Algerien: Das größte Land Afrikas, das kaum jemand auf dem Schirm hat
Nur ein bis zwei Flugstunden von vielen europäischen Hauptstädten entfernt, fehlt das flächenmäßig größte Land Afrikas seltsamerweise fast völlig auf der touristischen Landkarte. Hier gibt es keine überlaufenen Hotspots und keine von Backpackern belagerten Strände. Auf 2,4 Millionen km² zwischen dem Mittelmeer, berberischen Bergregionen und der Sahara trifft man auf eine erstaunlich geringe Anzahl an ausländischen Besuchern.
Ein Ziel, bei dem man sich bewusst entscheiden muss
Algerien ist kein Land für jeden, und genau das macht seinen Reiz aus. Die touristische Infrastruktur ist überschaubar, Reisen erfordern eine gewisse Planung, und für bestimmte Regionen im tiefen Süden ist ein offiziell zugelassener lokaler Guide vorgeschrieben. Wer sich jedoch auf diese Bedingungen einlässt, wird mit Eindrücken belohnt, die man anderswo kaum noch findet.
Ideal für:
- Liebhaber von Wüstenlandschaften und der Weite der Sahara
- Fans von Archäologie und römischen Ruinenstätten
- Wanderer, die den Hoggar oder die Kabylei erkunden wollen
- Reisende, die den Kontakt zur Bevölkerung abseits des Massentourismus suchen
- Interessierte an berberischer und arabo-andalusischer Kultur
- Reisende mit kleinerem Budget, die ein bezahlbares Mittelmeerziel suchen
Weniger geeignet für:
- Reisende, die einen durchgetakteten Service, englischsprachige Guides und Boutique-Hotels erwarten
- Freunde von ausgiebigem Nachtleben und Partyszenen
- Urlauber, die gerne einen Mietwagen nehmen und das Land auf eigene Faust durchqueren möchten
- Unerfahrene Alleinreisende außerhalb der großen Zentren
- Fans klassischer All-inclusive-Strandurlaube
Eines der günstigsten Ziele im Mittelmeerraum
| Art der Reise | Region | Dauer | Richtbudget |
|---|---|---|---|
| Strandurlaub | Béjaïa / Mostaganem | 1 Woche | 300 € bis 600 € |
| Geführter Sahara-Trek | Tamanrasset / Hoggar | 10 Tage | 700 € bis 1.400 € |
| Kultur-Städtetrip | Algier / Constantine / Tlemcen | 5 Tage | 250 € bis 500 € |
| Archäologischer Roadtrip | Timgad / Tipasa / Djémila | 10 Tage | 400 € bis 800 € |
| Bergwandern | Kabylei / Djurdjura | 1 Woche | 300 € bis 600 € |
Wie sicher ist eine Reise nach Algerien?
Das Image Algeriens ist noch immer von den Ereignissen der 1990er Jahre und dem Bürgerkrieg geprägt. Das Land hat sich seitdem tiefgreifend gewandelt. Die terroristische Bedrohung ist massiv zurückgegangen, und die großen Städte im Norden gelten für Touristen als sicher. Prüfe dennoch vor Reisebeginn die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes und registriere dich gegebenenfalls in der Krisenvorsorgeliste des Ministeriums.
Zwei Zonen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit: die Grenzgebiete zu Libyen und Mali sowie bestimmte Teile des Grand Sud, in denen ein zugelassener lokaler Begleiter Pflicht ist. Diese Auflagen sollten jedoch nicht abschrecken, sondern als Teil der Vorbereitung für ein Land verstanden werden, das touristisch noch nicht voll erschlossen ist.
Allein als Frau in Algerien unterwegs
Das Thema sollte man offen ansprechen. Die algerische Gesellschaft ist konservativ, und alleinreisende Frauen können, speziell außerhalb der Metropolen, mit aufdringlichen Blicken oder Kommentaren konfrontiert werden. Das ist kein Grund, nicht zu reisen, aber Vorbereitung schadet nicht.
Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, hilft dabei, solche Situationen zu minimieren. Für Wüstenregionen empfiehlt es sich, zu zweit oder in einer organisierten Gruppe zu reisen. Die algerischen Frauen sind oft wertvolle Verbündete; zögere nicht, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an öffentlichen Orten das Gespräch mit ihnen zu suchen.
1.200 km Küste, und kaum jemand ist da

