In den trüben Gewässern der Kafkaesken Welt
Zwei Brunnenfiguren, die sich gegenüberstehen und auf eine Karte des Landes urinieren, ein Raum, der in beinahe beklemmendes Halbdunkel getaucht ist, und Verwaltungsakten, die sich wie metallene Särge stapeln.
Das Franz-Kafka-Museum erzählt keine brav chronologische Biografie. Es vermittelt ein Unbehagen, genau jenes Gefühl, das das gesamte Werk des Prager Schriftstellers durchzieht.
Warum das Franz-Kafka-Museum besuchen?
Franz Kafka wurde 1883 in Prag geboren und lebte dort fast sein ganzes Leben. Er kannte die Stadt in- und auswendig, und sie geistert durch Werke wie Der Process oder Das Schloss. Dieses Museum, untergebracht in einer ehemaligen Ziegelei im Stadtteil Malá Strana direkt am Ufer der Moldau, begnügt sich nicht damit, Manuskripte hinter Glas auszustellen.
Die Szenografie, konzipiert von den Künstlern Jathon Kampfner und seinem Team rund um das ursprüngliche Konzept des Autors Jiří Přibáň, zielt darauf ab, die beklemmende Atmosphäre von Kafkas Texten physisch erlebbar zu machen, statt sie nur zu dokumentieren.
Eine Szenografie wie ein Labyrinth
Die Dauerausstellung mit dem Titel „Die Stadt K.“ gliedert sich in zwei Bereiche, die miteinander korrespondieren. Der erste erkundet Kafkas zerrissene Beziehung zu Prag und seiner Familie, insbesondere die erdrückende Figur seines Vaters. Der zweite taucht ein in seine existenzielle Welt, die von labyrinthischen Büros und absurden Hierarchien geprägt ist.
Schritte hallen in dunklen Fluren, Spiegel verzerren die Perspektiven, Auszüge aus Tagebüchern laufen als Projektionen ab. Man liest Kafka hier nicht einfach nur, man durchschreitet ihn.
Was es zu entdecken gibt
- Originalmanuskripte und Erstausgaben seiner Hauptwerke
- Familienfotos und persönliche Dokumente, die selten anderswo zu sehen sind
- Der Briefwechsel mit Milena Jesenská und anderen Vertrauten
- Eine immersive Nachbildung der Verwaltungsatmosphäre, die den Schriftsteller so sehr besessen hat
Geheimtipp: Verpasse nicht die Skulptur von David Černý direkt vor dem Eingang. Zwei Männer urinieren in ein Becken in Form der Tschechischen Republik. Sie gibt den Ton an, noch bevor du das Museum überhaupt betrittst.
Für wen ist dieser Besuch geeignet?
Geeignet für
- Kafka-Leser auf der Suche nach Immersion
- Liebhaber origineller und sinnlicher Szenografien
- Einen kurzen Besuch (plane 45 Minuten bis 1 Stunde ein)
Weniger geeignet für
- Kinder oder Besucher, die ein klassisches, didaktisches Museum suchen
- Alle, die mit dem Werk des Schriftstellers überhaupt nicht vertraut sind
Öffnungszeiten
Täglich: 10:00 bis 18:00 Uhr.
Am 24. Dezember geschlossen.
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
Plane etwa 1,5 bis 2 Stunden ein, um alle Ausstellungsbereiche zu erkunden und die besondere Atmosphäre des Ortes auf dich wirken zu lassen.
*Angaben können sich ändern
Der Besuch des Franz-Kafka-Museums ist wirklich sehr interessant und interaktiv. Man taucht regelrecht in die Gedankenwelt des berühmten Autors ein, der in der Stadt Prag gelebt hat. Man versteht, wie die Stadt seine Arbeit inspiriert hat und welche ambivalenten Gefühle er gegenüber der Hauptstadt empfand. Ein absolutes Muss, wenn man das Universum von Kafka ein wenig kennt.