Der Berliner Fernsehturm: Der stählerne Riese über der Hauptstadt
Mit seinen 368 Metern überragt der Berliner Fernsehturm die Skyline von Berlin wie kaum ein anderes Bauwerk. Ob aus Spandau oder Köpenick, der markante Pfeil aus Stahl und Glas ist fast überall zu sehen und prägt das Stadtbild so selbstverständlich, dass man sich Berlin ohne ihn kaum vorstellen kann. Errichtet zwischen 1965 und 1969, ist er heute weit mehr als nur ein Sendemast. Er gilt als Symbol der wiedervereinigten Stadt und als Orientierungspunkt, der den Blick unweigerlich in Richtung des historischen Zentrums lenkt.
Ein Kind des Kalten Krieges
Die Geschichte des Turms begann in einer politisch aufgeladenen Zeit. Die DDR wollte mit dem Bau ihre technische Leistungsfähigkeit demonstrieren und internationale Anerkennung gewinnen. Walter Ulbricht, der damalige Staatsratsvorsitzende, wählte den Alexanderplatz als Standort, damit das Bauwerk auch von West-Berlin aus als ständiges Zeichen sozialistischer Präsenz sichtbar blieb. Der Architekt Hermann Henselmann entwarf eine futuristische Konstruktion, die an den sowjetischen Satelliten Sputnik erinnert, inklusive der charakteristischen Kugel, die mit 140 Edelstahlpaneelen verkleidet ist.
Am 3. Oktober 1969 wurde der Turm eingeweiht. Damals war er das dritthöchste freistehende Bauwerk der Welt, nur übertroffen vom Moskauer Ostankino-Turm und dem Empire State Building. Die ursprüngliche Höhe von 365 Metern war eine Anspielung auf die Tage des Jahres. Im Jahr 1997 wurde eine leistungsstärkere Antenne installiert, die den Turm auf seine heutige Höhe von 368 Metern brachte.
Die Rache des Papstes: Ein ungewolltes Symbol
Kurz nach der Fertigstellung erlebte das atheistische DDR-Regime eine peinliche Überraschung. Wenn die Sonne auf die Stahlkugel traf, bildeten die Reflexionen ein helles Kreuz, das von beiden Seiten der Mauer gut zu sehen war. Die West-Berliner nannten das Phänomen spöttisch die "Rache des Papstes", eine bittere Ironie für eine Regierung, die Kreuze aus dem öffentlichen Raum verbannte.
Die Behörden versuchten alles, um das Kreuz zu beseitigen, von Speziallacken bis hin zu aufwendigen Beleuchtungskonzepten, doch ohne Erfolg. Sogar Ronald Reagan erwähnte das Phänomen 1987 in seiner berühmten Rede "Tear down this wall". Das von den Architekten nie geplante Kreuz wurde so zu einem Symbol des geistigen Widerstands, das bis heute über der Stadt leuchtet.
Schwindelerregende Aussicht aus 200 Metern
Schon die Auffahrt ist ein Erlebnis. Zwei Hochgeschwindigkeitsaufzüge befördern Gäste in nur 40 Sekunden auf eine Höhe von 203 Metern. Dort erwartet einen eine Panorama-Aussicht über das gesamte Berliner Stadtgebiet. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis zu 70 Kilometer weit, sodass man das Brandenburger Tor, den Reichstag, den Berliner Dom und sogar die Windräder im Umland von Brandenburg entdecken kann.
Speisen über den Dingen
Das Restaurant Sphere auf 207 Metern Höhe bietet eine Besonderheit: Der gesamte Gastraum dreht sich je nach Einstellung in 30 bis 60 Minuten einmal um die eigene Achse. So genießen Gäste während des Essens ein sich ständig veränderndes Panorama. Seit Juni 2025 zeichnet der Sternekoch Tim Raue für das kulinarische Angebot in dieser luftigen Höhe verantwortlich.
Ein kleiner Tipp: Besuchen Sie den Turm am späten Nachmittag, um das goldene Licht des Sonnenuntergangs zu erleben und anschließend zuzusehen, wie die Lichter der Stadt nach und nach angehen. Die nächtliche Aussicht wirkt völlig anders und ist besonders faszinierend. Buchen Sie Ihre Tickets unbedingt vorab online, um die langen Warteschlangen zu vermeiden, die besonders in der Hochsaison mehrere Stunden betragen können.
Spitznamen und Kurioses
Die Berliner sind für ihren trockenen Humor bekannt und haben ihrem Riesen einige Spitznamen verpasst. Am populärsten ist der Telespargel, eine Anspielung auf die schlanke Form, die an das regionale Gemüse erinnert. Andere nennen ihn schlicht Alex-Turm. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Kugel im Rahmen einer Werbeaktion sogar in einen riesigen, magentafarbenen Fußball verwandelt.
Wichtige Informationen für Ihren Besuch
- Der Turm zählt jährlich über eine Million Besucher aus 90 verschiedenen Ländern
- Er steht seit 1979 unter Denkmalschutz, ein Status, der auch nach der Wiedervereinigung beibehalten wurde
- Die Kugel bietet Platz für 320 Personen gleichzeitig
- Aus Sicherheitsgründen ist der Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität leider nicht möglich (eine barrierefreie Alternative bietet der Panoramapunkt am Potsdamer Platz)
- Tiere sind nicht erlaubt, ausgenommen sind Assistenzhunde
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Fernsehturm gehört einfach zu den Symbolen von Berlin. Man kann ihn schon von weitem sehen, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Aber am besten ist es, hochzufahren, um das Panorama zu genießen. Es ist notwendig, die Tickets im Voraus zu buchen, weil dort sehr viel los ist. Ich persönlich fand die Aussicht wirklich unglaublich.