Mauritius, weit mehr als nur ein türkisblaues Postkartenmotiv
In Port Louis rollt ein Verkäufer in einer präzisen Bewegung sein Dholl Puri, füllt das Linsengebäck mit dampfendem Curry aus dicken Erbsen und reicht es dir für umgerechnet weniger als 50 Cent. Ein hinduistischer Tempel steht nur zwanzig Meter von einer Moschee entfernt, während Flughunde über jahrhundertealten Banyan-Bäumen kreisen. Mauritius ist genau das, was sich ein Romanautor ausdenken würde, wenn man ihn bitten würde, Indien, Afrika, China und Frankreich auf 2.040 km² zu konzentrieren, die von Korallenriffen umgeben sind.
Mehr als nur Flitterwochen: Für wen eignet sich Mauritius?
Mauritius wird oft auf eine Kulisse für Hochzeitsreisen mit Cocktails und Sand zwischen den Zehen reduziert. Das wird der Insel nicht gerecht. Sie eignet sich für sehr unterschiedliche Reisetypen, sofern man weiß, was man sucht. Hier ist ein Überblick:
Geeignet für:
- Paare auf der Suche nach traumhaften Stränden und gehobener Hotellerie
- Familien mit Kindern: ruhige Lagunen, kaum natürliche Gefahren, passende Infrastruktur
- Fans von Kitesurfen, Tauchen, Schnorcheln und Wassersport
- Liebhaber kurzer Wanderungen in tropischer Umgebung
- Neugierige, die sich für eine kulturelle Mischung und Fusionsküche begeistern
- Digitale Nomaden dank des kostenlosen einjährigen Premium Visas
Weniger geeignet für:
- Nachtschwärmer: Das Nachtleben beschränkt sich auf Grand Baie und bleibt bescheiden
- Backpacker mit sehr knappem Budget: Unterkünfte sind teurer als in Südostasien
- Fans von unberührter Wildnis oder mehrtägigen Treks
- Reisende, die einen radikalen Kulturschock suchen: Die Insel ist sehr frankophon und komfortabel
Ein Budget, das zugänglicher ist als gedacht
Mauritius galt lange Zeit ausschließlich als Luxusreiseziel. Seit einigen Jahren hat sich das Angebot jedoch stark diversifiziert. Man kann die Insel heute mit sehr unterschiedlichen Budgets bereisen, vom Rucksacktouristen bis hin zur Suite mit privatem Pool.
| Reiseart | Wo | Dauer | Budget pro Person |
|---|---|---|---|
| Badeurlaub mit Komfort | Trou-aux-Biches / Belle Mare | 1 Woche | 600 € bis 1.200 € |
| Luxus-Flitterwochen | Le Morne / Bel Ombre | 10 Tage | 2.000 € bis 4.500 € |
| Natur- und Strand-Roadtrip | Inselumrundung mit dem Auto | 2 Wochen | 800 € bis 1.500 € |
| Kitesurfen und Wassersport | Le Morne / Pointe d'Esny | 1 Woche | 700 € bis 1.300 € |
| Backpacker in Gästehäusern | Flic-en-Flac / Mahébourg | 2 Wochen | 450 € bis 750 € |
| Familien-Entdeckungstour | Westküste + Norden | 10 Tage | 900 € bis 1.800 € |
Vor Ort: Eine unkomplizierte Insel
Mauritius lässt sich in zwei Autostunden von einem Ende zum anderen durchqueren. Die Hauptstraßen sind in gutem Zustand, auch wenn der Verkehr rund um Port Louis und Curepipe zu Stoßzeiten zunehmen kann. Es herrscht Linksverkehr, ein britisches Erbe, an das man sich jedoch schnell gewöhnt.
Was die Kommunikation angeht, gibt es für Frankophone keine Sprachbarriere. Das mauritische Kreol, die Sprache des Alltags, basiert auf dem Französischen. Englisch ist Amtssprache, Französisch die Sprache der Medien und des täglichen Austauschs. In manchen Vierteln hörst du zudem Hindi, Tamil und Mandarin.
Ist eine Reise nach Mauritius gefährlich?
