Annaba, die Stadt, in der der heilige Augustinus auf das Mittelmeer trifft
Im Jahr 430 nach Christus starb ein 75-jähriger Mann vor Hunger in einer Stadt, die von den Vandalen belagert wurde. Dieser Mann war der heilige Augustinus, einer der einflussreichsten Theologen der christlichen Geschichte, und die Stadt war Hippone, das heutige Annaba.
Sechzehn Jahrhunderte später bewahrt die viertgrößte Stadt Algeriens noch immer ihre Fähigkeit, diejenigen zu überraschen, die sich dorthin wagen. Eingezwängt zwischen dem mit Korkeichen bewaldeten Massif de l'Edough und einer tiefblauen Bucht am Mittelmeer, ist Annaba kein klassisches Urlaubsziel.
Es ist eine Stadt, die man sich erarbeiten muss, mit ihren römischen Ruinen, die vom Rosmarin überwuchert sind, ihrer Uferpromenade, auf der Familien bis spät in die Nacht flanieren, und ihren Häuserzeilen im Haussmann-Stil, die einen kurzzeitig an ein Stadtviertel von Marseille erinnern, das die Zeit vergessen hat.
Eine Reise für dich?
Annaba richtet sich an neugierige Reisende, die bereit sind, abseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln. Es ist weder Marrakech noch Tunis: Die touristische Infrastruktur ist überschaubar, englischsprachige Reiseführer sind selten, und für die Einreise benötigen die meisten Nationalitäten ein Visum. Wer diese Hürden jedoch in Kauf nimmt, wird mit einer authentischen und lohnenden Erfahrung belohnt.
Ideal für:
- Geschichtsinteressierte und Fans religiöser Stätten
- Liebhaber von Mittelmeerstränden abseits des Massentourismus
- Französischsprachige Reisende, die ein zugängliches algerisches Küstenziel suchen
- Wanderer, die Berge direkt am Meer schätzen
- Feinschmecker, die die Küche Ostalgeriens entdecken möchten
Weniger geeignet für:
- Urlauber, die ein ausgeprägtes Nachtleben mit vielen Bars suchen
- Menschen, die weder Französisch noch Arabisch sprechen
- Touristen, die auf komplett organisierte Pauschalreisen angewiesen sind
- LGBTQ+ Paare, die ein offenes Reiseziel erwarten
Günstiges Reisen für europäische Budgets
Algerien ist nach wie vor eines der preiswertesten Ziele im Mittelmeerraum. Der Wechselkurs von etwa 1 Euro = 145 DZD spielt europäischen Reisenden in die Karten. Hier sind die durchschnittlichen Kosten pro Tag und Person:
| Ausgaben | Preisspanne |
|---|---|
| Übernachtung in einfachem 2-3-Sterne-Hotel | 25 bis 50 Euro |
| Übernachtung in einem komfortablen 4-5-Sterne-Haus wie dem Sheraton | 80 bis 150 Euro |
| Snack für zwischendurch (Bourek, Sandwich, Kaffee) | 2 bis 4 Euro |
| Restaurantbesuch mit gegrilltem Fisch | 8 bis 15 Euro |
| Transport und Aktivitäten pro Tag | 5 bis 15 Euro |
| Backpacker-Tagesbudget | 25 bis 40 Euro |
| Komfort-Tagesbudget | 80 bis 120 Euro |
Wichtige Informationen vor der Abreise
Französisch ist in Annaba weit verbreitet, was die Verständigung vor Ort sehr einfach macht. Auf der Straße und auf den Märkten dominiert der arabische Dialekt, aber in Hotels, Restaurants und Geschäften kommst du mit Französisch problemlos durch. Englisch hingegen ist kaum verbreitet.
Für den Alltag solltest du immer Bargeld in algerischen Dinar dabei haben. Internationale Kreditkarten werden nur in großen Hotels und wenigen Geschäften im Stadtzentrum akzeptiert. Das mediterrane Klima mit heißen Sommern und milden Wintern ist am angenehmsten von April bis Juni sowie von September bis Oktober.
Ist Annaba eine sichere Destination?
Annaba gilt für Reisende als sicher. Das größte Risiko sind Taschendiebe in belebten Gegenden wie Märkten oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach Einbruch der Dunkelheit wird es in der Stadt schnell leer und die Straßenbeleuchtung ist stellenweise schwach, weshalb du für nächtliche Wege besser ein Taxi nimmst. Die Apps Yassir und InDrive funktionieren vor Ort hervorragend und sind zuverlässige Alternativen zu normalen Taxis.
Alleine als Frau in Annaba reisen
Algerien ist ein gemäßigt muslimisch geprägtes Land, doch als alleinreisende Frau im öffentlichen Raum, besonders abends, aufzufallen, ist nicht ungewöhnlich. Hartnäckige Blicke oder ungefragte Kommentare können vorkommen, bleiben aber meist harmlos.
Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, zieht deutlich weniger Aufmerksamkeit auf sich. Wir empfehlen Alleinreisenden zudem, nach Einbruch der Dunkelheit nicht zu Fuß unterwegs zu sein und lieber die VTC-Apps statt eines zufälligen Straßentaxis zu nutzen.
Hippone und der Hügel des heiligen Augustinus
Jeder Besuch in Annaba beginnt idealerweise mit dem antiken Erbe. Die Ruinen von Hippo Regius, die sich auf einem hügeligen Gelände südlich der Stadt erstrecken, gehören zu den stimmungsvollsten römischen Überresten Algeriens. Das Forum, die Thermen, die Villen und vor allem die Mosaike der christlichen Basilika sind beeindruckend. Das mit Olivenbäumen und wildem Rosmarin bewachsene Gelände hat einen ganz eigenen Charme, der dem zwar spektakuläreren, aber deutlich kargeren Timgad fehlt.
Auf dem Hügel über den Ruinen thront die Basilika Saint-Augustin, die zwischen 1881 und 1900 von den Franzosen erbaut wurde und die Bucht überblickt. Das neobyzantinische Gebäude erinnert an die Sacré-Cœur in Paris und beherbergt eine Reliquie des Heiligen: einen Knochen seines rechten Arms, der aus Pavia in Italien hierher überführt wurde. Die bunten Glasfenster und der Panoramablick auf das Mittelmeer sind den Aufstieg wert.
Ein Tipp unter Freunden: Das kleine Museum von Hippone auf dem Nachbarhügel zeigt bemerkenswerte archäologische Funde wie Mosaike und römische Statuen. Es ist oft menschenleer, was den Besuch besonders entspannt macht. Plane für das gesamte Gelände etwa 2 bis 3 Stunden ein.
Das koloniale Stadtzentrum und die Altstadt
Der Cours de la Révolution, von Einheimischen kurz El Cours genannt, ist das pulsierende Herz der modernen Stadt. Gesäumt von jahrhundertealten Bäumen und Gebäuden im Haussmann-Stil, führt hier kein Weg vorbei. Das théâtre régional Azzeddine Medjoubi mit seinen griechisch-römisch inspirierten Fresken und das Rathaus mit seinen verzierten Statuen rahmen diese lebendige Promenade ein.
Nur wenige Straßen weiter bieten die Altstadt und ihre Kasbah einen markanten Kontrast. Enge Gassen, alte Häuser mit verblichenen Fensterläden und Reste von Befestigungsanlagen aus dem 12. Jahrhundert prägen das Bild. Das Viertel ist zwar weniger spektakulär als die Kasbah von Algier, punktet aber mit einer friedlichen Atmosphäre und einem Einblick in das Leben unter den Osmanen. Die mosquée Sidi Bou Merouane aus dem 11. Jahrhundert ist ein exzellentes Beispiel mittelalterlicher islamischer Architektur.
Ein Tipp unter Freunden: Setz dich gegen Abend auf eine der Terrassen am El Cours für einen Kaffee oder ein hausgemachtes Eis. Die Bewohner lieben diesen Ort und die Stimmung ist zum Sonnenuntergang besonders angenehm.
Die Corniche und die Strände
Die corniche d'Annaba erstreckt sich entlang der Küste vom Strand Fellah-Rachid bis hin zu Rizzi-Amor, das die Älteren noch immer Chapuis nennen. Es ist die abendliche Promenade schlechthin, gesäumt von Eisdielen, Fischrestaurants und Cafés. Im Sommer herrscht hier bis Mitternacht reges Treiben.
Zum Baden sind die Strände Ain Achir und Chapuis zwar praktisch, aber im Juli und August schnell überlaufen. Kenner fahren zu den Buchten von Seraïdi, die über eine Bergstraße 13 km vom Zentrum entfernt liegen. Der Strand Djenen El Bey bietet dort kristallklares Wasser in unberührter Umgebung. Weiter westlich lockt Chetaïbi Familien mit feinem Sand.
Ein Tipp unter Freunden: Fahre mit dem Auto bis zum Phare du Cap de Garde für spektakuläre Ausblicke über die gesamte Bucht. Auch die Meereshöhlen, die von den Buchten von Seraïdi aus per Boot erreichbar sind, lohnen einen Ausflug.
Seraïdi und das Massif de l'Edough
Auf 800 Metern Höhe liegt das Dorf Seraïdi als Rückzugsort der Stadt. Wenn die Sommerhitze unten unerträglich wird, fahren die Bewohner hierher, um die frische Bergluft zu genießen. Die Korkeichenwälder und die mediterrane Macchia bieten Wanderwege mit herrlichem Blick auf die Küste.
