meeresschildkröten), das direkt in das Aquarium integriert ist, kümmert sich um verletzte Schildkröten, die an der Atlantikküste stranden. Bereits über 370 Tiere wurden hier aufgepäppelt und wieder in den Ozean entlassen. Besucher können diese eleganten Tiere, die unter Wasser fast zu fliegen scheinen, beobachten und gleichzeitig lernen, welche Auswirkungen Plastikmüll auf ihr Überleben hat.
Die Expertise bei der Zucht ist beeindruckend: Etwa die Hälfte der gezeigten Tiere ist direkt vor Ort zur Welt gekommen. Quallen, Seepferdchen, Korallen und Tintenfische vermehren sich in den technischen Becken, wodurch Entnahmen aus der freien Natur vermieden werden.
Sensorische Reise: Vom Atlantik in den tropischen Regenwald
Die Tour beginnt mit einem Zwischenstopp am Atlantik, wo sich Steinbutte und Seezungen im Sand tarnen, während Sardinenschwärme silbrig aufblitzen. Der Bereich Mittelmeer zeigt intelligente Kraken und majestätische Zackenbarsche, bevor es weitergeht zu den hypnotisch tanzenden Quallen.
Ebenfalls sehenswert:
- Die Karibik besticht mit leuchtenden Farben, Kaiserfischen und Grünen Muränen
- Der Indopazifik fasziniert mit Clownfischen und Paletten-Doktorfischen
- Die Gartenmuränen, die wie tanzende Schlangen aus dem Sand ragen
- Das Nautilus, ein lebendes Fossil, das wie ein prähistorisches Raumschiff durch sein Becken schwebt
Der Abschluss der Besichtigung findet im tropischen Gewächshaus statt, einer feuchten Dschungelwelt, in der Piranhas und Schmuckschildkröten unter Palmen und neben Wasserfällen leben. Dieser Übergang zwischen Wasser und Land bietet nach zwei Stunden voller Eindrücke eine sanfte Rückkehr an die Oberfläche.
Das Aquarium von La Rochelle ist wirklich einen Abstecher wert. Es liegt in der Nähe des Vieux-Port, ist leicht zu erreichen und lässt sich gut in einen Besichtigungstag einbauen.
Die Bereiche sind gut gestaltet und die Artenvielfalt ist beeindruckend.
Man sollte etwa zwei Stunden einplanen, um alles in Ruhe genießen zu können.