Mauritius ist eines der sichersten Länder Afrikas mit einer niedrigen Kriminalitätsrate. Reisende, auch allein reisende Frauen, können sich ohne besondere Sorge bewegen. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: auf Wertsachen auf belebten Märkten achten, nachts schlecht beleuchtete Gegenden meiden.
Naturtechnisch gesehen gibt es aufgrund des Korallenriffs keine Haie in Küstennähe, keine gefährlichen Schlangen und keine großen Raubtiere. Lediglich Seeigel an manchen Stränden und ein Sonnenbrand erfordern deine Aufmerksamkeit.
Freundschaftlicher Rat: Trinke kein Leitungswasser und nimm einen britischen Steckdosenadapter mit. Die Apotheken vor Ort sind gut ausgestattet, aber nimm deine gewohnten Medikamente mit. Für Reisende aus der EU sind keine Impfungen vorgeschrieben.
Atemberaubende Lagunen und weit mehr
Die mauritische Küste erstreckt sich über 330 km und ist von einem der größten Korallenriffe der Welt gesäumt. Die geschützten Lagunen schaffen natürliche Pools von absoluter Ruhe, ideal zum Baden mit kleinen Kindern.
An der Nordküste bietet Trou-aux-Biches fast unwirklich weißen Sand und kristallklares Wasser, das perfekt zum Schnorcheln nur wenige Meter vom Ufer entfernt ist. Weiter östlich erstreckt sich der Strand von Belle Mare, der unter der Woche weniger besucht ist und spektakuläre Sonnenaufgänge bietet.
Der wilde Süden
Die Südküste hat eine völlig andere Atmosphäre. Die Wellen schlagen gegen die Klippen von Gris-Gris, die Strände sind rauer, die Vegetation dichter. Das ist das Mauritius, das in Broschüren selten gezeigt wird. Der Pont Naturel, ein vom Ozean geformter vulkanischer Felsbogen, wird nur selten besucht, obwohl er zu den eindrucksvollsten Orten der Insel gehört.
Freundschaftlicher Rat: Nimm für die Strände Badeschuhe mit. In Flic-en-Flac oder Trou-aux-Biches können Korallenfragmente empfindliche Füße überraschen. Die Strände von Pereybere und La Cuvette sind hingegen perfekt glatt und ideal für Kinder.
Berge, Schluchten und farbige Erde
Mauritius ist vulkanischen Ursprungs und sein bergiges Inneres hält echte Überraschungen bereit. Der Parc national des Gorges de la Rivière Noire, der einzige Nationalpark des Landes, umfasst 6.500 Hektar tropischen Regenwald. Hier begegnet man der Rosentaube, einer endemischen Art, die vor dem Aussterben bewahrt wurde, und Panoramen, die eher an Costa Rica als an den Indischen Ozean erinnern.
Die Wanderung zum Gipfel des Le Morne Brabant, der zum UNESCO-Welterbe gehört, belohnt Wanderer mit einem Blick auf das optische Phänomen des Unterwasser-Wasserfalls. Der Ort trägt eine tragische Geschichte: Hierher flohen im 18. Jahrhundert die entlaufenen Sklaven.
Chamarel und die Erde der sieben Farben
Das Dorf Chamarel vereint mehrere natürliche Kuriositäten auf wenigen Kilometern. Die Sanddünen in sieben verschiedenen Farbtönen bilden eine faszinierende Mondlandschaft. Der 100 Meter hohe Wasserfall von Chamarel stürzt inmitten dichter tropischer Vegetation in die Tiefe. Die Rhumerie de Chamarel bietet zudem Führungen mit Verkostungen eines renommierten landwirtschaftlichen Rums an.
Der Vulkankrater Trou aux Cerfs in Curepipe ist ein weniger bekannter Ort und bietet einen leichten Spaziergang um einen See, der sich in einem alten Vulkan gebildet hat. Bei klarem Wetter reicht der Blick über einen großen Teil der Insel.
