Connemara-Nationalpark, wo sich Irland nicht zähmen lässt
Der Wind peitscht, der Nieselregen setzt ein, und plötzlich reißt der Himmel auf. Ein flaches Licht verwandelt das Moor in einen Teppich aus Gold und Kupfer. Fünf Minuten später regnet es wieder.
Das ist Connemara: 2 000 Hektar aus Bergen, Heideland und Moor. Das Wetter ändert sich hier schneller, als man eine Jacke anziehen kann, und jeder Sonnenstrahl fühlt sich wie eine Belohnung an.
Warum den Connemara-Nationalpark besuchen?
Der Park wurde 1980 eröffnet und umfasst Ländereien, die einst zum Anwesen der Kylemore Abbey, zur Industrieschule von Letterfrack und zu Richard "Humanity Dick" Martin gehörten. Er war Anfang des 19. Jahrhunderts einer der Gründer der britischen Tierschutzgesellschaft. Diese bewegte Geschichte hat ihre Spuren in der Landschaft hinterlassen: verfallene Steinmauern, von Hand gegrabene Torfgruben und Überreste alter Weideflächen.
Heute schützt der Park ein atlantisches Hochmoor, einen der am stärksten bedrohten Lebensräume in Europa. Fleischfressende Pflanzen wie das Fettkraut und der Sonnentau gedeihen hier, da der Boden nährstoffarm und sauer ist. Im Sommer überzieht Heidekraut die Hänge und verleiht der Landschaft den violetten Ton, den man von irischen Postkarten kennt.
Die Wanderwege: Vier Rundwege, vier Stimmungen
Für Familien und Spaziergänger
- Der Ellis Wood Nature Trail, ein 500 Meter langer Rundweg durch ein kleines Waldstück am Fuß des Diamond Hill. Man findet hier Wildblumen, einen kleinen Bach und manchmal einen Wasserfall.
- Der Sruffaunboy Trail, 1,5 km auf flachem Gelände, bietet einen ersten guten Einblick in den Park mit Blick auf die Bucht von Barnaderg.
Beide Wege sind in unter einer Stunde zu schaffen, für den ersten ist auch ein Kinderwagen geeignet.
Die kleine Runde am Diamond Hill
Der blaue Weg erstreckt sich über 2,8 km auf Schotterwegen und Holzstegen. Die Steigung ist gering, und die Aussicht auf die Seen und die Inseln von Renvyle ist bereits beeindruckend. Planen Sie 45 Minuten bis eine Stunde für diesen Rundweg ein, ideal bei wechselhaftem Wetter oder wenn man sich für den weiteren Aufstieg schonen möchte.
Der Aufstieg auf den Diamond Hill
Der rote Pfad führt über die kleine Runde hinaus bis zum Gipfel des Diamond Hill auf 442 Meter. Der Berg verdankt seinen Namen der Rautenform und dem Quarzit, das in der Sonne an seinen Flanken funkelt. Der Anstieg wird auf dem letzten Kilometer anspruchsvoller. Die Steintreppen weichen einem steileren, felsigen Terrain, bei dem man stellenweise die Hände zu Hilfe nehmen muss. Der Wind am Gipfel ist selbst im Sommer oft kräftig.
Die Belohnung ist ein 360-Grad-Panorama. Im Westen liegen die Inseln Inishbofin und Inishturk im Atlantik. Im Südosten reihen sich die Kämme der Twelve Bens aneinander. Bei klarem Wetter kann man die Kylemore Abbey sehen, die sich an ihren See schmiegt. Rechnen Sie mit 2h30 bis 3h für die gesamte große Runde.
Tipp vom Experten: Seien Sie in der Hochsaison vor 10:00 Uhr da. Der kostenlose Parkplatz füllt sich schon am Vormittag schnell. Verlassen Sie sich beim Aufbruch niemals auf den Himmel: Nehmen Sie immer wetterfeste Kleidung und Wanderschuhe mit, auch wenn in Letterfrack die Sonne scheint. Am Gipfel können die Bedingungen völlig anders sein.
Was der Park abseits der Wege verbirgt
Das Visitor Centre befindet sich in ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäuden und bietet eine kostenlose Ausstellung zur Entstehung der Moore und zur Geologie von Connemara seit der letzten Eiszeit. Ein 20-minütiger Film dokumentiert die Artenvielfalt und die Naturschutzmaßnahmen. Er ist auf Anfrage auch auf Französisch verfügbar und lohnt sich als kurzer Stopp, bevor man die Wanderschuhe schnürt.
Seit 2024 beheimatet der Park zudem das Connemara Pony Heritage Centre, das sich dem Erhalt des Connemara-Ponys widmet, einer einheimischen Rasse mit grauem Fell und hoher Robustheit. Diese Ponys begegnen einem regelmäßig frei laufend entlang der Wege, zusammen mit Schafen, Eseln und manchmal Rotwild. Vogelkundler können Turmfalken, Wiesenpieper und Wanderfalken beobachten.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Connemara-Nationalpark ist ein Ort, der zahlreiche Wanderungen mitten in der Natur bietet. Die unberührten Naturlandschaften sind ziemlich majestätisch. Man hat das Gefühl, völlig allein auf der Welt zu sein. Denkt daran, vor dem Aufbruch unbedingt den Wetterbericht zu prüfen. Die Wanderung ist bei Regen nämlich deutlich weniger angenehm.