
Die Kathedrale von San Luís Potosí, im 17. Jahrhundert von den Franziskanern erbaut
San Luís Potosí, woher kommt dieser Name? Zunächst einmal bezieht sich „San Luís“ auf den französischen König Ludwig den Heiligen, da die Stadt 1589 vom Franziskanerorden gegründet wurde. Der Zusatz „Potosí“ wurde 1792 von den Spaniern hinzugefügt, in Anlehnung an die bolivianischen Minen, da der Bundesstaat San Luís Potosí tatsächlich reich an Silber- und Goldvorkommen ist. Auf diesem Reichtum gründet sich die Entwicklung der Stadt.
Die trockenen Landschaften der Ebene von San Luís Potosí

Das Wasserreservoir, das einzige Überbleibsel des Aquädukts, das die Stadtmitte mit Wasser versorgte
Da die Stadt mitten in der Wüste erbaut wurde, bewiesen die Architekten großen Einfallsreichtum und errichteten ein gigantisches Aquädukt, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Heute ist davon nur noch das Haupt-Wasserreservoir erhalten. Die Stadt wurde ursprünglich von den indigenen Chichimeken erbaut, deren Nachfahren heute die Huichol sind. Einige Viertel haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt, wie etwa San Miguel oder San Sebastian, die durch die Calzada de la Guadalupe voneinander getrennt sind.

Traditionelle weibliche Huichol-Tracht

Traditionelle männliche Huichol-Tracht

Traditionelle Huichol-Tänze
Heute präsentiert sich San Luís als Stadt im Kolonialstil mit zahlreichen Kirchen wie dem Templo del Carmen, dem Templo San Agustin, dem Templo de San Francisco oder der Basilica de la Guadalupe. Während der Karwoche, genauer gesagt am Karfreitag, findet hier eine der bedeutendsten Prozessionen des Schweigens (Procesión del Silencio) in ganz Mexiko statt. Tausende Teilnehmer aus den verschiedenen Stadtvierteln und umliegenden Dörfern ziehen in einer Pilgerreise durch die Straßen und stellen dabei die verschiedenen Stationen des Leidensweges Jesu nach.

Templo del Carmen
Die Prozession beginnt erst bei Einbruch der Dunkelheit, doch die Menschenmassen drängen sich schon vorher, um sich einen Platz auf den in den Straßen aufgereihten Stühlen zu sichern. Der Zug startet am Templo del Carmen und führt durch die gesamte Stadt. Da die Schritte sehr langsam sind und Tausende von Büßern teilnehmen, erstreckt sich das religiöse Ereignis über mehrere Stunden!

Vorbereitung der Prozession mit den verschiedenen Altären, die mitgeführt werden
Viele der Gruppen bestehen aus Büßern, manche tragen Kapuzen, die ihr Gesicht vollständig verhüllen, andere gehen barfuß oder tragen Fußketten. Was besonders auffällt: Es sind Menschen aller Generationen vertreten!

Die Züge der Büßer, die manchmal Bibeln, Rosenkränze oder Lampions tragen oder in einem sehr langsamen, düsteren Rhythmus Trompete oder Trommel spielen

Prozessionsgruppen, in denen manchmal kleine Kinder stundenlang in der Kälte zum Rhythmus der Trauermusik marschieren
Insgesamt werden 14 Altäre durch das Stadtzentrum getragen, die die verschiedenen Stationen des Lebens Jesu symbolisieren. Die Altäre bestehen aus massivem Holz und sind mit aufwendigen Schnitzereien und zahlreichen Verzierungen versehen. Doch das Beeindruckendste ist die Anzahl der Personen, die nötig sind, um sie zu tragen! Die Männer wechseln sich während des Weges ab, tauschen manchmal die Schulter oder legen eine kurze Pause ein, um ihren schmerzenden Rücken zu entlasten.

Einer der letzten Altäre, der die Jungfrau Maria darstellt und von mehreren Männern getragen wird
Die Prozession umfasst auch einige ganz besondere Gruppen, wie den Aufmarsch der Römer (die damals die christliche Gemeinschaft verfolgten), Personen in traditioneller Kolonialkleidung oder auch die christianisierten Huichol.

Die Gruppe der Römer, ein erstaunlicher Anblick hier in Mexiko!

Die christianisierten Huichol, die dennoch ihre traditionelle Kleidung bewahrt haben, ein echtes Beispiel für religiösen Synkretismus

Die spanischen Siedler, die an der Missionierung der indigenen Völker der Region beteiligt waren
Die Semana Santa ist heute weit mehr als nur ein religiöses Fest im ganzen Land, für die meisten Mexikaner ist es auch die einzige Urlaubswoche im Jahr. Deshalb finden zahlreiche touristische Veranstaltungen statt, die die lokale Kultur und Gastronomie feiern, wie etwa die Feria del Taco in San Luís. Die perfekte Gelegenheit, die Tacos der Region zu probieren und ihre Herstellung von der Tortilla bis zum fertigen Gericht zu entdecken!

Die Tortillería, in der die Tortillas industriell aus „Masa“, dem nixtamalisierten Maisteig, hergestellt werden. Man kauft sein Paket mit noch warmen Tortillas in Portionen von einem Viertel-, Halb- oder ganzen Kilo!

Aber die besten Tacos genießt man mit handgemachten Tortillas! Eine kleine Kugel Masa wird geknetet und dann geformt (von Hand oder mit einer „Maricona“, einer manuellen Presse), bevor sie auf einem „Comal“ (einer heißen Platte) von beiden Seiten gebacken wird, und das alles, ohne sich die Finger zu verbrennen!

Auf die fertige Tortilla kommen dann allerlei „Guisos“, meist Fleischgerichte in Soße. Dazu kann man nach Belieben rohe oder gebratene weiße Zwiebeln, Koriander, Limettensaft und natürlich scharfe Soße, ob grün oder rot, geben.

Tacos können auch „dorados“ sein, das heißt, sie werden gefüllt und in Öl goldbraun ausgebacken. Zugegeben, das ist ziemlich fettig, aber es ist der absolute Klassiker des mexikanischen Fast Foods! Man findet sie überall, ob auf der Straße oder im Restaurant, zu jeder Tageszeit. Der Taco hat sogar Einzug in den täglichen Sprachgebrauch gehalten: So kann man zum Beispiel für „essen“ auch „echarse un taco“ sagen (wörtlich: „sich einen Taco zuwerfen“).
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