Mont Otemanu, vulkanische Wächterin und Seele von Bora Bora
Ein smaragdgrüner Basaltkegel ragt aus dem Herzen der türkisfarbenen Lagune empor und durchbricht mit seiner gezackten Silhouette den Himmel über Französisch-Polynesien. Der Mont Otemanu erhebt sich 727 Meter in die Höhe. Er ist das majestätische Überbleibsel eines erloschenen Vulkans, der Bora Bora seit Jahrtausenden überragt. Da der Gipfel von jedem Winkel der Insel aus zu sehen ist, verändert sich sein Anblick je nach Standort und bietet bei jedem Blick ein neues Schauspiel.
Warum fasziniert der Mont Otemanu so sehr?
Sein tahitianischer Name bedeutet übersetzt Gipfel, der die Wesen anzieht, eine poetische Anspielung auf seine unwiderstehliche magnetische Präsenz. Der Otemanu ist weit mehr als nur eine geologische Erhebung, denn er verkörpert die Identität von Bora Bora selbst. Luxusresorts richten ihre Bungalows auf Stelzen direkt auf ihn aus, wohlwissend, dass dieser Ausblick unbezahlbar ist. Zimmer mit einer direkten Sicht auf den Berg erzielen die höchsten Preise.
Während des Zweiten Weltkriegs diente der Gipfel den USA als strategischer Stützpunkt, nachdem diese auf der Insel eine Versorgungsbasis errichtet hatten. Die erhöhte Lage bot Platz für Kanonen und Radaranlagen. Noch heute finden sich an seinen Flanken militärische Überreste als stumme Zeugen einer Zeit, in der Bora Bora in den Fokus des Weltgeschehens rückte.
Die vielen Gesichter eines Riesen
Der Mont Otemanu ist ein geologisches Chamäleon. Von Norden, nahe dem Flughafen, zeigt er sich in seiner ganzen Majestät mit scharfen Graten, die in die Wolken ragen. Von Süden, in Richtung Matira, präsentiert er sich ebenso imposant. Aus östlicher oder westlicher Richtung betrachtet wirkt er jedoch wie eine schmale Nadel und verliert seine dramatische Breite.
Beim Sonnenaufgang glühen seine Hänge in einem sanften Goldton. Das Morgenlicht modelliert die Täler und Grate in verschiedenen Schattierungen von sattem Grün. Am Abend hüllt ihn der Sonnenuntergang in Bernstein und Purpur, während die Lagune dieses Farbenspiel spiegelt. An Nachmittagen hängen oft Wolken an seinem Gipfel, was seine mystische Aura noch verstärkt.
Otemanu erkunden: Zwischen Abenteuer und Staunen
Die Wanderung zur legendären Höhle
Der Aufstieg auf den Mont Otemanu ist sowohl eine sportliche Herausforderung als auch ein spirituelles Abenteuer. Der Pfad ist nicht markiert und führt über Privatgelände, weshalb die Begleitung durch einen erfahrenen ortskundigen Führer zwingend erforderlich ist. Plane zwei bis drei Stunden für den Aufstieg durch unwegsames Gelände ein, bei dem an Bäumen befestigte Seile die steilsten Abschnitte überwinden helfen.
Das Ziel ist Ana o Pea, die Schwalbenhöhle, die hoch an der Felswand klebt. Polynesischen Legenden zufolge brachte ein Paar in dieser Höhle ein göttliches Kind zur Welt. Die Ältesten sahen in ihr den Wohnsitz der Göttin der Lüfte. Im hinteren Teil der Höhle dienten Nischen einst als letzte Ruhestätte für hochrangige Ahnen. Das Panorama von diesem natürlichen Heiligtum reicht über die Lagune und die Motus bis zum herzförmigen Atoll Tupai.
Ein kleiner Tipp: Wähle für diese Wanderung einen windigen Tag. Ohne eine Brise wird die Hitze im dichten Dschungel erdrückend. Nimm mindestens zwei Liter Wasser pro Person mit und trage festes Schuhwerk. Vorsicht vor Hunden, die einige Grundstücke am Weg bewachen. Der Abstieg ist anspruchsvoller als der Aufstieg, sei daher besonders vorsichtig.
4x4 Ausflüge in den vulkanischen Dschungel
Wer den Otemanu ohne den technischen Aufstieg entdecken möchte, kann die 4x4 Safaris nutzen, die durch die üppigen Täler rund um den Berg führen. Diese Geländetouren zeigen die vulkanische Flora mit leuchtenden Hibiskusblüten, Pandanusbäumen mit ihren Stelzwurzeln und riesigen Kokospalmen. Die Reiseleiter erzählen polynesische Sagen, zeigen alte Tempelanlagen (Marae) und fahren zu spektakulären Aussichtspunkten über der Lagune.
Ein Flug mit dem Helikopter: Die himmlische Perspektive
Aus der Luft offenbart der Otemanu seine wahre Natur: ein vulkanischer Kessel mit senkrechten Wänden, ein Labyrinth aus Graten und Schluchten. Der Helikopter fliegt nah an den gezackten Gipfeln vorbei, überquert den undurchdringlichen Dschungel und bietet eine beeindruckende Sicht auf die perfekte Geometrie der Lagune, die die Insel umschließt.
Vom Wasser aus betrachten
Bootsfahrten um Bora Bora sind vielleicht die faszinierendste Art, den Otemanu zu genießen. Während man über das klare Wasser gleitet, verändert der Berg ständig sein Erscheinungsbild. Die Spiegelungen in der Lagune erschaffen eine umgekehrte Welt, in der der vulkanische Gipfel zwischen Himmel und Meer zu schweben scheint.
Am Fuße des Berges fließt im Schatten der Mape (polynesische Kastanienbäume) Te vaipani, die heilige Quelle, in der sich einst das Königshaus badete. Felszeichnungen von Schildkröten (Honu), den heiligen Tieren und Boten der Götter, umgeben diesen Ort voller Mana. Glaubt man den Überlieferungen, ist dies der Ort, an dem der göttliche Geist auf einem Regenbogen vom Gipfel herabstieg, um Bora Bora als erstes Land der Welt zu segnen, das aus dem Meer auftauchte.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Aufstieg zum Gipfel dieses alten Vulkans erfordert ein wenig Anstrengung, ist aber auch für Gelegenheitswanderer absolut machbar.
Belohnt werdet ihr mit einem herrlichen Panoramablick auf die Lagunen von Bora Bora. Denkt daran, eure Trinkflasche und einen Snack mitzunehmen. Der Aufstieg wird euch sicher etwas ins Schwitzen bringen :)