Die algerische Küste zählt zu den am besten gehüteten Geheimnissen am Mittelmeer. Kaum zubetoniert und in europäischen Reisekatalogen fast nicht vorhanden, bietet sie Strände mit klarem Wasser, die man außerhalb der Hauptsaison im Juli und August oft für sich allein hat. Denn ja, auch die Algerier selbst genießen ihre Sommerferien gerne am Meer.
Béjaïa in der Petite Kabylie verbindet Meer und Berge auf beeindruckende Weise. Die Strände von Saket und Tichy sind exzellent, und der nahegelegene parc national de Gouraya besticht durch eine bemerkenswert unberührte Natur. Weiter westlich lockt Mostaganem mit familienfreundlichen Abschnitten wie les Sablettes und einer gut erhaltenen osmanischen Architektur.
Für Ankömmlinge in Algier bietet sich Zéralda, etwa 30 Kilometer westlich der Hauptstadt gelegen, als ruhige und gut ausgestattete Option an.
Tipp vom Experten: Für türkisfarbenes Wasser und spektakuläre Klippen abseits der Massen solltest du Rachgoun und Sassel in der Nähe von Aïn Témouchent im äußersten Westen ansteuern. Diese Strände sind ein Muss für alle, die eine wirklich unberührte Küste suchen.
Die Berge im Norden: Ein Paradies für Wanderer

Der Norden wird vom Atlas tellien dominiert, einer grünen Gebirgsregion, die nur wenige ausländische Reisende auf dem Schirm haben. Die Kabylei ist die Vorzeigeregion: Berberdörfer, die sich an die Bergrücken schmiegen, gut markierte Wanderwege sowie eine eigene Kultur und Sprache, die sich vom Arabischen unterscheiden.
Das Djurdjura-Massiv erreicht über 2.300 Meter Höhe und beherbergt einen parc national, der im Winter schneebedeckt ist. Es ist einer der wenigen Orte in Nordafrika, an denen man tatsächlich Skifahren kann. Im Sommer bieten die Wege atemberaubende Panoramen über die Täler. Die Stadt Tizi Ouzou fungiert als idealer Ausgangspunkt für die Erkundung dieser Region.
Die Sahara: Die schönste Wüste der Welt?

Algerien besitzt den größten Anteil an der Sahara auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Es ist keine eintönige Wüste, sondern ein Wechselspiel aus goldenen Dünen, steinigen Plateaus, abgelegenen Oasen und Canyons, die über Jahrtausende geformt wurden.
Der Tassili n'Ajjer ist aufgrund seiner jahrtausendealten Felsgravuren UNESCO-Weltkulturerbe. Das Hoggar-Massiv, das über Tamanrasset erreichbar ist, beeindruckt mit seinen bizarren vulkanischen Formen und einer absoluten Stille. Auf dem 2.780 Meter hohen Plateau von Assekrem bietet die Einsiedelei von Charles de Foucauld einen der bewegendsten Sonnenaufgänge, die man erleben kann.
Die algerische Sahara gehört zweifellos zu den drei eindrucksvollsten Wüsten weltweit. Es ist schade, dass sich nur so wenige Reisende dorthin wagen.
Dreitausend Jahre Geschichte in einem Land
Römische Ruinen

Algerien ist eines der archäologisch reichsten Länder Afrikas. Tipasa, eine römische Stadt und UNESCO-Welterbe, überblickt majestätisch und ruhig das Mittelmeer. Timgad, oft als das "Pompeji Afrikas" bezeichnet, zeigt einen fast intakten römischen Stadtplan: Straßen, Forum und Thermen sind noch heute klar erkennbar, was in Nordafrika eine Seltenheit darstellt.
Die großen Städte

Die Casbah von Algier, ebenfalls UNESCO-Welterbe, ist ein Labyrinth aus weißen Gassen, in denen die osmanische und arabo-andalusische Geschichte an jeder Fassade präsent ist. In Tlemcen zeugt die Moschee von Sidi Boumediene vom goldenen Zeitalter der islamischen Zivilisation im Maghreb. Und Constantine, die auf steilen Schluchten thront und durch ihre Hängebrücken, allen voran die berühmte Sidi-Rached-Brücke, verbunden ist, ist eine Stadt, die einem schwindelig machen kann.
Oran im Westen ist ebenfalls einen Stopp wert. Bekannt als das "kleine Paris" Nordafrikas für seinen kosmopolitischen Geist, ist die Stadt vor allem die Wiege des Raï, eines Musikstils, der in den 1920er Jahren in den populären Kabaretts entstand, um offen auszusprechen, was die Gesellschaft lieber verschwieg.
Handwerkskunst über Generationen

