San Diego: Kalifornien ohne den Stau
Die Surfer am Pacific Beach sind bereits im Wasser. Am Strand zieht ein Jogger an einer Frau vorbei, die drei Labradore ausführt. Die Sonne steigt langsam über die Hügel von La Jolla, und die Luft riecht nach Salz und frisch geröstetem Kaffee.
Das ist es, was Los Angeles sein könnte, wenn die Stadt einmal durchatmen würde. San Diego ist zwar die achtgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, hat sich aber den Geist eines entspannten Badeortes bewahrt. Die Gelassenheit hier ist kein Mythos: 266 Sonnentage im Jahr und 112 Kilometer Küste haben eine Mentalität geprägt, in der nichts wirklich eilig ist.
Ein Ziel für alle, die einen Gang runterschalten wollen
Diese Stadt ist für Reisende gemacht, die von Kalifornien träumen, aber den Wahnsinn von Los Angeles scheuen. Familien finden hier mit Themenparks, dem weltbekannten Zoo und Stränden mit sanfter Brandung ein Paradies. Paare schätzen die romantischen Viertel von La Jolla und Coronado. Fans von Craft Beer kommen voll auf ihre Kosten: Über 100 Brauereien machen San Diego zur inoffiziellen Hauptstadt des amerikanischen Bieres.
Für hartgesottene Partygänger ist die Stadt hingegen weniger geeignet. Das Nachtleben existiert zwar, bleibt aber im Vergleich zu Miami oder Las Vegas eher überschaubar. Besucher ohne eigenes Auto müssen sich umstellen: Die Straßenbahn und Busse decken zwar das Stadtzentrum ab, für die Strände im Norden ist jedoch ein Fahrzeug notwendig. Die Nähe zur mexikanischen Grenze ist überall spürbar, von den Tacos bis zum Street Art im Barrio Logan. Dieser kulturelle Einfluss ist einer der großen Pluspunkte der Stadt.
Ein klassisches US-Budget
Plane für eine günstige Reise mit Hostel, Street Food und öffentlichen Verkehrsmitteln etwa 100 bis 150 USD (ca. 95 bis 140 Euro) pro Tag ein. Ein Budget von 150 bis 250 USD (ca. 140 bis 235 Euro) ermöglicht ein ordentliches Hotel, Mahlzeiten in Restaurants der Mittelklasse und einige Aktivitäten. Allein der Zoo kostet 50 USD (ca. 47 Euro) pro Erwachsenem.
Downtown und das Gaslamp Quarter: Das historische Herz
Das Gaslamp Quarter umfasst 16 Häuserblocks mit viktorianischen Gebäuden, die heute in Restaurants, Bars und Boutiquen umgewandelt wurden. Nach Jahrzehnten des Verfalls hat das Viertel seit den 1970er Jahren eine echte Renaissance erlebt und ist heute das Zentrum des Nachtlebens von San Diego. Die historischen Gaslaternen stehen noch immer dort, auch wenn sie mittlerweile elektrisch betrieben werden.
Nur wenige Gehminuten entfernt erstreckt sich das Embarcadero entlang der Bucht. Es führt zum USS Midway, einem Flugzeugträger aus dem Zweiten Weltkrieg, der heute als Museum dient. Der Audioguide wird von ehemaligen Seeleuten gesprochen. Von dort aus legen die Fähren in 15 Minuten in Richtung Coronado ab.
Tipp vom Experten: Die kostenlose Straßenbahn im Balboa Park verkehrt täglich von 9:00 bis 20:00 Uhr und verbindet die verschiedenen Bereiche des Parks. Das ist praktisch, um in dem fast 500 Hektar großen Park die Füße zu schonen.
Little Italy: Wo die Einheimischen essen
Dieses Viertel hat nach dem Bau der Autobahn in den 1970er Jahren seine italienischen Fischerfamilien verloren. Im Gegenzug hat es die dynamischste kulinarische Szene von San Diego gewonnen. Der Kettner Boulevard wird oft als "Top Chef Alley" bezeichnet, da mehrere Kandidaten der gleichnamigen TV-Show dort ihre Restaurants eröffnet haben. Am Samstagvormittag zieht der Bauernmarkt in Little Italy von 8:00 bis 14:00 Uhr zahlreiche Besucher auf die India Street.
Die Piazza della Famiglia bildet mit ihrem Brunnen und dem Kopfsteinpflaster im europäischen Stil das Zentrum des Viertels. Hier reihen sich die Restaurants aneinander: traditionelle italienische Küche im Filippi's Pizza Grotto, japanische Fusion im Cloak & Petal oder gehobene Steaks im Born & Raised. Das Viertel umfasst über 70 Lokale auf engstem Raum.
La Jolla und die nördlichen Strände
Man spricht es "la Hoya" aus. Dieser schicke Küstenort erinnert eher an die Côte d'Azur als an den Rest Kaliforniens. Luxusboutiquen säumen die Girard Avenue und Galerien florieren. Die Hauptattraktion ist jedoch die Natur: La Jolla Cove bietet kristallklares Wasser, das ideal zum Schnorcheln ist, und an den Felsen des Children's Pool sonnen sich Dutzende Robben.
20 Minuten nördlich beherbergt das Naturschutzgebiet Torrey Pines die einzigen Torrey-Kiefern der Welt. Die Wanderwege verlaufen oberhalb des Ozeans und bieten spektakuläre Ausblicke. Zwischen Dezember und April ist dies zudem einer der besten Orte, um wandernde Grauwale zu beobachten. Da sich der Parkplatz am Wochenende schnell füllt, empfiehlt sich ein Besuch unter der Woche.