Das berühmte Hôtel El-Hawa, wörtlich das Hotel des Windes, liegt so hoch, dass es manchmal über den Wolken thront, und ist ein bekannter Treffpunkt. Adrenalinjunkies können sich zudem beim Paragliding von den Höhen von Seraïdi versuchen, das vom örtlichen Sportclub betreut wird. Für einen Tagesausflug bietet sich der Parc national d'El Kala an, der eine Stunde Fahrt östlich liegt und mit Seen, Wäldern und Feuchtgebieten eine bemerkenswerte Artenvielfalt beherbergt.
Wo kann man in Annaba essen und trinken?
Die Küche von Annaba unterscheidet sich durch ihren starken maritimen Einfluss vom Rest des Landes. Das bourek annabi, ein in Teigblätter eingewickeltes Gericht mit Hackfleisch oder Thunfisch, ist die lokale Spezialität schlechthin. Die Einheimischen sind stolz darauf, dass ihre Version die beste des Landes sei. Aslouka, eine Art Ratatouille aus Auberginen und Kichererbsen, begleitet oft den gegrillten Fisch, der entlang der Corniche serviert wird.
Für eine sättigende Mahlzeit solltest du die chorba probieren, eine würzige Suppe mit Fleisch und Fadennudeln, oder ein tajine d'agneau à la cannelle (Lamm-Tajine mit Zimt). Zum Nachtisch gibt es ghribia, ein Mürbeteiggebäck, das wunderbar zu Minztee passt. Die Fischrestaurants an der Corniche und am Strand von La Caroube sind die besten Anlaufstellen für fangfrischen Fisch.
Ein Tipp unter Freunden: Verlasse Annaba nicht, ohne die lokale Pizza probiert zu haben. Der italienische Einfluss ist deutlich spürbar, und die in den Cafés servierten, dünnen und leichten Pizzen sind mit industrieller Ware nicht zu vergleichen.
Wo übernachtet man in Annaba und Umgebung?
Das Hotelangebot ist im Vergleich zu klassischen Touristenzielen begrenzt. Das Sheraton Annaba Hotel ist das einzige 5-Sterne-Haus der Stadt, liegt zentral in der Nähe des El Cours und erhält durchweg gute Bewertungen. Für ein kleineres Budget bieten das Hôtel Seybouse International und das Rym El Djamil solide Mittelklasse-Zimmer.
Die Vermietung von Ferienwohnungen über Airbnb nimmt zu und bietet interessante Optionen, besonders im nördlichen Stadtteil mit Blick auf das Mittelmeer. Wer es ruhiger mag, findet in Seraïdi Unterkünfte, die Berge und Strandnähe kombinieren.
Wie kommt man nach Annaba?
Der aééroport Rabah Bitat bedient Annaba mit Flügen von Paris Orly und Paris CDG via Air Algérie sowie von Marseille mit Transavia. Der Flug dauert etwa 1:40 Stunden von Marseille und 2:30 Stunden von Paris. Rechne mit Preisen ab 55 Euro für einen einfachen Flug von Marseille bei Vorausbuchung und etwa 240 Euro für einen Hin- und Rückflug von Paris. Es gibt auch Verbindungen nach Istanbul.
Innerhalb Algeriens verbindet der Zug SNTF Algier mit Annaba, mit einem täglichen Nachtzug vom Bahnhof Agha um 18:40 Uhr. Das Ticket im Schlafwagen erster Klasse kostet etwa 1.770 DZD, was knapp zwölf Euro entspricht. Es gibt zudem Bahnverbindungen nach Constantine und Tunis. Die Autofahrt von Algier umfasst etwa 600 km über die Autobahn. Wer aus Tunesien anreist, erreicht die Landgrenze nach etwa einhundert Kilometern.
Wie bewegt man sich in Annaba fort?
Das Stadtzentrum und die Corniche lassen sich bequem zu Fuß erkunden. Für längere Strecken decken Stadtbusse das Stadtgebiet kostengünstig ab. Taxis sind allgegenwärtig und erschwinglich, aber verhandle den Preis vor Fahrtantritt oder nutze die Apps Yassir und InDrive für transparentere Preise.
Ein Mietwagen ist empfehlenswert, um Seraïdi, das Cap de Garde oder den Parc national d'El Kala in etwa 60 Kilometern Entfernung zu erreichen. Das Fahren in der Stadt kann sportlich sein, da Verkehrsregeln recht flexibel ausgelegt werden. Vermeide Nachtfahrten abseits der Hauptverkehrsstraßen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Reisezeit liegt zwischen April bis Juni und September bis Oktober, wenn die Temperaturen mild sind und der Touristenandrang sich in Grenzen hält. Juli und August sind heiß und sehr belebt: Dies ist die Hochsaison für algerische Urlauber, mit vollen Stränden und Open-Air-Konzerten am El Cours. Der Winter bleibt mild, aber regnerisch, und das touristische Leben in der Stadt fährt deutlich herunter.