Aserbaidschan: Wenn das Feuer unter der Moderne schwelt
Der Boden in Aserbaidschan brennt. Buchstäblich. Auf der Halbinsel Abscheron schlagen seit Jahrtausenden Erdgasflammen aus der Erde, und genau hier nahm der Zoroastrismus, eine vom Feuer faszinierte Religion, seinen Ursprung. Heute sind es die Flame Towers von Baku, die den Nachthimmel in Brand setzen, während sich die LED-besetzten Wolkenkratzer in der Kaspischen See spiegeln. Als ölreichstes Land im Kaukasus, eine ehemalige persische Region mit türkischer Sprache und sowjetischem Erbe, lässt sich Aserbaidschan mit kaum einem anderen Ort vergleichen. Gerade das macht eine Reise dorthin so eindrücklich.Eine faszinierende Reise, aber lies dies vor der Buchung
Dieses Land ist für neugierige Reisende gedacht, die von pauschalen Zielen gelangweilt sind. Wer sich für Architektur, Wandern im Großen Kaukasus, türkisch-persische Küche und die Geschichte der Seidenstraße begeistert, findet hier Stoff für ein bis zwei Wochen, ohne sich zu wiederholen. Die Hauptstadt allein vereint ein von der UNESCO geschütztes historisches Zentrum, futuristische Bauten von Zaha Hadid und eine vielfältige Gastronomieszene. Außerhalb von Baku wirken die Bergdörfer wie in einem anderen Jahrhundert konserviert. Wenn du jedoch paradiesische Strände suchst, wirst du enttäuscht sein: Die Küste des Kaspischen Meeres hat nichts Tropisches an sich. Reisende, die auf eingespielte touristische Infrastrukturen angewiesen sind, sollten ihre Erwartungen außerhalb von Baku anpassen, wo Englisch selten gesprochen wird und die Straßen teils abenteuerlich sind. Es ist ein Land für organisierte Abenteurer, nicht für Spontantrips.Sicherheitshinweis für deutsche Staatsangehörige
Das Auswärtige Amt stuft Aserbaidschan seit September 2024 als Zone mit einem erhöhten Risiko ein. Deutsche Staatsangehörige, auch mit doppelter Staatsbürgerschaft, können bei willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen einem Risiko ausgesetzt sein, selbst bei rein touristischen Aufenthalten. Die Einhaltung grundlegender Rechte ist bei einer Festnahme nicht garantiert. Die angespannte diplomatische Lage zwischen Frankreich und Aserbaidschan sollte vor einer Buchung ernst genommen werden. Wenn du dich dennoch für eine Reise entscheidest, vermeide politische Gespräche, fotografiere keine offiziellen oder militärischen Gebäude und registriere dich in der Krisenvorsorgeliste deines Außenministeriums. Reisende aus Österreich oder der Schweiz prüfen am besten die Bestimmungen für ihre Staatsangehörigkeit.Tipp vom Experten: Die Grenzgebiete zu Armenien und der ehemaligen Region Bergkarabach sind aufgrund von Antipersonenminen streng zu meiden. Die Landgrenzen des Landes sind für die Einreise geschlossen: Aserbaidschan ist ausschließlich auf dem Luftweg erreichbar.
Kann eine Frau alleine durch Aserbaidschan reisen?
