
¡Veracruz, el carnaval más alegre del mundo!
So lautet der stolze Ruf der Bewohner des größten Hafens Mexikos an der Atlantikküste. Die Jarochos (wie die Menschen im Bundesstaat Veracruz genannt werden) sind im ganzen Land für ihre Lebensfreude und ihren schlagfertigen Humor bekannt. Und tatsächlich: Jedes Jahr Anfang Februar strömen mexikanische und internationale Touristen nach Veracruz (wörtlich „wahres Kreuz“), um die farbenfrohen Umzüge durch die Straßen der Stadt zu erleben. An manchen Stellen werden sogar eigens Tribünen für die Zuschauer aufgebaut.


Hier in Veracruz landete einst Hernán Cortés, um Mexiko zu erobern. Der Hafen entwickelte sich zum wichtigsten Eingangstor für den Handel mit der Neuen Welt und wurde immer wieder von Piraten wie Francis Drake oder John Hawkins angegriffen. Einige der Festwagen für den Karnevalsumzug lassen sich übrigens von dieser bewegten Vergangenheit inspirieren und sind als Piratenschiffe der damaligen Zeit gestaltet.
Um sich gegen diese Bedrohungen zu schützen, ließen die Gouverneure der Stadt massive Befestigungsanlagen errichten. Ein Beispiel dafür ist das Fort San Juan de Ulúa, das auf einer Insel direkt vor dem Hafeneingang erbaut wurde. Es war eines der neun Bollwerke, die die Stadt verteidigten. Kurioserweise ließen die lokalen Behörden die französischen Truppen passieren, als Napoleon III. versuchte, Kolonien auf mexikanischem Boden zu etablieren.


Heute ist Veracruz eine entspannte Stadt, deren Straßen vom Klang der Marimbas erfüllt sind, jenen hölzernen Xylophonen, die von Harfen und kleinen Gitarren, den sogenannten Jaranas, begleitet werden. Hier tanzt man den Danzón, bei dem man sich in langsamen Schritten in einer quadratischen Formation bewegt. Die Region ist zudem berühmt für den Son Jarocho, eine lebendige Mischung aus Stepptanz, Gitarrenmusik und improvisiertem Gesang. Der Son Jarocho wird jedes Jahr beim Festival von Tlacotalpan südlich von Veracruz besonders gefeiert.
Diese vielseitige Kultur ist durch zahlreiche Migrationsbewegungen geprägt, von der Zeit der Sklaverei bis hin zur jüngeren Einwanderung aus dem Nahen Osten.


Der Karneval beginnt mit der la quema del mal humor: Dabei wird eine Puppe verbrannt, die die schlechte Laune symbolisiert. In den folgenden Tagen wählen die Stadtverantwortlichen das Karnevalsprinzenpaar, das sich vor allem durch seine Tanzkünste auszeichnet. Jeden Tag ab 18 Uhr ziehen die unermüdlichen Tänzer und Festwagen über den Malecón, die Uferpromenade. Der Karneval endet mit el entierro de Juan Carnaval, der „Beerdigung von Juan Carnaval“: Eine Puppe, die den Karneval verkörpert, wird zu Grabe getragen. In der katholischen Tradition markiert dies den Beginn der Fastenzeit vor der Karwoche.

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