Colombo, wo das Knattern der Tuk-Tuks auf Zimtgärten trifft
Das metallische Klappern schallt von der anderen Straßenseite herüber. Zwei Stahlklingen schlagen im Rhythmus auf eine heiße Platte und hacken Fladenbrot, Gemüse und Gewürze klein. Das ist der Sound von kottu roti, einem Nationalgericht, das in den Arbeitervierteln der Stadt entstanden ist und jeden Abend wie ein kollektiver Ruf zum Essen durch die Straßen hallt.
Als wirtschaftliches Zentrum von Sri Lanka, das dank seines natürlichen Hafens seit zwei Jahrtausenden eine zentrale Rolle spielt, hat die Stadt arabische Händler sowie portugiesische, holländische und britische Kolonialherren kommen und gehen sehen. Jeder von ihnen hat seine Spuren in dieser Metropole mit 5,6 Millionen Einwohnern hinterlassen, in der fast ein Viertel der sri-lankischen Bevölkerung lebt.
Eine oft unterschätzte Stadt, die den Stopp lohnt
Die meisten Reisenden eilen direkt durch die Hauptstadt, um schnell zu den Teeplantagen oder den Stränden im Süden zu gelangen. Das ist ein Fehler. Hinter dem Verkehrschaos und dem ersten Eindruck verbirgt sich eine überraschend saubere, sichere Stadt voller Kontraste. Wer sich für Architektur, Gastronomie und städtisches Leben interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer nur auf der Suche nach alten Tempeln oder wilden Elefanten ist, sollte hingegen direkt ins Landesinnere weiterziehen.
Die Stadt erstreckt sich über Kilometer entlang des Indischen Ozeans. Die Orientierung wirkt anfangs kompliziert, doch die Stadtteile sind nummeriert: Fort entspricht Colombo 1, Slave Island Colombo 2, Kollupitiya Colombo 3. Die Apps PickMe und Uber funktionieren hervorragend und machen Fahrten mit dem Tuk-Tuk deutlich unkomplizierter. Englisch wird fast überall verstanden.
Ein für Asien sehr erschwingliches Budget
Rechne für den Rucksack-Modus mit etwa 12.000 bis 17.500 LKR (ca. 35 bis 50 Euro) pro Tag, inklusive Übernachtung in einem Gästehaus, lokalen Mahlzeiten und öffentlichem Nahverkehr. Ein Abendessen mit rice and curry und Beilagen kostet in einer lokalen Kantine etwa 700 LKR (ca. 2 Euro). Für einen komfortableren Aufenthalt mit 4- bis 5-Sterne-Hotels, gehobenen Restaurants und privatem Fahrer solltest du 53.000 bis 88.000 LKR (ca. 150 bis 250 Euro) pro Tag einplanen.
Fort und das koloniale Erbe
Der Name des Viertels Fort ist etwas irreführend, denn von den einstigen Befestigungen ist kaum noch etwas übrig. Was jedoch geblieben ist, ist die koloniale Atmosphäre in der Chatham Street und der York Street. Die Gebäude mit ihren rot-weißen Ziegelarkaden erinnern daran, dass dies einst das Herzstück der britischen Verwaltung war. Der Clock Tower, ein ehemaliger Leuchtturm, markiert heute die zentrale Kreuzung.
Das Old Dutch Hospital, das im 17. Jahrhundert von den Holländern erbaut wurde, ist heute wunderschön restauriert. Es beherbergt Restaurants, Cafés und kleine Läden in einem luftigen Ambiente mit schattigen Innenhöfen. Es ist der ideale Ort, um den Tag mit einem Ceylon-Tee und lokalem Gebäck zu beginnen.
Geheimtipp: Die Läden Cargill's und Miller's in der York Street befinden sich in einem Backsteingebäude, das seit der Kolonialzeit kaum verändert wurde. Die Architektur ist absolut sehenswert, auch wenn das Warenangebot eher schlicht ist.
Pettah, das pulsierende Herz der Stadt
Der Markt von Pettah ist nicht jedermanns Sache. Es ist staubig, laut und voller Tuk-Tuks und Menschenmassen. Doch wer den echten Alltag der Stadt erleben will, ist hier genau richtig. Erwarte keine authentischen Souvenirs, da die meisten Produkte aus China stammen. Komm stattdessen, um das Treiben zu beobachten, eine eiskalte faluda zu trinken oder frittierte Snacks auf die Hand zu essen.
Die rote Moschee Jami Ul-Alfar taucht plötzlich zwischen den engen Gassen auf. Sie wurde 1908 erbaut und ist mit ihren rot-weißen Streifen eines der fotogensten Gebäude der Stadt. Besucher aller Glaubensrichtungen sind außerhalb der Gebetszeiten willkommen. Die holländische Kirche Wolvendaal aus dem Jahr 1749 versteckt sich nur wenige Straßen entfernt. Ihr Innenraum wurde seit fast 250 Jahren kaum verändert.
Galle Face Green und die Uferpromenade
Dieser 500 Meter lange Grünstreifen zieht sich direkt am Indischen Ozean entlang, gegenüber den großen Hotels. Jeden Abend treffen sich hier sri-lankische Familien, um Drachen steigen zu lassen, zu picknicken und den Sonnenuntergang zu beobachten. Straßenverkäufer bieten isso vade an, knusprige und scharfe Linsenkrapfen mit Garnelen, die man am besten direkt auf dem Rasen genießt.
Das Galle Face Hotel, eröffnet 1864, ist eines der ältesten noch in Betrieb befindlichen Hotels in Asien. Auch wenn du nicht dort wohnst, lohnt sich ein Drink auf der Terrasse, um die Aussicht und den verblichenen Charme dieses kolonialen Relikts aufzunehmen.