Aserbaidschan ist ein laizistisches muslimisches Land, und die Gesellschaft ist deutlich säkularer als in Nachbarstaaten wie dem Iran. Es gibt keine speziellen Kleidungsvorschriften auf der Straße. Baku ist weltoffen und gilt als sehr sicher. In ländlichen Gebieten ist die Mentalität konservativer, weshalb ein dezenter Kleidungsstil ratsam ist, ohne dass eine Kopfbedeckung erforderlich wäre. Die Kriminalitätsrate im ganzen Land ist sehr niedrig.Ein erstaunlich günstiges Reiseziel
Plane als Backpacker mit 30 bis 50 Euro pro Tag, für mittleren Komfort mit 60 bis 90 Euro. Eine komplette Mahlzeit in einem lokalen Restaurant kostet 5 bis 8 Euro, eine Übernachtung in einer Pension 15 bis 30 Euro und eine Fahrt mit dem Überlandbus selten mehr als 5 Euro. Baku ist die teuerste Stadt des Landes, doch im restlichen Aserbaidschan sind die Preise sehr erschwinglich.Baku: Eine Hauptstadt mit tausend Gesichtern
Es ist schwer, eine so widersprüchliche Hauptstadt zu finden. Das historische Herz, Icheri Sheher, ist eine befestigte Zitadelle, die zum Weltkulturerbe zählt. In den gepflasterten Gassen stehen der Jungfrauenturm, der Palast der Schirwanschahs aus dem 15. Jahrhundert und Karawansereien, die heute als Teppich-Restaurants dienen. Man schlendert hier langsam und trinkt schwarzen Tee aus birnenförmigen Gläsern. Nur wenige Straßen weiter ist der Kontrast frappierend. Das Heydar Aliyev Center von Zaha Hadid entfaltet seine weißen Kurven wie ein Raumschiff mitten in der Stadt. Das Teppichmuseum, untergebracht in einem Gebäude, das wie ein aufgerollter Teppich geformt ist, erzählt von einer Handwerkskunst, die von der UNESCO ausgezeichnet wurde. Der Boulevard von Baku, eine kilometerlange Promenade entlang des Kaspischen Meeres, bietet zum Sonnenuntergang den perfekten Blick auf die Flame Towers.Ausflüge ab Baku
Die Halbinsel Abscheron konzentriert die ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Der Ateshgah-Tempel, eine ehemalige zoroastrische Kultstätte, die von Erdgasflammen gespeist wird, lässt sich in Surachany in einer Stunde besichtigen. Yanar Dag, der brennende Berg, ist ein Hang, der permanent in Flammen steht. Der Effekt ist nachts am stärksten, auch wenn die Flamme kleiner ist, als man vielleicht erwartet. 50 Minuten südlich vereint das Reservat von Gobustan über 6.000 Petroglyphen, die 40.000 Jahre alt sind, sowie brodelnde Schlammvulkane. Dies ist der beliebteste Halbtagesausflug ab der Hauptstadt. Buche eine geführte Tour: Die Schlammvulkane auf eigene Faust zu finden ist schwierig und die Wege sind nicht markiert.Die Kaukasus-Route: Scheki als absolutes Highlight
Scheki ist nach Meinung fast aller Reisenden der schönste Umweg in Aserbaidschan. Diese ehemalige Stadt an der Seidenstraße, die zum UNESCO-Erbe gehört, liegt am Fuße des Großen Kaukasus, etwa 5 Busstunden von Baku entfernt. Ihr Palast der Khane von Scheki aus dem Jahr 1797 ist ein Meisterwerk in Miniaturform. Die Schebeke-Fenster, geometrische Glasmalereien, die ohne Nägel oder Kleber aus tausenden farbigen Glasstücken gefertigt wurden, werfen Lichtreflexe auf die Wandmalereien im Inneren. Die Stadt lebt noch immer von ihren Handwerkern. Seidenwerkstätten sind im historischen Zentrum in Betrieb, und die alte Karawanserei aus dem 18. Jahrhundert beherbergt heute ein Hotel, in dem man für etwa 50 AZN pro Nacht übernachten kann. Der lokale Basar ist voll mit Scheki-Pachlava, die feiner und duftender ist als jene in Baku, und handgemachter Halva.Tipp vom Experten: Lege auf dem Weg zwischen Baku und Scheki einen Stopp in Schamachi für die Juma-Moschee ein und fahre weiter in das Bergdorf Lahidsch. Ein mittelalterlicher Ort auf 1.375 Metern Höhe, wo Kupferschmiede ihre Stücke von morgens bis abends in offenen Werkstätten bearbeiten. Die Straße dorthin führt an schwindelerregenden Klippen entlang: spektakulär bei gutem Wetter, unpassierbar bei Regen.