Rimouski, wo der Strom zum Meer wird und die Zeit in Quebec stillzustehen scheint
Am 6. Mai 1950 löschte ein verheerender Brand in einer einzigen Nacht 319 Häuser von der Landkarte von Rimouski. Die alteingesessenen Bewohner nennen dieses Ereignis bis heute la Nuit rouge. Die Kathedrale hat überlebt. Die Stadt auch.
Heute erstreckt sie sich vor einem Sankt-Lorenz-Strom, der so gewaltig ist, dass man ihn leicht für den Ozean hält. In dieser Region des Bas-Saint-Laurent vermischt sich die Meeresbrise mit dem Duft der Nadelwälder. Der Name der Stadt stammt aus dem Mi'gmaq und bedeutet für die einen "Land des Elchs", für die anderen "Hundehütte". Eines ist sicher: Wildtiere sind hier nie weit entfernt.
Rimouski: Ein Zwischenstopp für Naturfreunde und Fans maritimer Geschichte
Diese Stadt mit 48.000 Einwohnern ist kein Ort für touristische Effekthascherei. Sie zieht Menschen an, die lieber bei Sonnenaufgang Robben beobachten, als in einer Schlange vor einem Denkmal zu stehen. Wanderer, Kajakfahrer und Liebhaber maritimer Geschichte kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch Familien finden ihr Glück: Das begehbare U-Boot in Pointe-au-Père, die Kieselstrände und die Nationalparks füllen problemlos eine ganze Urlaubswoche.
Wer hingegen ein pulsierendes Nachtleben oder Luxusboutiquen sucht, ist hier falsch. Rimouski ist eine frankophone Provinzstadt, in der sich der Rhythmus nach den Gezeiten richtet. Englisch wird verstanden, aber nicht immer gesprochen. Ein Auto ist fast unerlässlich, um die Umgebung zu erkunden.
Ein vernünftiges Budget für kanadische Verhältnisse
Plane für ein anständiges Hotel im Stadtzentrum etwa 90 bis 150 CAD (ca. 60 bis 100 Euro) pro Nacht ein. Die Preise für Mahlzeiten liegen je nach Lokal zwischen 15 und 40 CAD (ca. 10 bis 27 Euro). Der Eintritt in den Parc national du Bic kostet etwa 10 CAD (ca. 7 Euro) pro Erwachsenem und Tag.
Der Parc national du Bic und die Küsteninseln
Der Parc national du Bic ist das Naturjuwel der Region. Seine Kaps, Buchten und kleinen Inseln, die von den Gezeiten geformt wurden, bieten 69 km Wanderwege und 30 km Radwege. Im Sommer lassen sich bei Ebbe Robben auf den Felsen beobachten. Mit dem Seekajak kommst du ihnen nahe, ohne sie zu stören. Im Winter übernehmen Fatbikes und Schneeschuhe das Kommando.
Nach einer 20-minütigen Überfahrt von der Marina bietet die île Saint-Barnabé einen Ausflug fernab der Zivilisation. Samuel de Champlain gab ihr 1603 ihren Namen, fünf Jahre vor der Gründung von Quebec. Waldpfade, Kieselstrände und Sonnenuntergänge über dem Strom: Die Insel muss man sich erarbeiten, aber sie ist den Aufwand wert. Einfache Campingplätze erlauben es, dort zu übernachten.
Freundschaftlicher Rat: Reserviere deinen Campingplatz im Parc du Bic mehrere Wochen im Voraus, besonders für Juli und August. Die Plätze sind oft erstaunlich schnell ausgebucht.
Das maritime Erbe von Pointe-au-Père
Das Site historique maritime de la Pointe-au-Père erzählt von einer der größten maritimen Tragödien Kanadas. 1914 sank die Empress of Ireland nach einer Kollision im Nebel innerhalb von 14 Minuten und riss 1.012 Passagiere mit in die Tiefe. Das Museum stellt geborgene Objekte aus und dokumentiert dieses oft vergessene Unglück, das meist im Schatten der zwei Jahre zuvor gesunkenen Titanic steht.
Auf demselben Gelände befindet sich das U-Boot Onondaga, das erste kanadische U-Boot, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die 60 Männer, die dort monatelang auf engstem Raum lebten: Die 45-minütige Audioguide-Tour vermittelt einen präzisen Eindruck ihres Alltags. Mutige können sogar eine Nacht an Bord verbringen. Der 33 Meter hohe Leuchtturm, der zweithöchste Kanadas, rundet das Erlebnis ab.
Der Canyon des Portes de l'Enfer und das Hinterland
31 km südlich der Stadt macht der Canyon des Portes de l'Enfer seinem Namen alle Ehre. Der Fluss Rimouski stürzt hier in eine 90 Meter tiefe Schlucht. Die 63 Meter lange Hängebrücke, die höchste ihrer Art in Quebec, sorgt bei Wanderern für ordentlich Nervenkitzel. Rund 20 km Wanderwege schlängeln sich um den Canyon, einige davon führen zum chute du Grand Sault, der besonders im Frühjahr beeindruckend ist.
