Das Nautische Museum von Bahia: Ein Leuchtturm mit Geschichte
Seit 1698 weist ein Licht den Schiffen den Weg in die Allerheiligenbucht. In den massiven Steinmauern des Fort Santo Antônio da Barra, dem ältesten militärischen Bauwerk des Landes, ruht eine bemerkenswerte Sammlung von Objekten, die über Jahrhunderte auf dem Meeresgrund lagen und nun wieder das Tageslicht erblicken. Dies ist weit mehr als ein reines Schifffahrtsmuseum, es ist ein stummer Zeuge von drei Jahrhunderten brasilianischer Geschichte.
Warum sich ein Besuch im Nautischen Museum lohnt
Das Fort, in dem das Museum untergebracht ist, existierte bereits vor der Gründung von Salvador im Jahr 1549. Es wurde ab 1534 errichtet, um die junge Kolonie zu schützen, und sah Portugiesen, Niederländer und Spanier in ihren Kämpfen um die Kontrolle dieses strategischen Punktes. Im Jahr 1839 kam ein 22 Meter hoher Leuchtturm hinzu, der bis heute in Betrieb ist und als der älteste seiner Art in Südamerika gilt. Sein weiß-rotes Licht ist noch in 70 Kilometern Entfernung auf See zu erkennen.
Nach einer umfassenden Restaurierung wurde das Gebäude 1998 in das Nautische Museum von Bahia verwandelt. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art im Bundesstaat Bahia und versammelt Schätze, die von der maritimen Abenteuerlust der Portugiesen und der entscheidenden Rolle von Salvador für die Schifffahrt auf dem Atlantik erzählen. Nicht umsonst wird das Museum in Reiseführern wie Lonely Planet oder AFAR als das beste der Stadt empfohlen.
Schätze aus der Tiefe
Das Herzstück der Sammlung stammt aus den zahlreichen Schiffswracks am Boden der Allerheiligenbucht. Die Räume sind gefüllt mit Unterwasserfunden wie denen des portugiesischen Galeonenwracks Santíssimo Sacramento, das 1668 vor der Küste von Salvador sank. Keramik, Amphoren, Münzen und Fragmente des Schiffsrumpfes bewahren bis heute das Geheimnis der verlorenen Fracht.
Besonders faszinierend sind die historischen Navigationsinstrumente: Astrolabien, Sextanten und magnetische Kompasse zeugen vom Einfallsreichtum der portugiesischen Seefahrer, die ihre Routen nach Indien und China planten. Die vergilbten Seekarten zeigen eine Welt, die damals noch im Prozess der Entdeckung war.
Die Welt im Kleinen
Ein Bereich zieht die Besucher besonders in seinen Bann: der Saal mit den Schiffsmodellen. Von legendären Karavellen bis hin zu Kriegsschiffen des 19. Jahrhunderts zeichnen diese detailgetreuen Nachbildungen die Entwicklung des brasilianischen Schiffbaus nach. Das wahre handwerkliche Meisterstück findet sich jedoch in den Vitrinen, in denen ganze Schiffe in winzigen Glasflaschen untergebracht sind.
Die dunkle Seite des Sklavenhandels
Das Museum spart auch die schmerzhaften Kapitel der Vergangenheit nicht aus. Ein eigener Bereich widmet sich dem transatlantischen Sklavenhandel, für den Salvador eines der wichtigsten Tore nach Amerika war. Mehr als eine Million Afrikaner wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in diese Bucht gebracht. Die Schautafeln, die auf Portugiesisch und Englisch verfügbar sind, beleuchten schonungslos die unmenschlichen Bedingungen während der Überfahrt und die zentrale Rolle der Sklaverei für den wirtschaftlichen Wohlstand der Kolonialzeit.
Dieser offene Umgang mit der Geschichte unterscheidet das Museum von anderen Institutionen, die das Gestern lieber beschönigen. Die ausgestellten Objekte wie Ketten oder Verkaufsdokumente unterstreichen eine brutale Realität, zu der sich Salvador heute ausdrücklich bekennt.
Aufstieg zum Leuchtturm
Die Wendeltreppe hinauf zur Laterne des Leuchtturms ist anstrengend, doch die Aussicht ist jede Stufe wert. Vom Gipfel aus bietet sich ein 360-Grad-Panorama: Im Norden erstreckt sich die Allerheiligenbucht mit ihren smaragdgrünen Inseln, im Süden peitscht der Atlantik, und im Osten breitet sich Salvador mit seinen bunten Dächern bis zum Horizont aus.
Von hier oben lässt sich gut nachvollziehen, warum der Ort als erste Verteidigungslinie der Kolonie gewählt wurde. Die grünen Rasenflächen rund um das Fort sind bei den Einheimischen am späten Nachmittag beliebt, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Dann wird der Ort zu einem Treffpunkt, an dem Geschichte und Kontemplation verschmelzen.
Ein Tipp vom Insider: Komme direkt zur Öffnung um 9:00 Uhr, um das Museum in Ruhe zu besichtigen, bevor die Touristengruppen eintreffen. Die Kasse schließt um 17:30 Uhr und der letzte Einlass erfolgt 30 Minuten vor Schließung. Plane mindestens 1,5 bis 2 Stunden für den Museumsbesuch und den Aufstieg zum Leuchtturm ein.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Navigationsinstrumente, Karten der Allerheiligenbucht, die Geschichte der Erforschung der Bucht und des Baus der ersten Stadt Brasiliens, ein paar Worte zum Dreieckshandel und den Beziehungen zu den amerikanischen Ureinwohnern, die Geschichte der Schiffswracks in der Bucht, Beschreibung der Saveiros, dieser typischen Segelboote... Ganz zu schweigen von der atemberaubenden Aussicht auf die Strände, das Meer und die Insel Itaparica auf der gegenüberliegenden Seite.