Die lokalen Märkte sind der beste Ort, um das Kunsthandwerk des Landes zu entdecken: Töpferwaren aus Ton, Silberschmuck der Kabylen mit geometrischen Mustern oder Teppiche in kräftigen Farben. Das Festival von Timgad, das jeden Sommer inmitten der römischen Ruinen stattfindet, vereint arabische, berberische und mediterrane Künstler in einer spektakulären Kulisse.
Algerien auf dem Teller: Wenn Gewürze auf Honig treffen
Die algerische Küche ist großzügig und aromatisch. Die Chorba, eine Suppe mit Kräutern, Gemüse und Lammfleisch, wärmt an kühlen Abenden im Atlasgebirge. Den Couscous gibt es in dutzenden regionalen Varianten: Jede Familie hat ihr eigenes, von Generation zu Generation überliefertes Geheimrezept.
Bourek, mit Fleisch, Fisch oder Garnelen gefüllte Teigrollen, findet man überall und zu jeder Tageszeit. Ein Mechoui, ein am Spieß gebratenes ganzes Lamm, wird bei besonderen Anlässen serviert. Einladung in eine Familie, daran teilzuhaben, gehört zu den prägendsten Erlebnissen einer Reise.
Süße Genießer kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Orientalisches Gebäck mit Mandeln, Honig und Orangenblütenwasser erreicht hier ein bemerkenswertes Niveau. Ob Baklava, Gazellenhörnchen oder Makrout, ein türkischer Kaffee auf einer Terrasse mit einer Auswahl dieser Leckereien ist einer der schönsten Momente des Tages.

Wann ist die beste Reisezeit für Algerien?
Das ideale Zeitfenster liegt zwischen Januar und Mai. Der Frühling im Norden ist mild, die Landschaften der Kabylei ergrünen, und die Wüste bleibt zugänglich. Auch der Herbst von September bis November ist eine gute Zeit für Städtereisen und den Küstenbesuch.
Juli und August sind außerhalb der Küstenregionen weniger ratsam, da die Temperaturen im Landesinneren regelmäßig über 40°C steigen. Für Sahara-Treks ist der Zeitraum von Dezember bis April optimal, wenn die Nächte kühl, aber die Tage angenehm sind.
Wenn du Nicht-Muslime bist und dir kulinarischer Komfort wichtig ist, informiere dich vor der Buchung über die Termine des Ramadan.
Wie komme ich nach Algerien?
Die Flugverbindungen ab Europa sind unkompliziert. Air Algérie und Transavia bieten Direktflüge von Paris, Lyon und Marseille nach Algier, Oran, Constantine oder Annaba an. Die Flugzeit ab Paris beträgt etwa 2 Stunden, mit Preisen zwischen 80 € und 250 € je nach Saison und Buchungszeitpunkt.
Eine weniger bekannte Option ist die Fähre von Marseille nach Algier oder Oran mit Algérie Ferries. Die Überfahrt dauert zwischen 20 und 24 Stunden. Es ist zwar deutlich langsamer, aber für Reisende, die ein eigenes Fahrzeug mitnehmen möchten, eine preiswerte Alternative.
Wie bewege ich mich in Algerien fort?
Für längere Strecken zwischen den Städten im Norden ist die Bahn komfortabel und wirtschaftlich. Die SNTF verbindet Algier mit Oran, Constantine, Annaba und weiteren Zielen. Überlandbusse decken ein noch größeres Netz zu sehr günstigen Preisen ab. Die Sammeltaxis, hier Louages genannt, sind das flexibelste Mittel für kürzere Etappen.
Eine Mietwagen-Anmietung sollte gut überlegt sein, zumal es oft schwierig ist, überhaupt ein Fahrzeug zu finden. Der Verkehr in Algerien, besonders rund um die großen Städte, ist für seine riskante Fahrweise bekannt. Für die Sahara ist ein 4x4-Fahrzeug mit lokalem Fahrer-Guide nicht nur empfehlenswert, sondern in vielen Zonen sogar Pflicht.
Air Algérie bedient zudem Inlandsflüge in den Süden, etwa nach Tamanrasset und Djanet. Diese Flüge ersparen Tausende Kilometer auf Pisten und sind preislich erschwinglich. Für die Kabylei oder die Küstenregionen reichen die lokalen öffentlichen Verkehrsmittel völlig aus.