Näher am Stadtzentrum liegt die Maison Lamontagne aus dem Jahr 1750. Dieses Fachwerkhaus zählt zu den ältesten Gebäuden in Quebec und zeugt vom Leben der ersten französischen Siedler in dieser Region.
Kulturleben und Festivals
Im Sommer erwacht Rimouski zum Leben. Das Festi Jazz, das seit 1986 stattfindet, lockt internationale Musiker in einer herzlichen Atmosphäre an. Die Grandes Fêtes Telus bieten Konzerte für ein breites Publikum. Den Rest des Jahres sorgen das Théâtre du Bic und die Salle Desjardins-Telus für ein Kulturprogramm, das für eine Stadt dieser Größe erstaunlich abwechslungsreich ist.
Das Musée régional de Rimouski, untergebracht in einer ehemaligen Steinkirche, zeigt zeitgenössische Kunst und lokale Geschichte. Spirituosenliebhaber steuern die Distillerie du St-Laurent für eine Besichtigung mit Verkostung preisgekrönter Gins an.
Wo kann man in Rimouski essen und trinken?
Die Küche von Rimouski setzt auf Produkte aus dem Sankt-Lorenz-Strom: Krabben, Seeigel und essbare Algen. Das Restaurant Chez St-Pierre, wenige Kilometer vom Zentrum entfernt, bietet ein kulinarisches Erlebnis rund um diese lokalen Zutaten. Plane 60 bis 100 CAD (ca. 40 bis 67 Euro) für ein komplettes Abendessen ein. Reservierungen sollten mehrere Tage im Voraus erfolgen.
Für eine entspanntere Atmosphäre bietet L'Arlequin in der rue Saint-Germain regionale Küche im "Bring your own wine"-Format. Bei nur 20 Plätzen ist eine Reservierung zwei bis drei Wochen im Voraus zwingend erforderlich. Les Affamés aktualisieren ihr Menü regelmäßig mit lokalen Aromen, während Le Crêpe Chignon Liebhaber bretonischer Buchweizengalettes glücklich macht. Die Eisdiele La Crème Folle in der Nähe der Kathedrale serviert handgemachtes Gelato mit einfallsreichen Sorten.
Wo übernachten in Rimouski und Umgebung?
Die meisten Unterkünfte konzentrieren sich im Stadtzentrum. Das Hôtel Rimouski bietet Zimmer mit Blick auf den Strom und ein Kongresszentrum. Das Hôtel Gouverneur und das Hôtel Le Navigateur bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in der Nähe der Geschäfte. Mehr Charakter hat das Auberge du Mange Grenouille in Le Bic mit seinen Gärten und Whirlpools in ländlicher Umgebung.
Sparfüchse finden entlang des boulevard Saint-Germain solide Motels ab 70 CAD (ca. 47 Euro) pro Nacht. Reisende auf der Suche nach einem besonderen Erlebnis können eine Nacht an Bord des U-Boots Onondaga buchen.
Wie kommt man nach Rimouski und wie bewegt man sich fort?
Von Montréal aus sind es etwa 5 Stunden Fahrt über die Autobahn 20 und die Route 132, das entspricht 540 km. Von Québec aus dauert die Fahrt 3 Stunden für 320 km. Der Regionalflughafen von Mont-Joli in 30 km Entfernung bietet einige Verbindungen nach Montréal. Der Bus von Orléans Express bedient die Stadt mehrmals täglich von den großen Städten Quebecs aus.
Vor Ort ist das Auto das praktischste Transportmittel, um die Parks und die Umgebung zu erkunden. Das Stadtzentrum lässt sich bequem zu Fuß erschließen. Die Route Verte durchquert die Region und ist ideal für Langstreckenradfahrer. Kostenlose Parkplätze gibt es im Überfluss, selbst in der Hochsaison.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Sommer von Juni bis September bietet die besten Bedingungen für Wassersport und Festivals. Das Festi Jazz findet im August statt. Der Herbst färbt die Wälder bunt und lässt die Touristenströme abebben. Der Winter von November bis März richtet sich an Liebhaber von Fatbikes, Schneeschuhen und Langlauf, wobei viele Attraktionen dann geschlossen sind.
Rimouski ist eine sehr sympathische Stadt. Ich war nur für einen Tag auf der Durchreise, da ich zum Schlafen eigentlich Berge und abgelegene Orte bevorzuge, aber ich würde jederzeit gerne wiederkommen. Die Kulisse ist einfach super mit Meer und Bergen, dazu gibt es viele Aktivitäten und Museen. Man langweilt sich dort definitiv nicht, ganz im Gegenteil. Die Stadt ist sehr jung geprägt, mit vielen Universitäten, die auf Naturwissenschaften und Ozeanografie spezialisiert sind. Kurz gesagt, eine tolle Atmosphäre und ein super Lebensumfeld.