In den Eingeweiden der Mole: Wenn die Filmgeschichte vertikal nach oben strebt
Die Mole Antonelliana war ursprünglich gar nicht als Tempel der siebten Kunst gedacht. Mitte des 19. Jahrhunderts als Synagoge geplant, wurde sie von der Stadtverwaltung übernommen, nachdem der Architekt Alessandro Antonelli das Baubudget massiv gesprengt hatte. In dieser Ziegel- und Steinkonstruktion, 167 Meter in die Höhe ragend, zog das Museum im Jahr 2000 ein und entfaltet seine Sammlungen über fünf spiralförmige Ebenen hinweg.
Warum sich ein Besuch des Nationalen Filmmuseums von Turin lohnt
Turin war die Wiege des italienischen Kinos. Hier drehte Giovanni Pastrone 1914 Cabiria, das größte Monumentalwerk des weltweiten Stummfilms. Das Museum bewahrt eine direkte Erinnerung an dieses Erbe: insgesamt mehr als zwei Millionen Stücke, darunter 300.000 Filmplakate, 80.000 fotografische Dokumente und 12.000 Filmrollen. Kein anderes Filmmuseum in Europa besitzt eine solche Bandbreite.
Im Jahr 2024 verzeichnete das Museum über 818.000 Besucher, was einen absoluten Rekord darstellt. Diese Zahl erklärt sich nicht nur durch die Bekanntheit der Mole, sondern vor allem durch die Qualität des Rundgangs selbst. Wir meinen es ganz aufrichtig: Es ist eine der eindrucksvollsten museografischen Inszenierungen, die wir in Europa gesehen haben.
Der Dauerausstellungsrundgang: Fünf Ebenen, um ein Jahrhundert zu durchqueren
Die Aula del Tempio, ein spektakuläres Herzstück
Der Höhepunkt des Museums ist die Aula del Tempio, der kathedralenhohe zentrale Hauptraum der Mole. An den Wänden widmen sich Nischen den großen Filmgenres: Western, Horror, Film noir. Jede dieser Buchten bietet Kulissen, Requisiten und Projektionen. Das Licht ist gedimmt, fast theatralisch. Man setzt sich in geneigte Vintage-Sessel am Boden und blickt auf zwei riesige Bildschirme, die Filmausschnitte zeigen.
Die Wendelrampe und die Galleria dei Manifesti
Verlässt man die Aula über die Rampa elicoidale, steigt man auf einer spiralförmigen Rampe, die für Sonderausstellungen genutzt wird, langsam Richtung Kuppel auf. Weiter oben zeigt die Galleria dei Manifesti hunderte Filmplakate aus aller Welt, von der Stummfilmzeit bis hin zu modernen Produktionen. Eine Reise durch die grafische Entwicklung des Kinomarketings, die mehrere Jahrzehnte umspannt.
Die Macchina del Cinema: Blick hinter die Kulissen im passenden Maßstab
Eine ganze Ebene ist den Berufen rund um den Film gewidmet: Regie, Drehbuch, Kostüme, Szenenbild, Schnitt und Spezialeffekte. Originale Storyboards wichtiger Produktionen stehen neben historischen Kameras und Filmkostümen. Eine Sektion erinnert an den Beitrag von Leo Catozzo, dem Erfinder des Klebepressgeräts und Stamm-Filmeditor von Federico Fellini, gewürdigt in einem 2025 eingeweihten Bereich.
Der Panoramaaufzug: 85 Meter in 59 Sekunden
Vom Erdgeschoss aus durchquert eine Kabine mit Glaswänden in einem einzigen Zug den zentralen Luftraum der Mole bis hinauf zum Tempietto in 85 Metern Höhe. Die Fahrt bietet eine schwindelerregende Perspektive auf die Architektur im Inneren des Gebäudes. Oben angekommen, öffnet sich die Aussichtsterrasse über ganz Turin, bei klarem Wetter sogar bis zu den Alpen am Horizont.
Der Aufzug hat im Juli 2025 seine behördliche Revision abgeschlossen, eine der gründlichsten seiner Geschichte: Kabel, mechanische Bauteile, die Notfallkabine und die Notstromversorgung wurden komplett überprüft und erneuert. Die Anlage ist wieder voll betriebsbereit.
Ein Tipp unter Freunden: Tickets für den Panoramaaufzug gehen 19 Stunden vor dem ersten Zeitfenster des Folgetages in den Online-Verkauf. Prüfe an Samstagen oder Sonntagen am besten schon um 22:00 Uhr am Vorabend die Verfügbarkeit. Oft ist das der einzige Weg, um nicht mit leeren Händen dazustehen.
Was überzeugt
- Ein weltweit einmaliger architektonischer Rahmen, den man nirgendwo sonst nachbauen kann
- Ein interaktiver und immersiver Rundgang, der sowohl Filmliebhaber als auch Neulinge anspricht
- Sammlungen von außergewöhnlicher Fülle, die regelmäßig durch Neuzugänge erweitert werden
- Ein kostenloser Audioguide per QR-Code am Eingang, verfügbar in mehreren Sprachen
- Hochkarätige Sonderausstellungen, die im Eintrittspreis des Museums inbegriffen sind
Wichtige Hinweise
- Der Panoramaaufzug ist oft ausgebucht: Am Wochenende ist eine Online-Reservierung unerlässlich
- Der Fußweg hinauf zur Kuppel wird Personen mit Höhenangst oder körperlichen Einschränkungen nicht empfohlen
- Dienstags geschlossen
Ungefähre Eintrittspreise
| Ticketart | Regulär | Ermäßigt |
|---|---|---|
| Nur Museum | 18 €* | 16 €* |
| Nur Panoramaaufzug | 9 €* | 7 €* |
| Museum + Panoramaaufzug | 23 €* | 20 €* |
| Schulklassen (nur Museum) | 5 €* | |
| Kostenlos | Unter 6 Jahren, Abbonamento Musei, Torino+Piemonte Card, ICOM-Mitglieder, Menschen mit Behinderung inklusive Begleitperson | |
Unverbindliche Preise, Änderungen vorbehalten
Öffnungszeiten
| Montag | 09:00-19:00 |
|---|---|
| Dienstag | Geschlossen |
| Mittwoch | 09:00-19:00 |
| Donnerstag | 09:00-19:00 |
| Freitag | 09:00-19:00 |
| Samstag | 09:00-20:00 |
| Sonntag | 09:00-20:00 |
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
Mir hat der Besuch in diesem Museum super gefallen. Interaktiv für Erwachsene und Kinder. Unbedingt reservieren, sonst riskiert man, wieder umkehren zu müssen.