Das kulturelle Zentrum des Indischen Ozeans
Mauritius hat keine indigene Bevölkerung. Jede Welle der Kolonialisierung und Einwanderung hat ihre kulturelle Schicht hinterlassen: holländisch, französisch, britisch, indisch, afrikanisch und chinesisch. Das Ergebnis ist eine für ein so kleines Gebiet seltene kulturelle Dichte. Etwa 48 % der Bevölkerung sind Hindus, 26 % Katholiken, 17 % Muslime, der Rest verteilt sich auf Buddhisten und andere Konfessionen.
In Port Louis zeigt sich diese Vielfalt im öffentlichen Raum. Das Viertel Chinatown grenzt an die Mosquée Jummah, eine der schönsten der südlichen Hemisphäre. Tamilische Tempel mit leuchtenden Farben verstecken sich in den Gassen. Der laute und duftende Zentralmarkt ist der beste Ort, um den Puls dieser Stadt zu spüren, die von Touristen oft zu schnell durchquert wird.
Das Aapravasi Ghat und die Erinnerung an die Indentur
Das zum UNESCO-Welterbe gehörende Aapravasi Ghat in Port Louis zeugt von der Ankunft indischer Vertragsarbeiter nach der Abschaffung der Sklaverei. Dieses Kapitel der Geschichte, das weniger bekannt ist als der transatlantische Sklavenhandel, hat die Demografie und Kultur des heutigen Mauritius geprägt. Der Besuch ist schlicht, bewegend und kostenlos.
Für einen entspannteren Einblick bietet das Château de Labourdonnais im Norden einen Ausblick auf das koloniale Zuckerrohrleben des 19. Jahrhunderts, inklusive Gartenanlagen, Destillerie und Verkostungen von handgemachten Konfitüren.
Sport und Adrenalin zwischen Land und Meer
Mauritius gehört zu den Top 10 der weltweiten Kitesurf-Spots. Der von Passatwinden begünstigte Strand von Le Morne zieht von Juni bis November Rider aus aller Welt an. Die Bedingungen sind außergewöhnlich, mit einer flachen, durch das Korallenriff geschützten Lagune und beständigem Wind.
Taucher finden ihr Glück an der Westküste, besonders rund um Flic-en-Flac, wo mehrere auch für Anfänger zugängliche Tauchplätze die Beobachtung von Rochen, Clownfischen und Schildkröten ermöglichen. Das Schwimmen mit Delfinen vor Tamarin ist eine beliebte Aktivität, sofern man einen respektvollen Anbieter wählt, der Abstand hält.
Wanderungen für jedes Niveau
Die Besteigung des Pieter Both, des zweithöchsten Berges der Insel mit seinem riesigen, ausbalancierten Felsen auf dem Gipfel, ist sportlichen Wanderern vorbehalten. Für eine moderatere Anstrengung bieten die Tamarind Falls eine Reihe von Wasserfällen, die nach wenigen Stunden Fußmarsch erreichbar sind, inklusive der Möglichkeit, in natürlichen Becken zu baden.
Wir bei Avygeo sind der Meinung, dass Mauritius eines der wenigen tropischen Reiseziele ist, an dem man entspannten Badeurlaub, Bergwandern und eine intensive kulturelle Erfahrung kombinieren kann, ohne je länger als eine Stunde zu fahren.
Mauritius auf dem Teller: Ein Treffpunkt der Aromen aus vier Kontinenten
Die mauritische Küche spiegelt die Bevölkerung wider. Indische, kreolische, chinesische und französische Einflüsse vermischen sich auf jedem Teller, und am besten probiert man sie auf der Straße. Das Dholl Puri, ein mit gelben Linsen gefülltes und mit Curry garniertes Fladenbrot, wird überall für etwa 20 Rupien pro Paar verkauft, was weniger als 50 Cent entspricht. Es ist das Nationalgericht, das Mauritier zu jeder Tageszeit im Stehen essen.
Gâteaux piments, würzige Kichererbsenkrapfen, die an Falafel erinnern, isst man zum Frühstück oder zur Teestunde, oft in einem Stück gebuttertem Baguette. Der Bol renversé, Reis mit sautiertem Gemüse und einem Spiegelei, der gestürzt auf dem Teller serviert wird, zeugt vom sino-mauritischen Erbe. Der Vindaye, in Senf, Kurkuma und Essig marinierter Fisch, ist ein typisch lokales Gericht, das man nirgendwo sonst findet.
