Das Valle Maira besuchen
Ein Tal in den Alpen des Piemont, westlich von Cuneo, das der Maira rund fünfzig Kilometer weit folgt, bis fast an die französische Grenze. Unten bewahrt Dronero seine mittelalterliche Brücke und seine Laubengänge. Weiter oben klammern sich Weiler aus Stein und Holz an die Hänge, zwischen Lärchen und Sommerweiden, unter Gipfeln von über dreitausend Metern.
Hier wird noch Okzitanisch gesprochen. Kein Skigebiet, kein großes Hotel: Das Tal hat sich im 20. Jahrhundert geleert und dann das langsame Wandern dem Beton vorgezogen. Du kommst für seine Wege, seine Dorfgasthäuser und eine Stille, die man in den Alpen kaum noch findet.
Das gefällt dir, wenn
- Du mehrere Tage wanderst und gern von Gasthaus zu Gasthaus übernachtest
- Du ruhige Alpen ohne Skigebiet und Gedränge suchst
- Du Steindörfer und Bergküche liebst
Lieber woanders hin, wenn
- Du ohne Auto reist und nicht wandern willst
- Du ein Skigebiet oder Nachtleben suchst
- Du Hotels mit Pool und vollem Service erwartest
Die Höhepunkte
-
1 Dronero und die Teufelsbrücke
Das Tor zum Tal. Die Teufelsbrücke überspannt die Maira seit 1428, gekrönt von Schwalbenschwanzzinnen, und die Altstadt reiht ihre Laubengänge um die Kirche. Probier die Droneresi, die Rumpralinen der Stadt, bevor du hinauffährst.
-
Über Villar San Costanzo blickt eine romanische Kirche auf die Ebene, eines der großen romanischen Bauwerke des Piemont. Gleich darunter recken die Ciciu del Villar Erdsäulen mit großen Steinblöcken obendrauf in die Höhe, wie riesige Pilze.
-
3 Die Fresken von Elva Kunst
Am Ende einer kurvigen Straße verbirgt die Kirche von Elva einen Freskenzyklus, um 1500 vom Flamen Hans Clemer gemalt: das Leben Mariens, in Farben, die leuchtend geblieben sind. Das Dorf hat heute weniger als hundert Einwohner, und die Stille ist vollkommen.
-
4 Die Percorsi Occitani Wandern
Eine große Runde ums Tal zu Fuß, rund 180 Kilometer in etwa fünfzehn Etappen, von Villar San Costanzo zu den Almen von Elva und Acceglio. Jeden Abend eine Herberge oder ein Gasthaus im Weiler. Du kannst auch nur zwei oder drei Etappen gehen.
-
5 Chiappera und die Rocca Provenzale Berge
Ganz hinten im Tal liegt der Weiler Chiappera am Fuß der Rocca Provenzale, einer Nadel aus hellem Kalk. Die Quellen der Maira entspringen gleich nebenan, und Wege steigen zu Bergseen und zu den Pässen hinauf, die nach Frankreich blicken.
Die klassische Falle
Ohne Reservierung ankommen und hoffen, unterwegs ein Zimmer zu finden. Das Tal hat vor allem kleine Gasthäuser mit wenigen Zimmern, im Sommer oft voll und im Winter teilweise geschlossen. Buch jede Nacht im Voraus und frag nach Halbpension: Abends gibt es oft nirgends sonst etwas zu essen.
Unsere Routen im Valle Maira
| Dauer | Route | Was du siehst |
|---|---|---|
| 3 Tage | Dronero › Elva › Chiappera | Die Teufelsbrücke, die Fresken von Elva und das Talende |
| 5 Tage | Villar San Costanzo › Stroppo › Elva › Marmora › Acceglio | Die Ciciu, die Steinweiler, die Almen und die ersten Wanderungen |
| 1 Woche | Ein Teil der Percorsi Occitani, zu Fuß, von Gasthaus zu Gasthaus | Das Tal im Wandertempo, von einem Hang zum anderen |
Beginn mit Dronero und den Ciciu del Villar, dann fahr hinauf und übernachte im mittleren Tal, rund um Stroppo. Am nächsten Tag geht es nach Elva, zu den Fresken und Almen. Du hast eine Woche? Lass das Auto stehen und geh ein paar Etappen der Percorsi Occitani, bis nach Chiappera und zur Rocca Provenzale.
Beste Reisezeit im Valle Maira
| Reiz | Jahreszeit | Temperaturen | Der Höhepunkt | Andrang und Preise |
|---|---|---|---|---|
| WinterDez. bis März | -8 bis 5 °C | Skitouren und Schneeschuhe im unberührten Schnee | Niedrig | |
| FrühlingApril bis Juni | 2 bis 18 °C | Blühende Wiesen, oben noch Schnee | Niedrig | |
| SommerJuli und Aug. | 10 bis 25 °C | Offene Almen und lange Wanderungen | Mittel | |
| HerbstSept. und Okt. | 3 bis 18 °C | Goldene Lärchen und leere Wege | Niedrig |
Unser Tipp
Komm von Ende Juni bis Mitte September zum Wandern: Die Pässe sind schneefrei und alle Gasthäuser offen. Anfang Oktober färben sich die Lärchen golden und die Wege leeren sich. Im Winter zieht das Tal Skitourengeher an, doch viele Unterkünfte schließen: prüf das vor der Abreise.