Das Erbe von Geoffrey Bawa
Man kann nicht über Architektur in Colombo sprechen, ohne Geoffrey Bawa zu erwähnen, den Vater des tropischen Modernismus. Sein privater Wohnsitz, Number 11, versteckt sich am Ende einer Sackgasse in der Bagatalle Road. Bawa verbrachte vierzig Jahre damit, vier aneinandergrenzende Häuser in ein Labyrinth aus Innenhöfen, Terrassen und Lichtspielen zu verwandeln. Besichtigungen sind nur nach Vereinbarung möglich und das Fotografieren ist in den meisten Räumen untersagt.
Geheimtipp: Nur wenige Schritte von Number 11 entfernt befindet sich das Gallery Cafe im ehemaligen Büro von Bawa. Das Ambiente ist großartig und die Küche sehr fein. Perfekt für eine Pause nach der Besichtigung, auch wenn die Preise über dem Durchschnitt liegen.
Tempel, Parks und Museen
Der Gangaramaya Temple ist der meistbesuchte buddhistische Tempel der Stadt. Seine eklektische Architektur mischt sri-lankische, thailändische, indische und chinesische Einflüsse. Das angeschlossene Museum ist ein faszinierendes Kuriositätenkabinett mit alten Autos, einem Elefantenskelett und tausenden Statuetten. Im Februar, zur Zeit des Vollmonds, findet hier eine nächtliche Prozession mit geschmückten Elefanten statt.
Ganz in der Nähe schwebt der Seema Malakaya auf dem Beira-See. Dieses Meditationszentrum, entworfen von Geoffrey Bawa, bietet eine Oase der Ruhe inmitten des urbanen Trubels. Der Viharamahadevi Park, der größte Park der Stadt, beherbergt eine 4,5 Meter hohe Bronzestatue von Buddha. Sonntags kommen die Einheimischen hierher, um die Spielplätze und schattigen Wege zu nutzen.
Das Nationalmuseum, 1877 in einem imposanten Kolonialbau gegründet, zeigt die Geschichte Sri Lankas von der Steinzeit bis in die Kolonialära. Die Krone und der Thron der Könige von Kandy sowie eine beeindruckende Sammlung von Dämonenmasken rechtfertigen einen zweistündigen Rundgang.
Wo kann man in Colombo essen und trinken?
Die kulinarische Szene der Stadt bewegt sich zwischen einfachen Kantinen und gehobenen Restaurants. Für ein traditionelles rice and curry mit einem halben Dutzend Beilagen ist Upali's eine sichere Adresse, die bei Einheimischen und Reisenden gleichermaßen beliebt ist. Reserviere für das Mittagessen, da die Plätze schnell belegt sind.
Fans von Krustentieren sollten das Ministry of Crab im Old Dutch Hospital ausprobieren. Das Garlic Chilli Crab und das Crab Curry nach Jaffna-Art landen regelmäßig auf den Listen der besten Restaurants in Asien. Die Preise sind hoch, aber das Erlebnis ist es wert. Das Nuga Gama im Cinnamon Grand Hotel serviert ein Buffet mit lokaler Küche unter einem jahrhundertealten Banyan-Baum in einem traditionellen Dorf-Ambiente.
Für hoppers, diese schalenförmigen Pfannkuchen mit weichem Kern und knusprigem Rand, ist das Restaurant Palmyrah im Renuka Hotel eine feste Größe. Die milk hoppers mit Kokosmilch sind in der Stadt sonst schwer zu finden.
Wo kann man in Colombo und Umgebung übernachten?
Die Viertel Kollupitiya und Bambalapitiya bieten die größte Auswahl an erschwinglichen Unterkünften. Hier findest du Gästehäuser zu moderaten Preisen mit guter Anbindung an die Sehenswürdigkeiten. Cinnamon Gardens ist wohnlicher und grüner; dort befinden sich vor allem gehobene Hotels und Botschaften.
Falls dein Flug spät ankommt oder früh abfliegt, bietet Negombo, nur 10 Minuten vom Flughafen entfernt, eine ruhigere Alternative zum Stadtzentrum. Der Strand von Mount Lavinia, 25 Minuten südlich gelegen, ermöglicht es, das Flair am Meer mit der Nähe zur Hauptstadt zu verbinden.
Wie kommt man nach und in Colombo voran?
Der Bandaranaike International Airport liegt 32 km nördlich der Stadt. Plane für die Fahrt mit dem Taxi etwa eine Stunde ein, je nach Verkehrslage. Die offiziellen Schalter bieten Festpreise an, die jedoch recht hoch sind. Über die Apps PickMe und Uber kannst du ein Fahrzeug zum Festpreis buchen, was oft deutlich günstiger ist.
Von Europa aus dauert der Flug je nach Zwischenstopp 11 bis 15 Stunden. Die Fluggesellschaften aus der Golfregion bieten meist die besten Tarife mit Umstieg in Dubai, Doha oder Abu Dhabi an. Rechne mit 600 bis 1.000 Euro in der Nebensaison.
Der Bahnhof Colombo Fort ist der Ausgangspunkt für Züge nach Galle, Kandy und Ella. Die Küstenlinie Richtung Süden führt direkt am Ozean entlang und bietet spektakuläre Aussichten aus den offenen Fenstern. Innerhalb der Stadt sind Tuk-Tuks über Apps die beste Wahl, um endlose Verhandlungen über den Preis zu vermeiden.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Reisezeit liegt zwischen Dezember und März, während der Trockenzeit. Das Klima bleibt zwar das ganze Jahr über heiß und feucht, aber in dieser Zeit sind Regenschauer selten und kurz. Der Südwestmonsun bringt von Mai bis September teilweise heftige Regenfälle mit sich, die Ausflüge erschweren können.