Als Getränk überrascht und erfrischt das Alouda, eine süße Milch mit Basilikumsamen und Gelee, nach einer würzigen Mahlzeit. Der lokale Rum, hergestellt aus auf der Insel angebautem Zuckerrohr, begleitet die Abende mit Überzeugung.
Wann sollte man nach Mauritius reisen?
Mauritius genießt ein tropisches Klima mit zwei Hauptjahreszeiten. Der australische Sommer von November bis April bringt Wärme und Feuchtigkeit mit Temperaturen zwischen 27°C und 34°C sowie einem Zyklonrisiko von Januar bis März. Der australische Winter von Mai bis Oktober bietet trockeneres und milderes Wetter zwischen 17°C und 26°C, ideal für Wanderungen und Outdoor-Aktivitäten.
Die touristische Hochsaison entspricht den europäischen Ferien: Dezember bis Januar und Juli bis August. Die Preise steigen in diesen Zeiträumen spürbar an. Die klügsten Monate für eine Reise sind Mai, Juni, September und Oktober, da sie einen guten Kompromiss aus angenehmem Wetter, moderaten Preisen und überschaubarem Touristenaufkommen bieten.
Freundschaftlicher Rat: Die Westküste ist meist sonniger und windgeschützter als die Ostküste. Wenn du im australischen Winter reist, solltest du Flic-en-Flac oder Le Morne bevorzugen, um die Tage mit schönem Wetter zu maximieren.
Wie kommt man nach Mauritius?
Von Paris aus verbinden Direktflüge CDG und Orly mit dem internationalen Flughafen Sir Seewoosagur Ramgoolam in etwa 11 Stunden. Die wichtigsten Fluggesellschaften auf dieser Strecke sind Air Mauritius, Air France und Corsair. Die Hin- und Rückflugpreise schwanken je nach Saison und Buchungszeitpunkt zwischen 500 € und 1.000 €.
Optionen mit Zwischenstopp über Dubai mit Emirates, Istanbul mit Turkish Airlines oder Amsterdam mit KLM erlauben es manchmal, günstigere Tarife zu finden, allerdings bei einer Reisezeit von 15 bis 20 Stunden. 3 bis 4 Monate im Voraus zu buchen, bleibt die beste Strategie für gute Preise.
Zu den Formalitäten: Ein Reisepass, der noch 6 Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist, genügt. Für Staatsangehörige aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist für einen Aufenthalt von weniger als 90 Tagen kein Visum erforderlich. Das Visum wird bei der Ankunft kostenlos erteilt. Die Zeitverschiebung beträgt im Vergleich zu Deutschland +2 Std. im Sommer und +3 Std. im Winter.
Wie bewegt man sich auf Mauritius fort?
Ein Mietwagen ist die praktischste Art, die Insel im eigenen Tempo zu erkunden. Rechne mit ab 20 € pro Tag für einen Kleinwagen, Benzin ist preislich moderat. Der Linksverkehr irritiert auf den ersten Kilometern, wird dann aber natürlich. Parkplätze sind an den meisten öffentlichen Stränden und Sehenswürdigkeiten kostenlos.
Das Netz der öffentlichen Busse deckt den Großteil der Insel zu sehr günstigen Preisen von etwa 0,80 € pro Fahrt ab. Die Fahrpläne sind jedoch unregelmäßig und die Busse oft voll. Für diejenigen, die nicht selbst fahren möchten, ist die Buchung eines privaten Taxis für einen Tag mit Chauffeur-Guide eine beliebte Formel, die es ermöglicht, die Route individuell zu gestalten und gleichzeitig lokales Insiderwissen zu erhalten.
Gut zu wissen:
- Hauptstraßen sind gut gepflegt, eine Autobahn verbindet den Norden mit dem Süden
- Die Insel lässt sich in maximal 2 Stunden durchqueren, was Kombireisen erleichtert
- Die Insel Rodrigues, die unbekannte kleine Schwester, ist in 1,5 Flugstunden von Mauritius erreichbar