Anreise
-
Mit dem Auto über die Schweiz Am flexibelsten
Ab Zürich rechnest du mit rund fünf Stunden bis Dronero, über Turin und Cuneo. Das Auto bleibt der einfachste Weg ins Tal hinauf, und dein deutscher Führerschein genügt.
-
Mit dem Zug bis Cuneo Zunächst ohne Auto
Züge fahren von Turin nach Cuneo, dann bringt dich ein Bus nach Dronero und, seltener, bis ans Talende. Prüf die Fahrpläne vorher: Es gibt nur wenige Verbindungen, vor allem außerhalb der Saison.
-
Mit dem Flugzeug nach Turin Am üblichsten
Der Turiner Flughafen liegt rund anderthalb Fahrstunden von Dronero entfernt und hat Direktflüge aus mehreren deutschen Städten. Miete dort ein Auto oder vereinbare einen Transfer mit deinem Gasthaus.
Vor Ort führt eine einzige Straße das Tal hinauf, schmal, aber gut gepflegt, und kurvige Straßen erschließen Weiler wie Elva oder Marmora. Wenn du die Percorsi Occitani gehst, transportieren manche Gasthäuser das Gepäck von Etappe zu Etappe: frag beim Buchen danach.
Unterwegs im Valle Maira
Das Auto ist fast unverzichtbar, wenn du nicht wanderst: Busse sind hinter Dronero selten. Die Straßen der Seitentäler sind schmal und kurvig, mit wenigen Ausweichstellen. Zu Fuß verbinden markierte Wege alle Weiler, und so siehst du das Tal am besten.
Gut zu wissen
Der Handyempfang ist in den hohen Seitentälern schwach, und Geldautomaten sind hinter Dronero selten. Heb unten Bargeld ab und lade deine Karten vor dem Aufstieg herunter. Dein deutscher Führerschein genügt, um in Italien zu fahren.
Was isst man im Valle Maira?
- Acciughe al verde: Sardellen in grüner Soße, eine Erinnerung an die Sardellenhändler, die einst aus dem Tal zogen.
- Gnocchi al Castelmagno: Gnocchi mit dem Blauschimmelkäse aus dem Nachbartal.
- Toma d'alpeggio: der Käse der Sommerherden, direkt in den Bergkäsereien gekauft.
- Polenta: mit Ragout, Wurst oder geschmolzenem Käse, nach einem Wandertag.
- Droneresi: Pralinen mit Rumcreme, die Spezialität der Konditoreien von Dronero.
- Genepì: der Likör aus Bergkräutern, in den Gasthäusern nach dem Essen serviert.
Um wie die Einheimischen zu essen, nimm im Gasthaus Halbpension: Das Abendessen, oft ein einziges Menü, wird aus Produkten des Tals gekocht. Mittags auf Wanderung nimm ein Picknick mit: Die Weiler haben nicht immer eine Bar, und die Gasthäuser servieren nicht unbedingt Mittagessen.
Wo übernachten im Valle Maira?
| Gegend | Wofür | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Dronero | Altstadt, Teufelsbrücke, Ciciu del Villar | Am praktischsten |
| Stroppo und das mittlere Tal | Steinweiler, romanische Kirchen | Am zentralsten |
| Elva | Fresken, Almen, Stille | Am abgelegensten |
| Marmora und Canosio | Hohe Seitentäler, Wandern | Am alpinsten |
| Acceglio und Chiappera | Talende, Rocca Provenzale, Seen | Am wildesten |
Was kostet eine Reise im Valle Maira?
| Reise | Dauer | Budget pro Person |
|---|---|---|
| Sparsam (Etappenherbergen, Schlafsäle, Picknick) | 5 Tage | 300 bis 450 € |
| Komfort (Dorfgasthaus mit Halbpension) | 5 Tage | 500 bis 800 € |
| Gehoben (Albergo diffuso, Wellness, Gepäcktransport) | 5 Tage | 900 bis 1.400 € |
- Die Halbpension: oft die günstigste Lösung und manchmal die einzige.
- Die Etappenherbergen: An den Percorsi Occitani bieten sie Schlafplatz und Abendessen zu bescheidenen Preisen.
- Der Gepäcktransport: praktisch beim Wandern, kommt aber zum Preis jeder Etappe hinzu.
- Das Benzin: Tank in Dronero voll, weiter oben findest du kaum eine Tankstelle.
- Bargeld: Nimm welches mit, manche Weiler haben weder Geldautomat noch Kartenleser.
Traditionen und Lebensart im Valle Maira
Das Mairatal ist eines der okzitanischen Täler des Piemont: Hier spricht man noch die Langue d'oc, eine Verwandte des Provenzalischen, und das Espaci Occitan in Dronero erzählt ihre Geschichte. Jahrhundertelang zogen die Bewohner im Winter in die Ebene, um Sardellen zu verkaufen, oder handelten in Elva mit Haaren für Perückenmacher.
Im 20. Jahrhundert leerte sich das Tal, ganze Weiler wurden verlassen. Der Neubeginn kam zu Fuß: Die Percorsi Occitani, vor rund dreißig Jahren markiert, brachten Wanderer zurück, oft aus Deutschland und der Schweiz, und öffneten Gasthäuser in alten Steinhäusern wieder. Du schläfst in einer restaurierten Scheune? Vielleicht haben diese Wege sie gerettet.