Besuch in Praia a Mare
Eingezwängt zwischen einer massiven Felswand und dem Ufer des Golfs von Policastro liegt Praia a Mare, ein kleines Juwel in Kalabrien. Während früher Fischerei und Landwirtschaft den Takt vorgaben, hat sich der Ort heute zu einem Rückzugsort für Reisende entwickelt, die Authentizität suchen. In dieser Kulisse, umspült vom kristallklaren Wasser des Tyrrhenischen Meeres und gesäumt von sechs Kilometern Strand, lässt sich das italienische Lebensgefühl ebenso genießen wie ein aktives Sportprogramm.
Eine Insel mit faszinierenden Grotten
Wer den Küstenabschnitt betrachtet, bemerkt schnell die streng geordneten, farbenfrohen Reihen aus Sonnenschirmen und Liegen. Das ist typisch für die hiesigen Strandbäder, bei denen der Zutritt meist eine Gebühr kostet. Dabei hat jedes Lido seine eigenen Vorzüge mit Bars, Restaurants und Wassersportangeboten, wobei natürlich auch kostenlose öffentliche Strandabschnitte existieren. Der Untergrund aus Sand und feinem Kies sowie das transparente Wasser mit seinen türkisfarbenen Reflexen machen das Baden hier zum Genuss. Da der Boden flach abfällt, ist der Ort ideal für Familien und ein Paradies für Snorkeling-Fans. Direkt vor der Küste wacht die Isola di Dino. Mit ihren Korallengärten und drei Meereshöhlen zieht sie Taucher in ihren Bann. Besonders beeindruckend ist ihre blaue Grotte mit einer unglaublich intensiven Färbung, während die Grotte des Löwen durch einen Fels geformt wird, der an eine Raubkatze erinnert. Mit ihrer festungsähnlichen Form und der dichten Vegetation ist die Insel ein lohnendes Ausflugsziel, denn zwischen den Buchten und Klippen ist das Gelände einfach spektakulär. Neben Booten sind auch Kanus und Kajaks beliebt, um die Insel zu erreichen. Die Umgebung ist zudem ein Hotspot für Gleitschirmflieger, und Mutige testen beim Klippenspringen ihre Grenzen aus, etwa am 22 m hohen Rocher d'Arcomagno.
Eine reiche Geschichte im Stein verewigt
Die Nähe zum Parc National du Pollino begeistert nicht nur Wanderer, sondern auch Geschichtsinteressierte, die etwa die paläolithische Fundstätte der Grotten von Romito erkunden können. Etwas jünger ist das castello Fortino, ein Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert, das jedoch in Privatbesitz ist. Dasselbe gilt für das beeindruckende château normand Rocca di Praia, ein ehemaliger Wohnsitz aus dem 14. Jahrhundert. Ein weiteres Symbol der Verteidigungsgeschichte ist die Torre di Fuzzi mit ihren 15 m, die hoch über dem Meer thront und ebenfalls nicht zugänglich ist. Ein ganz besonderer Ort ist hingegen das Heiligtum der Madonna della Grotta. Der Aufstieg am Monte Vinciolo führt zu drei Grotten, von denen eine als Kapelle dient und eine Marienstatue beherbergt, die laut Überlieferung vor über 150 Jahren von einem Fischer dort hinterlassen wurde. In einer anderen Höhle befindet sich ein Altar, der vor allem im August für Messen genutzt wird. Im Stadtzentrum finden sich modernere Bauten wie die chiesa di Sao Paolo Apostolo. Zeitgenössisch präsentiert sich auch das Museo Comunale mit seiner Sammlung aus sakraler Kunst, zeitgenössischen Werken, Muscheln und historischen Postkarten. Die archäologische Abteilung mit Überresten aus dem 3. Jahrhundert ist besonders sehenswert.
Die Stadt selbst ist stark vom Tourismus geprägt und bietet auf ihren Boulevards viel Leben. In den zahlreichen Geschäften und Restaurants lassen sich lokale Spezialitäten wie Bruschette, die scharfe Salami Soppressata, frischer Fisch, Antipasti und sogar Produkte aus der Zedrat-Zitrone probieren.
Die beste Reisezeit
Von April bis November ist das Klima in Kalabrien ideal. Wer die großen Touristenströme meiden möchte, sollte die Nebensaison wählen, auch wenn das Fest der Madonna Mitte August ein spektakuläres Ereignis ist.
Anreise
Für Reisende aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist ein Flug nach Neapel die einfachste Option. Von dort führt die Bahn in etwa 3 Stunden zum Bahnhof Praja Ajeta Tortora, von wo aus ein Bus die Weiterreise nach Praia a Mare übernimmt. Ein Mietwagen ist eine flexible Alternative, da der Großteil der Strecke über gut ausgebaute Autobahnen führt.