Tipp vom Experten: Die Sunny Jim's Sea Cave in La Jolla kann besichtigt werden, indem man 145 Stufen von einem Souvenirladen aus hinabsteigt. Der Tunnel soll während der Prohibition von Schmugglern genutzt worden sein. Der Eintritt kostet nur wenige Dollar und bietet eine einzigartige Perspektive auf die Küste.
Balboa Park: Ein Park, 17 Museen
Dieser park urbain erstreckt sich über 490 Hektar und ist damit größer als der Central Park in New York. Er wurde 1868 angelegt und beherbergt 17 Museen zu unterschiedlichsten Themen wie Naturgeschichte, Luftfahrt, Kunst und Automobile. Die Architektur im spanischen Renaissancestil stammt von der Panama-California-Ausstellung aus dem Jahr 1915. Das Botanical Building mit seinem Seerosenteich ist das meistfotografierte Motiv im Park.
Der San Diego Zoo nimmt 40 Hektar im Herzen des Balboa Park ein. Mit etwa 4000 Tieren aus 800 Arten gehört er zu den zoos les plus importants au monde. Plane für den Besuch einen ganzen Tag ein. Der Balboa Park Explorer Pass bietet Zugang zu mehreren Museen: 48 USD (ca. 45 Euro) für 5 Museen an einem Tag oder 59 USD (ca. 55 Euro) für 16 Museen über eine Woche verteilt.
Wo essen und trinken in San Diego?
Die lokale Küche ist stark vom mexikanischen Einfluss geprägt. Fish Tacos sind eine lokale Spezialität: gegrillter oder frittierter Fisch, Kohl, Salsa und Creme in einer Maistortilla. Oscar's Mexican Seafood in Pacific Beach gilt als eine der besten Adressen dafür. Im Barrio Logan finden sich traditionellere mexikanische Restaurants, abseits der touristischen Pfade.
San Diego beansprucht den Titel der Craft-Beer-Hauptstadt für sich. Brauereien wie Ballast Point, Stone Brewing und AleSmith haben einen nationalen Ruf. Das Viertel North Park rund um die 30th Street versammelt gleich mehrere Brauereien in fußläufiger Entfernung. Die Coin-Op Game Room kombiniert Retro-Arcade-Spiele mit lokalem Craft Beer.
Wo übernachten in San Diego und Umgebung?
Das Gaslamp Quarter und Little Italy bieten die beste Ausgangslage, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Diese Innenstadtviertel konzentrieren Restaurants, Bars und den Zugang zum Nahverkehr. Die Hotels sind hier teurer, aber Parkplätze sind gut erreichbar. Achtung: Die Bucht, die man von einigen Hotels aus sieht, ist nicht der offene Ozean; die nächsten richtigen Strände liegen in Coronado oder Ocean Beach.
Coronado lockt Reisende mit seinem klassischen Badeort-Charme und dem legendären Hotel del Coronado, in dem der Film "Manche mögen's heiß" mit Marilyn Monroe gedreht wurde. Pacific Beach zieht ein jüngeres Publikum mit einer lebhaften Atmosphäre an. La Jolla ist eher für höhere Budgets und Paare geeignet, die Ruhe suchen. North Park und Hillcrest bieten preiswertere Optionen etwa 10 Minuten vom Zentrum entfernt.
Anreise und Fortbewegung in San Diego
Der internationale Flughafen von San Diego liegt nur 5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist damit einer der praktischsten der USA. Eine Fahrt mit Uber oder Lyft in das Gaslamp Quarter dauert je nach Verkehrslage 10 bis 20 Minuten. Aus Europa kommend solltest du mit mindestens 14 Stunden Reisezeit rechnen, meist mit einem Zwischenstopp in Los Angeles, Dallas oder Chicago. Los Angeles liegt nur 2 Autostunden nördlich.
Die Straßenbahn von San Diego verfügt über drei Linien: blau, grün und orange. Sie bedienen das Stadtzentrum, das Gaslamp Quarter und die Umgebung des Petco Park. Für die Strände und entlegene Stadtteile ist ein Mietwagen vorzuziehen. An öffentlichen Stränden ist das Parken oft kostenlos, wenn du früh am Morgen dort bist. Coronado ist über eine spektakuläre Brücke mit dem Auto oder per Fähre vom Embarcadero aus erreichbar.
Wann ist die beste Reisezeit?
San Diego profitiert das ganze Jahr über von einem milden Klima mit Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad. In den Monaten Mai und Juni tritt jedoch häufig der sogenannte "June Gloom" auf: ein morgendlicher Nebel, der sich an der Küste manchmal bis in den frühen Nachmittag halten kann. Die besten Reisezeiten sind April, Anfang Mai sowie die Zeit von Ende August bis November. Im Oktober bietet das Programm "Kids Free Month" Kindern freien oder ermäßigten Eintritt in über 100 Attraktionen.
Nicht zu weit von der mexikanischen Grenze entfernt bietet San Diego einen Vorgeschmack darauf: die Küche, das Klima, die natürliche Umgebung.
Sie finden dort auch ein Museum über Flugzeuge und die Marine, das für Liebhaber interessant sein dürfte (die Navy unterhält einen bedeutenden Stützpunkt im Stadtgebiet).
Familien werden sicherlich eine gute Zeit bei einem Besuch von Seaworld haben, aber Vorsicht bei den Preisen, die haben es in sich.